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Iran Team Melli

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Iran Team Melli

Der Iran ist mehr als 4,5mal so groß wie Deutschland, besteht aber zu zwei Dritteln aus Wüste. Das Land ist weltweit der zweitgrößte Erdöl- und Erdgaslieferant, weshalb es für Industrienationen mit hohem Energiebedarf wie die USA aber auch China und die EU wichtig ist. Islamische Republik nennt sich die Staatsform des Landes. Das bedeutet, dass die religiösen islamischen Führer die größte Macht im Land haben und ihnen alle staatliche Gewalt unterstellt ist.

Kommt der Präsident?

Diese Frage steht seit Wochen im Zentrum des Interesses, wenn es um den Iran und die WM geht. Warum ist das so wichtig? Über die Regierungschefs anderer Länder und deren Interesse an Fußball spricht doch auch kaum jemand.

Mahmud Ahmadinedschad, seit August 2005 Präsident der Islamischen Republik Iran sorgte in den letzten Monaten weltweit für ziemlichen Wirbel, da er Anlagen zur Anreicherung von Uran bauen will. Diese sind zum einen für die Gewinnung von Strom durch Atomkraft notwendig, können andererseits aber auch zur Herstellung von Atomraketen dienen. Und genau davor haben die Länder der westlichen Welt Angst.

Ahmadinedschad hat schließlich seit seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass er seine harte Haltung durchziehen will und noch dazu erklärt, der Staat Israel solle vernichtet werden. Kein allzu friedlicher Zeitgenosse offensichtlich.

Aus dem gleichen Grund, nämlich dem vermuteten heimlichen Aufbau eines Atomwaffenarsenals führten die USA seit 2003 Krieg gegen Irans Nachbarstaat Irak. Das Thema ist also überaus konfliktträchtig.

Käme mit Ahmadinedschad das Chaos?

Was bedeutet es nun, wenn Irans Machthaber, der als Gegner von Demokratie und Unterdrücker seines Volkes betrachtet wird, zum Besuch nach Deutschland kommt? Mehrere Demonstrationen gegen ihn sind bereits angekündigt. Wird es dabei friedlich zugehen? Und was ist mit der Angst vor Terroranschlägen, die gerade im Zusammenhang mit den iranischen Spielen geschürt wird? Alles nur Panikmache oder reale Bedrohung?

Viele Fragen bleiben bislang offen, übrigens auch die nach dem Besuch des Präsidenten. Und über all dem gerät der Fußball ziemlich in den Hintergrund. Deshalb nun mehr dazu...

Sieg über USA macht Fußball beliebt

Fußball ist für die Iraner noch nicht lange von Bedeutung. Früher galt Ringen als wichtigster Nationalsport. Doch bei der zweiten WM-Teilnahme des Landes im Jahr 1998 kam der Umbruch: In Frankreich besiegte Iran den Erzfeind USA 2:1 und machte damit den Ballsport populär. Trotzdem schied die Nationalelf wie schon 1978 bereits in der Vorrunde aus.

Dieses Mal soll es das Team von Trainer Branko Ivankovic jedoch bis ins Achtelfinale schaffen, immerhin gilt die aktuelle Nationalmannschaft als die beste in der Geschichte des Landes.


Sportprofessor als Trainer

Der Kroate Ivankovic, der vor der Nationalelf bereits die U-23-Auswahl erfolgreich coachte und eigentlich Professor für Sportwissenschaften ist, gilt im Iran als ziemlich umstritten. Bis kurz vor der WM forderten manche seine Ablösung, da die Mannschaft zu defensiv spiele und Ende 2005 etliche Niederlagen einstecken musste.

Auch den religiösen Führern, die in der Islamischen Republik in allen Dingen das letzte Wort haben, ist der Ausländer ein Dort im Auge. Aber wenigstens die Spieler stehen geschlossen hinter ihrem Trainer.

Exiliraner kämpfen für ihr Land

Lieblingsspieler der Iraner ist ausgerechnet Ferydoon Zandi (Foto) vom 1. FC Kaiserslautern, der sein ganzes Leben in Deutschland verbrachte. Aber auch etliche seiner Kollegen sind bei uns wohlbekannt, so z. B. Mehdi Mahdavikia vom Hamburger SV, Vahid Hashemian von Hannover 96 und natürlich Ali Karimi vom FC Bayern.

Karimi, der 2004 zum Fußballer des Jahres in Asien gewählt wurde, spielte lange Zeit für Dubais bevor er 2005 im Alter von 26 Jahren nach Bayern wechselte.

Der Star der Mannschaft ist und bleibt jedoch Ali Daei, der seinem Ruf als Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze auch bei der WM-Qualifikation mit neun Toren gerecht wurde.

Ganz in Weiß wird Team Melli, was schlicht und einfach Nationalmannschaft heißt, am 11. Juni gegen Mexiko antreten. Weitere Gegner aus Gruppe D sind Angola und Portugal.

Text: LM 08.06.06, Fotos: Puma

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