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Georg Büchner: Verfasser des "Hessischen Landboten" und deutsches Theatergenie

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Georg Büchner: Verfasser des "Hessischen Landboten" und deutsches Theatergenie

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" - so lautete das kämpferische Motto des von Georg Büchner verfassten "Hessischen Landboten", der in der Nacht zum 31. Juli 1834 heimlich verteilt wurde. Seine Zeitgenossen bezeichneten seine Ansichten als radikal und seine Werke als unerhört modern. Erst im 20. Jahrhundert wurde der literarische und zeitgeschichtliche Wert seiner Schriften und Theaterstücke erkannt.

Geboren wurde Georg Büchner am 17. Oktober 1813 bei Darmstadt. Als Sohn eines Chirurgen war seine berufliche Laufbahn schnell festgelegt. Er sollte Arzt werden und studierte ab 1831 auf Wunsch des Vaters in Straßburg Medizin, Naturwissenschaften und Philosophie. Nebenbei befasste er sich ausführlich mit der Geschichte der Französischen Revolution und begann sich als Gegner der Reaktion politisch zu engagieren. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, gegen die bestehenden Verhältnisse anzukämpfen notfalls mit Gewalt.

 

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Bild: Der Hessische Landbote - Ausschnitt der ersten Seite.

Wieder nach Hessen zurückgekehrt, gründet der junge Student die Gießener Gesellschaft für Menschenrechte.

1834 verfasst er ein 8-seitiges Flugblatt, den "Hessischen Landboten", gegen die sozialen Missstände der Zeit. Nach einer redaktionellen Überarbeitung des Butzbacher Rektors Friedrich Ludwig Weidig wird der "Hessische Landbote" gedruckt.

Die ersten Exemplare der Flugschrift wurden in der Nacht zum 31. Juli 1834 heimlich im Großherzogtum Hessen-Darmstadt verteilt. In der Schrift rief Büchner die ortsansässigen Bauern dazu auf, sich gegen die Justiz, die Fürsten und ihre Beamten aufzulehnen. Obwohl die Schrift beim Zielpublikum kaum auf Resonanz stieß, musste ihr Verfasser 1835 flüchten.

Steckbrieflich gesucht
 

Über Straßburg gelangte Georg Büchner nach Zürich, wo die Universität seine Doktorarbeit über das Nervensystem von Fischen angenommen hatte. Wegen seiner radikalen politischen Aktivitäten wurde er währenddessen steckbrieflich gesucht. Trotz dieser nervlichen Belastung war Georg Büchner in seinen letzten beiden Lebensjahren produktiv wie nie zuvor. Neben seiner Tätigkeit als Privatdozent für Medizin widmete er sich dem Schreiben und Übersetzen. Die angestrebte Professorenstelle wurde ihm allerdings verwehrt. Am 19. Februar stirbt Bücher im Alter von nur 23 Jahren an Typhus.

Literatur von Weltrang

Trotz seines frühzeitigen Todes hat Büchner Literatur von Weltrang geschaffen. Insbesondere Dantons Tod und Woyzeck gehören heute zum Standardrepertoire deutscher und ausländischer Theater. Die beiden gesellschaftskritischen Werke sind außerdem eine beliebte Schullektüre.
In Dantons Tod (1835) thematisiert Büchner den verhängnisvollen Lauf der Geschichte, indem er den Niedergang des Revolutionärs Georges Jacques Danton beschreibt. Darin kommt wohl auch die Enttäuschung des Dichters über den Ausgang der Französischen Revolution zum Ausdruck.

Erstes soziales Drama

Noch wegweisender für spätere Epochen wurde das unvollendet gebliebene Stück Woyzeck (1836), das heute als das erste soziale Drama der deutschen Literatur gilt. Darin schildert der Dichter, wie ein einfacher, geistig verwirrter Mann unter dem Druck sozialer Ungerechtigkeit zum Mörder seiner Geliebten wird. Dazu müsst ihr wissen, dass es damals überhaupt nicht üblich war, Angehörige unterer Schichten als Handlungsträger auf die Bühne zu bringen. Neu ist auch der Aufbau des Dramas: Büchner lässt die einzelnen Szenen nicht logisch aufeinander folgen, sondern reiht sie eher intuitiv aneinander.

Wegbereiter für die Moderne

 Bild: Georg Büchner.



Wegen ihres krassen Realismus und der unverfärbten Sprache werden Georg Büchners Stücke heute als Wegbereiter des modernen Dramas verstanden. Vor allem für die Bühnenautoren des Naturalismus und Expressionismus lieferten Dantons Tod, Woyzeck oder das sozialkritische Lustspiel Leonce und Lena (1838) wichtige Anregungen. Auch in der Erzählliteratur leistete Büchner Pionierarbeit. Sein Novellenfragment Lenz über einen geistesgestörten Dichter gilt als erste psychologische Erzählung in der deutschen Literatur.

Georg-Büchner-Preis

Nachdem Georg Büchner während des Naziregimes verpönt war, kam sein Name 1951 zu neuen Ehren. Seitdem verleiht die Akademie für Sprache und Dichtung den angesehensten Literaturpreis in Deutschland den Georg-Büchner-Preis.

Text: Nic - 13.2.2007 / Abbildung: wikipedia public domain
Aktualisiert: Christine Spindler; 27.07.2009; Bild "Hessischer Landbote": pd

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