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Gemeinsam Fernsehen in Fernsehstuben

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Gemeinsam Fernsehen in Fernsehstuben

Fernsehen im Bett, in der Küche oder im Kinderzimmer - 1935 völlig undenkbar. Damals wurde am 22. März das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt ausgestrahlt. Nur hatte kaum jemand einen Fenrseher - deshalb wurden Fernsehstuben eingerichtet.

Fernsehstube in Berlin

Die neue Technik als Propaganda-Waffe

Am 22.03. 1935 wurde mit der regelmäßigen Ausstrahlung eines Fernsehprogramms in Deutschland begonnen. Mit einer großen Feierlichkeit im Berliner Haus des Rundfunks vor mehr als 100 geladenen Gästen wurde das Ereignis gewürdigt. Die nationalsozialistische Führung unter Adolf Hitler und mit Josef Goebbels als Reichspropagandaminister wollte den Anlass nutzen, um die angebliche technische Vormachtstellung Deutschlands in der Welt zu demonstrieren. So sollte das Dritte Reich als wirtschaftlich führend im Bereich der modernen Fernseh-Technologie herausgestellt werden.

Sendebetrieb ohne Empfänger

An drei Abenden in der Woche wurden von 20.00 bis 22.00 Uhr Sendungen ausgestrahlt. Allerdings gab es noch einen wichtigen Schönheitsfehler: Zwar gab es nun ein laufendes Fernsehprogramm - aber kaum Empfänger.

In Berlin und Umgebung gab es damals nur etwa 250 Fernsehgeräte. Weder war die Industrie für eine Massenfertigung von Fernsehern bereit, noch wollte oder konnte die Bevölkerung für einen Fernseher für damalige Verhältnisse ungeheuerliche Summen zahlen. So kostete ein Fernsehempfänger 1934 zwischen 2500 und 3600 Reichsmark.

"Fernsehstuben"

Man versuchte Abhilfe zu schaffen und so eröffnete die Reichspost am 09.04.1935 die erste öffentliche Fernsehempfangsstelle für den Gemeinschaftsempfang im Berliner Reichspostmusuem. Ihr könnt euch das so vorstellen: Ca 30 Menschen sitzen in einem Raum und sehen sich auf einem winzigen Bildschirm gemeinsam schwarz-weiße Nachrichten an.

Schon am 15. Mai wurden weitere "Fernsehstuben" in Berlin eröffnet und schließlich kamen immer mehr dazu. Ca 30 Personen konnten gleichzeitig fernsehen. Der Eintritt war kostenlos. Dafür war das Fernsehbild auch nur 18 x 22 cm groß. Tagsüber liefen in den Fernsehstuben Versuchssendungen und Musik, abends wurde ein zweistündiges Informations- und Abendprogramm geboten.

Die Zuschauer waren nicht alle begeistert, schließlich war der "Bildschirm" im Vergleich zur Kinoleinwand viel zu klein. Doch schon im Herbst kam die nächste Neuerung: Es wurde die erste öffentliche Fernseh-Großbildstelle für rund 300 Zuschauer eröffnet. Technisch wurde dort die Bildfläche durch ein Zwischenfilm- Projektionsgerät auf 3 x 4 Meter vergrößerte.

Volksempfänger lässt Fernsehempfänger hinter sich

Die Nazionalsozialisten versuchten das Fernsehen für ihre Zwecke zu nutzen. Erstes Fernsehgroßereignis, das die Nazis in Szene setzten, waren die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Zu diesem Anlass wurden auch noch mehr Fernsehstuben eingerichtet.

1939 wurde dann auf der Berliner Funkausstellung der deutsche Einheitsempfänger E1 vorgestellt. Er sollte mit 650 Reichsmark so günstig sein, dass jedermann ihn sich kaufen konnte. Das Gerät war technisch ausgereift und von einer überraschend hohen Bildqualität. Die erste Serie sollte 10 000 Geräte umfassen und war für den Großraum Berlin bestimmt.

Ende des Jahres 1939 sollte mit der Auslieferung der Geräte begonnen werden. Doch der Kriegsausbruch im September 1939 machte diese Pläne zunichte. Insgesamt wurden nicht mehr als 50 Geräte produziert. Und so bleib das Radio wegen der Reichweite das wichtgste Medium für die nationalsozialistische Propaganda.

Im Winter 1944 wurden die Fernsehsendungen im Deutschen Reich eingestellt. In der Bundesrepublik Deutschland sollte erst am 25. Dezember 1952 der Fernsehbetrieb wieder aufgenommen werden.

-ab-22.03.05 Text / Fotos: Uni Köln; Archiv Homepage St. Jakobi Braunschweig, .

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