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Fußball-Weltmeister 2006: Italien

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Fußball-Weltmeister 2006: Italien

Nach vier Wochen Ausnahmezustand in Deutschland ist die WM vorüber. Der Sieger des Jahres 2006 heißt Italien. Das junge Team um Trainer Marcello Lippi hat sein Ziel erreicht und den Titel zum vierten Mal ins eigene Land geholt.


Der Jubel auf der Iberischen Halbinsel kennt keine Grenzen mehr. Zum viertel Mal nach 1934, 1938 und 1982 kann sich die Nationalmannschaft die WM-Krone aufsetzen. In der Weltmeistertabelle verdrängt Italien damit Deutschland vom zweiten auf den dritten Platz. Tabellenführer bleibt der fünffache Rekordweltmeister Brasilien.

Der Weg zum Titel

Nach der Pleite von 2004 musste der italienische Fußballverband handeln: Star-Trainer Giovanni Trappatoni musste gehen und Marcello Lippi das Team übergeben. Er verjüngte die Mannschaft, entdeckte verborgene Talente und setzte ein offensiveres Spiel durch, ohne jedoch die Defensive zu vernachlässigen. Die Tugenden der italienischen Abwehr wurden bewahrt, der Angriff ausgebaut. Diese Strategie hat sich bewährt und letztlich zum Weltmeistertitel geführt.

Italiens Gegner in der WM 2006

Die italienische Mannschaft hatte sich mit zwei Siegen gegen Ghana und Tschechien (jeweils 2:0) sowie einem Unentschieden gegen die USA (1:1) für das Achtelfinale empfohlen. Dort besiegten sie den Außenseiter Australien in der Nachspielzeit durch einen fragwürdigen Elfmeter mit 1:0.  Im Viertelfinale ließ Italien dem deutlich schwächeren Gegner aus der Ukraine keine Chance und gewann 3:0.
Gegen Deutschland agierte die Mannschaft extrem offensiv, sie konnte technisch überzeugen, blieb den Deutschen einen Tick überlegen und erspielte sich gerade in der Nachspielzeit richtig gute Chancen. Nach einer Last-Minute-Entscheidung mit Toren in der 119. und 121. Minute zog die Squadra Azzurra verdient ins Finale ein.

Endspielgegner Frankreich

Wie die Italiener hatten sich auch die Franzosen in dieser WM von Spiel zu Spiel gesteigert. Der Weg ins Achtelfinale war mühsam verlaufen: Erst ein torloses Unentschieden gegen die Schweiz, dann ein 1:1 gegen Südkorea machten die Vorrunde für die Equipe Tricolore zur Zitterpartie. Der 2:0 Sieg gegen Togo ließ Frankreich mit fünf Punkten doch noch zum Zweiten der Gruppe werden.
Im Achtelfinale besiegte die Equipe Trikolore eine überragende spanische Elf, die in der ersten Halbzeit in Führung gegangen war noch mit 3:1. Die Franzosen zeigten sich stärker den je und schickten im Viertelfinale den gesetzten Favoriten und Weltmeister Brasilien mit einem 1:0 Sieg nach Hause. Im Halbfinale gegen Portugal ging die Equipe Tricolore bereits in der 1. Halbzeit durch einen Elfmeter-Treffer in Führung und konnte das 1:0 bis zum Abpfiff halten.

Das Finale

Auch gegen Italien gelang Frankreich der Führungstreffer durch ein Elfmetertor. Bereits in der siebten Minute lagen die Azzuri zurück, doch 12 Minuten später sorgte Materazzi per Kopfball für den Ausgleich.
Mit diesem Spielstand zog sich das Spiel temporeich aber ohne weitere Treffer in die 90. Minute, und auch in der Verlängerung passierte nicht viel Sportliches. Dafür leistete sich Zidane einen Kopfstoß gegen Materazzis Brustkorb und streckte ihn nieder. Daraufhin musste Zidane mit rot vom Platz ein überaus unrühmlicher Abgang für einen Weltklassespieler.

Das Elfmeterschießen brachte die Entscheidung und brach mit der Legende, dass die Italiener kein solches gewinnen können. Es verlief folgendermaßen: 2:1 Pirlo, 2:2 Wiltord, 3:2 Materazzi, Trezeguet schießt an die Latte, 4:2 de Rossi, 4:3 Abidal, 5:3 del Piero, 5:4 Sagnol, 6:4 Grosso.
Am Ende hatte Italien den Titel sicher gewonnen.

Die Zukunft des italienischen Fußballs

Während die italienische Nationalmannschaft sich den Weltmeistertitel erarbeitete, wurde in der eigenen italienischen Liga der wohl größte Wett- und Bestechungsskandal des Fußballs aufgedeckt. Der Sumpf ist noch nicht ganz ausgetrocknet, noch lange nicht alles aufgedeckt. So könnte es sein, dass einige italienische Weltmeister-Spieler bald ohne Verein dastehen, denn einigen Vereinen wie Juventus Turin oder dem AS Rom droht der Lizenzentzug und damit das Ende in der ersten italienischen Liga. Sicher werden sich bald andere italienische Vereine einen Namen machen und die Lücken füllen, aber einfach wird es nicht.

Es betrifft sogar beide Finalmannschaften: Insgesamt acht Akteure, fünf Italiener und drei Franzosen, stehen bei Rekordmeister Juventus Turin unter Vertrag, dem der Zwangsabstieg in die 3. Liga droht.
Die Arbeitslosigkeit müssen die Spieler aber nicht befürchten, denn nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft hat sich jeder von ihnen für ausländische Vereine empfohlen. Vielleicht spielt der eine oder andere in absehbarer Zeit sogar in der Bundesliga, wo aus WM-Gegnern neue Mannschaftskameraden werden könnten.

Text: RR 10. 7. 2006, Bilder: Puma

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