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EM 2008: Türkei mit Last Minute-Sieg gegen Kroatien

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EM 2008: Türkei mit Last Minute-Sieg gegen Kroatien

Über 90 Minuten war das Spiel von viel Taktik geprägt. Die Kroaten erspielten sich zwar mehr Chancen, konnten sie aber nicht nutzen. Dann, in der 119. Minute das Tor von Ivan Klasnic zum 1:0 für Kroatien - doch postwendend in der 122. Minute das 1:1 durch Semih Sentürk. Im Elfmeterschießen waren die Türken cooler und sicherer und treten jetzt im Halbfinale gegen Deutschland an!

Viertelfinale Kroatien - Türkei: 1:3 im Elfmeterschießen


Lange war es ein taktisch geprägtes Spiel, in dem keine Mannschaft die Defensive entblößte, trotzdem hatte Kroatien in der regulären Spielzeit eigentlich die klareren Chancen, konnte sie aber nicht nutzen. In der Verlängerung wurden die Türken stärker, da machten dann die Kroaten durch Ivan Klasnic in der 119. Minute ihr Tor. Doch während die Kroaten schon abschalteten, erzielte Semih das Unentschieden. Im Elfmeterschießen zeigten die Kroaten Nerven - und die Türken ihre ganze Cleverness.

Eigentlich galten die Kroaten nach ihren Gruppenspielen als Favoriten, zumal der türkische Trainer Fatih Terim auf zahlreichen Positionen umstellen musste. Allen voran musste er seinen Stammkeeper Volkan durch Rüstü (Foto) im Tor ersetzen, da Volkan im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien die Rote Karte gesehen hatte und zwei Spiele gesperrt wurde. Außerdem musste er auf den gelbgesperrten Mehmet Aurelio verzichten, für ihn spielte Sabri und er musste seine gesamte Innenverteidigung neu organisieren, weil sowohl Emre Güngör als auch Servet verletzt ausschieden.

Der kroatische Trainer Slaven Bilic ließ dagegen wieder die Mannschaft antreten, die schon gegen das deutsche Team als Sieger vom Platz ging.


Beide Mannschaften spielten taktisch sehr klug und aus einer verstärkten Defensive. So mussten die Zuschauer im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien einige Zeit warten, bis sich die ersten richtig guten Chancen boten. Zwar spielte die türkische Mannschaft schnell nach vorne und ließ so den Kroaten zunächst keine Möglichkeit ihr eigenes Spiel aufzubauen, allerdings fehlte immer der letzte zwingende Pass oder das entscheidende Zuspiel um den eigenen Angreifer in Szene zu setzen. Die Kroaten lauerten auf Konter und so stand immer wieder der kroatische Stürmer Ivica Olic (Foto) im Mittelpunkt des Geschehens. Doch der Stürmer vom HSV verpasste sowohl in der 6. als auch in der 19. Minute mit einem Lattenschuss beste Chancen um das 1:0 zu machen.

Während die Kroaten das Spiel immer besser in den Griff bekamen, konnten die Türken nicht wirklich Druck nach vorne entfalten, so spielte sich das Geschehen häufig im Mittelfeld ab, wirkliche Torraumszenen waren Mangelware. Die beste türkische Chance hatte Mehmet Topal in der 37. Minute nach einem Freistoß aus 30 Metern, doch auch der strich am Tor vorbei. So stand es zur Pause 0:0.

Nach der Pause kamen die Kroaten zunächst zielstrebiger aus der Kabine und erspielten sich wieder einige gute Chancen. So war es wiederum Olic, dessen Kopfball in der 50. Minute von Verteidiger Hakan Balta auf der Linie geklärt wurde. Sieben Minuten später hielt Rüstü einen Ball von Niko Kranjcar sicher.

Beide Mannschaften waren sehr darauf bedacht, nicht in einen Konter des Gegners zu laufen - taktisch hervorragend. Sicher waren beide Trainer in dieser Phase mit der Defensive ihrer Mannschaften sehr zufrieden. Für den Betrachter dagegen verflachte die Partie, es fehlten packende Strafraumszenen. Die nächsten spielten sich dann wieder im Strafraum der Türken ab, wo in der 70. Minute Ivan Rakitic allein vor Torhüter Rüstü auftauchte, den Ball aber in den Himmel jagte. Danach war es wieder Ivica Olic, der am Tor vorbeiköpfte. In dieser Phase bekam man das Gefühl, dass die Kroaten mehr Reserven als die türkische Mannschaft hätten, doch wie bei allen Spielen, sollten die Türken das Gegenteil unter Beweis stellen.

In der Schlussphase hielt der "Ersaztorhüter" Rüstü seine Mannschaft im Spiel: Nach einem Freistoß von Dario Srna in der 84. Minute mit einer tollen Parade und gegen Luca Modric mit einem tollen Reflex. So kam es zur Verlängerung.

In der Verlängerung bewiesen die Türken wieder unglaubliche Moral und Kraft und kamen wieder zu guten Chancen. Besonders Tunkay Sanli hatte zwei sehr gute Möglichkeiten. Bei seinem Schuss aus spitzem Winkel parierte aber der kroatische Torhüter, sein Distanzsschuss ging knapp am Tor vorbei. So verging die erste und fast auch die gesamte zweite Halbzeit der Verlängerung ohne Tor - bis zur 119. Minute. Der in der 97. Minute für den völlig entkräfteten Ivica Olic eingewechselte Ivan Klasnic (Foto) köpfte nach Flanke von Luka Modric zum 1:0 für Kroatien - alles schien entschieden.

Doch im direkten Gegenzug, in der 122. Minute, als die Kroaten sich wahrscheinlich schon als Sieger fühlten, kam der beste Angriff der Türken, eingeleitet durch einen weiten Abschlag von Rüstü . Der Ball landete im Strafraum, die kroatische Abwehr mit Robert Kovac bekam den Ball nicht raus, er landete bei Semih, der in der 76. Minute eingewechselt worden war, der zog mit links ab und schoss ins linke obere Eck - keine Chance für den kroatischen Torhüter Stipe Pletikosa. Elfmeterschießen.

Nun waren die Türken im psychologischen Vorteil, da die Kroaten ein schon gewonnen geglaubtes Spiel noch aus den Händen gegeben hatten. So vergaben gleich drei kroatische Schützen: Luka Modric, Ivan Rakitic schossen gar am Tor vorbei und Mladan Petrics Elfmeter wurde von Rüstü gehalten. Dagegen, ganz sicher die türkischen Schützen Arda, Semih (Foto) und Hamit Altintop.

Untröstliche Kroaten lagen weinend am Boden, während überglückliche Türken den größten Erfolg im türkischen Fußball feiern durften. Natürlich haderten die Kroaten, allen voran Trainer Slaven Bilic mit den vergebenen Chancen und dem Schiedsrichter, der in der Verlängerung noch einige Minuten anhängte. Gleichzeitg hatte sich seine Mannschaft aber auch viel Repsekt während des Turniers verdient und musste auch eingestehen, dass die türkische Mannschaft wieder alles gegeben hatte, um eine Runde weiterzukommen. Die deutsche Mannschaft sollte gewarnt sein, das Team von Fatih Terim niemals zu unterschätzen oder abzuschreiben, denn es ist die Mannschaft der späten Tore dieser EM.

Am Mittwoch um 20.45 Uhr spielt das türkische Team in Basel gegen Deutschland. Ein spannendes Duell!

-ab-21.06.2008 Text / Fotos: Flaggen: wasistwas.de, Semih + Rüstü: kicker.de, I. Klasnic: Werder Bremen, I. Olic: HSV,

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