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EM 2008: Ein bisschen Geschichte - Teil 1

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EM 2008: Ein bisschen Geschichte - Teil 1

Was uns ganz normal erscheint alle vier Jahre eine Europameisterschaft im Fußball das war lange Zeit undenkbar. Und so begann die Geschichte der Europameisterschaft auch eher holprig und erst 1960 mit dem Europacup der Nationen. Erst nach und nach kamen mehr Mannschaften dazu. Im ersten Teil erzählen wir euch die EM-Geschichte von 1960 bis 1968, der ersten "echten" EM in Italien.

Der lange Weg zur Europameisterschaft

Was uns ganz normal erscheint alle vier Jahre eine Europameisterschaft im Fußball das war lange Zeit undenkbar. Schon 1927 hatte der Präsident des französischen Fußballverbandes, Henri Delaunay, die Idee für eine Europameisterschaft vorgebracht. Doch sie wurde zunächst abgelehnt. Man hatte Angst mit der Weltmeisterschaft in Konkurrenz zu treten. Gerade weil der Weltfußballverband FIFA 1904 in Europa gegründet wurde und die europäischen Fußballmannschaften eine wichtige Vormachtstellung im Fußball behaupteten, wollte man dem weltweiten Ereignis zunächst nichts entgegenstellen.

Dann kam der Zweite Weltkrieg und damit der europäische Fußball fast zum Erliegen. Dagegen konnte in Brasilien oder Argentinien unbekümmert weiter gespielt werden. Schließlich wurde auch in Kolumbien die erste Fußball-Profiliga der Welt eingeführt. Immer mehr Länder aus Afrika, Asien und Südamerika traten der FIFA bei und man beschloss schließlich aus organisatorischen Gründen kontinentale Verbände zu gründen. So wurde am 2. März 1955 die europäische Vereinigung der Fußballverbände, die Union des Associations Européennes de Football, kurz UEFA, aus der Taufe gehoben. Und damit sollte auch Henri Delaunays Traum von einer Fußball-Europameisterschaft immer wahrscheinlicher werden.

1960: der 1. Europacup der Nationen  - Die Sowjetunion wird der 1. Europameister!

Erst 1957 konnte man sich auf einem UEFA-Kongress über die Modalitäten einer zukünftigen Europameisterschaft, des Europacups der Nationen einigen. Es sollte ein Wettbewerb mit Hin- und Rückspiel im K.-o.-System über zwei Jahre ausgespielt werden. Als Höhepunkt: ein Finalturnier der besten vier Mannschaften. Voraussetzung für den geplanten Wettbewerb war, dass mindestens 16 Nationen ihre Teilnahme zusagten.

Schließlich meldeten sich 17 Mannschaften für den Wettbewerb an. Und so wurde vom 6. bis 10. Juli 1960 das erste Endturnier des Europacups der Nationen mit nur vier Spielen in Frankreich ausgetragen. Es qualifizierten sich Frankreich, die Sowjetunion, Jugoslawien und die Tschechoslowakei. Während Gastgeber Frankreich im Halbfinale mit 4:5 gegen Jugoslawien unterlag, siegte die Sowjetunion souverän mit 3:0 gegen die Tschechoslowakei. Im Spiel um Platz 3 unterlag Frankreich vor nur knapp 9.500 Zuschauern gegen die Tschechoslowaken mit 0:2. Kaum Zuschauer interessierten sich für diese erste EM. Das Endspiel im Pariser Parc des Princes gewann die sowjetische Nationalmannschaft gegen Jugoslawien mit 2:1 nach Verlängerung.

Ein Turnier mit nur vier?

Vor allem von 1960 bis 1980 wurde die EM immer wieder in Zweifel gezogen. Was sollte ein Turnier mit nur vier Mannschaften? Lange dauerte es, bis die westeuropäischen Länder überhaupt Interesse an diesem Wettbewerb bekundeten. So beteiligten sich 1960 weder Deutschland, Italien, noch Schottland oder das Mutterland des Fußballs, England. Dagegen sahen osteuropäische Länder wie die Sowjetunion, Jugoslawien, Rumänien, die Tschechoslowakei oder die DDR diesen Wettbewerb als gute Möglichkeit sich nach außen zu präsentieren. Und sie nutzten diese Chance, wie gerade die Sowjetunion in den folgenden Jahren bewies.

1964: Spaniens einziger Titel

England wollte dabei sein - das war die gute Nachricht vor der EM 1964 und wertete die Veranstaltung zunächst auf. Insgesamt 29 Nationen meldeten sich zur EM 64 an, nur vier Verbände nahmen nicht teil: die BRD, Schottland, Finnland und Zypern. Gastgeber waren die Spanier eine sehr umstrittene Entscheidung, da Spanien von Diktator Franco regiert wurde. Es gab große Proteste, doch da Spanien der einzige Bewerber um die Austragung der EM war und Real Madrid in dieser Zeit der erfolgreichste Fußballverein, erhielt Spanien den Zuschlag.

Enttäuschend verlief der Einstieg Englands ins EM-Geschehen. Mit einem 1:1 und einem 2:5 gegen Frankreich verabschiedeten sich die Engländer gleich nach der ersten Qualifikationsrunde. Für das Turnier qualifizierten sich dagegen der amtierende Europameister, die Sowjetunion, die Überraschungsmannschaft Dänemark, Ungarn und Spanien. Während Spanien im Halbfinale gegen Ungarn nach Verlängerung mit 2:1 gewann, besiegten die Sowjets die Dänen klar mit 3:0. Das Spiel um Platz 3 wurde im Camp Nou in Barcelona vor nur knapp 4000 Zuschauern ausgespielt eine Geisterkulisse! Am Ende gelang den Ungarn ein 3:1 nach Verlängerung gegen die enttäuschten Dänen (1:1 nach regulärer Spielzeit).

Das Endspiel zwischen Spanien und der Sowjetunion fand am 21. Juni 1964 im vollbesetzten Bernabeu Stadion statt. Die heimischen Fans bejubelten einen 2:1 Sieg der Spanier dem bisher einzigen Titel, den die spanische Nationalmannschaft holen konnte.

1968: Die erste wirkliche Europameisterschaft

Bei dem Turnier 1968 übernahm die UEFA erstmals die volle Verantwortung für das Turnier und so wurde die Veranstaltung auch zum ersten Mal Europameisterschaft genannt. 31 von 33 Mitgliedern meldeten ihre Teilnahme, nur Island und schließlich auch Malta sagten ab. Nachdem es so viele Zusagen gab, wurde die Qualifikation zum Endturnier in Italien erstmals in Gruppen ausgespielt. Deutschland scheiterte in der einzigen Dreiergruppe, sonst waren jeweils vier Teams in einer Gruppe, ausgerechnet an Albanien und Jugoslawien. Die acht Gruppenersten bestritten die Viertelfinalpartien. Die Endrunde der besten vier in Rom erreichten Italien, Jugoslawien, die Sowjetunion und England.

Im ersten Halbfinale trennten sich Italien und die Sowjetunion nach Verlängerung mit 0:0. Und dann wurde heute unvorstellbar eine Münze geworfen um zu entscheiden, wer das Endspiel erreicht! Am Ende waren es die glücklicheren Italiener. Die Jugoslawen besiegten England im zweiten Halbfinale mit 1:0. Und dann gab es gleich zwei Endspiele, die über den Titel entschieden: Im ersten Endspiel trennten sich Italien und Jugoslawien nach Verlängerung mit 1:1, wobei der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst die Italiener mit einigen zweifelhaften Entscheidungen begünstigte. Bei der Wiederholung des Finales gewannen die Italiener gegen die junge jugoslawische Mannschaft, die eigentlich die beste des Turniers war, mit 2:0. Italien war zum ersten Mal Europameister mit sehr, sehr viel Glück!

-ab-10.06.2008 Text: Foto: Henri Delaunay und UdSSR als Meister: UEFA; Spanien Flagge: wasistwas.de, Logo: italienischer Fußballverband.

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