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EM 2008: Deutschland gewinnt glücklich gegen starke Türken - Finale!

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EM 2008: Deutschland gewinnt glücklich gegen starke Türken - Finale!

Im spannenden Halbfinale kam alles anders: So wie die Türken bisher auch nach mäßigem Auftritt noch in den letzten Minuten ein Spiel gewannen, so verloren sie nach einer starken Leistung gegen beeindruckte Deutsche in der 90. Minute mit 2:3. Ein tolles Spiel der ersatzgeschwächten Türken, ein glücklicher Sieg mit drei cleveren Toren der Deutschen.

Halbfinale: Deutschland - Türkei 3:2


Im Basler St.-Jakobs-Park erwarteten die Zuschauer nach dem tollen Sieg gegen Portugal eine engagierte deutsche Mannschaft, die gegen ersatzgeschwächte Türken der Favorit war. Doch das Spiel verlief ganz anders: Die Türken spielten dieses Mal von Anfang an sehr engagiert, ließen das deutsche Mittelfeld nie zum Zug kommen und erspielten sich zahlreiche Chancen, die sie aber nur zweimal verwerten konnten. Das kostete viel Kraft, die ihnen am Ende fehlte. Dagegen taten sich die Deutschen sehr schwer, konnten kaum ihr eigenes Spiel entfalten und erspielten sich nur drei wirklich gute Chancen - aber die führten alle zum Tor. Am Ende hatten Ballack und Co. mehr Kraft - und das nötige Glück. 3:2 für Deutschland - am Sonntag geht's gegen den Sieger aus dem Halbfinale Spanien - Russland um den Europameistertitel!


Während Joachim Löw wieder mit der Mannschaft antrat, mit der man gegen Portugal gewonnen hatte, musste der türkische Trainer Fatih Terim (Foto) fast seine komplette Mannschaft umstellen. Der 1. Torhüter Volkan war noch immer gesperrt, deshalb stand Rüstü wieder zwischen den Pfosten. Auch Emre Asik, Arda und Tucay waren gelb gesperrt. Außerdem musste er auf die Verletzten Emre Belözoglu, Emre Güngör und Servet verzichten. Wieder mitspielen konnte dagegen Mehmet Aurelio, der seine Gelbsperre abgesessen hatte.

Von Beginn an wirkte die deutsche Mannschaft nervös und ein bisschen verschlafen. Während die Türken das Spiel sehr schnell in die Hand nahmen und vor allem über rechts viele Angriffe starteten. Philipp Lahm agierte dabei nicht immer glücklich, wurde aber in der Defensivarbeit von Lukas Podolski, der vor ihm spielte, oft auch allein gelassen. Während die Türken oft die deutschen Spieler doppelten, kamen gerade auch Michael Ballack, Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes gerne mal einen Schritt zu spät. So dauerte es nur sieben Minuten, bis Kazim Jens Lehmann zum ersten Mal prüfte. Kurz darauf, wieder über rechts musste Lehmann gegen Hamit Altintop (Foto) retten. In der 13. Minute traf ein Schuss von Kazim die Latte.

Während die Türken weiter Druck machten, bekam die einzige Spitze, Miroslav Klose, zu wenig geglückte Anspiele. Wenig lief nach vorne, die Deutschen ließen sich zu weit in die eigene Hälfte drängen. Dann in der 22. Minute erzielten die Türken das 1:0, wieder lief der Angriff über rechts: Sabri flankte vom rechts, Kazim kam zum Schuss, traf die Latte und der sträflich allein gelassene Ugur bekommt den Abpraller und schiebt ihn Jens Lehmann (Foto) aus kürzester Distanz durch die Beine. Besonders verschlafen sah in diesem Moment - wie auch in einigen anderen - die manchmal hilflos wirkende Innenverteidigung mit Per Mertesacker und Christoph Metzelder aus.

Nur vier Minuten später, der erste wirklich vorgetragene offensive Spielzug der Deutschen und der führte direkt zum 1:1: Lukas Podolski (Foto) zog einen Sprint auf rechts an, überlief Sabri, flankte nach innen, wo Bastian Schweinsteiger im richtigen Moment in die Flanke lief und mit viel Gefühl mit dem rechten Außenrist den Ball ins Tor hob, vorbei an Torwart Rüstü.

Unbeeindruckt vom Gegentreffer spielte das türkische Team weiter nach vorne, erspielte sich einige Chancen, versäumte es aber noch ein Tor zu machen. Knapp wurde es zum Beispiel nach Hamit Altintops Freistoß in der 32. Minute, als er den Schuss us rund 28 Metern von links gefährlich auf's Tor brachte, Jens Lehmann den Ball ein wenig falsch eingeschätzt hatte und ihn im Sprung gerade noch über die Latte lenken konnte. Immer wieder kam das türkische Team gefährlich über die Flügel und sowohl Arne Friedrich als auch Philipp Lahm wurden eins ums andere Mal ausgespielt.

In der 41. Minute stieß Simon Rolfes beim Kopfball mit einem türkischen Spieler zusammen. Er hatte eine Platzwunde knapp neben dem Auge, die genäht wurde. Doch mit der Pause war sein Einsatz dann doch zu Ende. Mit einem, für das deutsche Team glücklichen, 1:1 ging es in die Kabine.

Nach der Pause kam Torsten Frings für Simon Rolfes ins Spiel. Das Match nahm an Fahrt auf, wobei die Türken zunächst wieder spielbestimmender waren, die Deutschen aber bessere Angriffsbemühungen zeigten. In der 52. Minute wagte Philipp Lahm einen Ausflug in Richtung türkisches Tor. Mit dem Ball am Fuß ging er auf den Strafraum zu, als Sabri an der Strafraumgrenze in ihn hineinlief und Lahm sozusagen aushebelte. Doch der Schweizer Schiedsrichter Massimo Bussaca ließ weiterspielen. Man hatte nun das Gefühl, dass den Türken die Kräfte zu schwinden begangen, denn sie waren im Zweikampf etwas langsamer, machten dadurch einige Fouls, die der Schiedsrichter aber kaum ahndete. Miroslav Klose hatte in dieser Phase die beste Chance, setzte aber einen Kopfball links am Tor vorbei.


In dieser Phase schenkten sich beide Mannschaften kaum einen Ball. Da ging in der 79. Minute Philipp Lahm wieder nach vorne, flankte auf Miroslav Klose (Foto) in der Mitte. Der sprang höher als zwei türkische Abwehrspieler und war schneller am Ball als Torhüter Rüstü, der sich verschätzt hatte. Ein wunderschöner Kopfball und 2:1 für Deutschland.

Doch wer nun glaubte, die Türken würden zusammenbrechen, der sah sich getäuscht. Immer wieder bauten sie clevere Angriffe über die beiden Außen auf, die einfach flinker zu sein schienen, an diesem Abend. Nur sieben Minuten später und mit zwei frischen Stürmern im Angriff kamen die Türken wieder über außen.

Sabri ließ wieder einmal Philipp Lahm stehen, flankte nach innen, Christoph Metzelder rutsche an der flachen Flanke vorbei, Per Mertesacker kam am rechten Pfosten nicht vor Semih (Foto) an den Ball und der türkische Goalgetter schob das Leder direkt vor Jens Lehmann ins Tor. Wieder 2:2 in der 86. Minute - eine unglaubliche Leistung!

Doch dieses Mal sollte den Türken das Glück nicht zur Seite stehen. In der 90. Minute war es wieder Philipp Lahm, der nach vorne einer der besten, aktivsten und gefährlichsten war, in der Abwehr dagegen einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, der über links nach vorne lief und in die Mitte zog. Er passte zu Thomas Hitzelsperger und lief sich durch den türkischen Abwehrriegel im linken Strafraumeck frei. Hitzelsperger spielte zurück und mit einem satten Rechtsschuss ins obere linke Eck schoss Lahm die Deutschen ins Finale.



Die türkische Mannschaft hatte mit einer ihrer besten Leistungen das Spiel verloren, aber kämpferisch, taktisch und technisch tollen Fußball gezeigt und bewiesen, was in den Spielern und der Mannschaft steckt.

Das überglückliche deutsche Team muss sich enorm steigern, will es im Finale am Sonntag um 20.45 Uhr im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen den Sieger des Halbfinales Spanien - Russland ein Wörtchen mitreden. Aber da die Mannschaft von Joachim Löw in diesem Turnier immer wieder zu überraschen wusste, darf man richtig gespannt sein auf das Finale!

-ab-25.06.2008 Text / Fotos: Flagge: wasistwas.de F. Terim: Türkischer Fußballverband, H. Altintop: FC Bayern München, M. Klose: DFB, Semih: kicker.de, Spielszenen: J. Lehmann, L. Podolski, P. Lahm: Alexander Hassenstein. 2008 Getty Images (image.net)

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