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Eine außergewöhnliche Künstlerin: Niki de Saint Phalle

Berühmte Personen

Eine außergewöhnliche Künstlerin: Niki de Saint Phalle

Am 29. Oktober 1930, vor 75 Jahren, wurde im französischen Neuilly-sur-Seine Niki de Saint Phalle geboren. Als Mädchen wurde Niki von ihrem Vater missbraucht. Dieses Erlebnis prägte ihr weiteres Leben und hätte sie fast seelisch zerstört. Doch die junge Frau entdeckt die Kunst als Möglichkeit mit ihrer Vergangenheit abzurechnen und wird dank ihrer eigenwilligen Arbeiten zu einer der bekanntesten Künsterlinnen des 20. Jahrhunderts.

Der Verlag An der Ruhr hat ein Buch für Kinder über Niki de Saint Phalle herausgebracht. Geschrieben von Birgit Brandenburg, erschienen 2004

Ihre Jugend

Nikis Vater ist Bankdirektor, ihre Mutter Amerikanerin. Als Niki drei Jahre alt ist, zieht die Familie in die USA. Das eigenwillige Kind eckt in der Schule immer wieder an. Häufig muss sie die Schule wechseln und kommt schließlich in eine strenge Klosterschule, 1947 absolviert sie ihr Abitur. Die außergewöhnlich hübsche und zierliche Frau kämpft mit einem Geheimnis, unter dem sie wohl ihr Leben lang leidet: Ihr Vater missbrauchte sie, so heißt es in der neuesten Forschung.

Sie arbeitet als Model. Mit 18 Jahren brennt sie mit Harry Mathews durch. Um ihrem Elternhaus zu entfliehen, heiratet sie ein Jahr später den jungen Mann.

Psychische Probleme

Nach der Geburt ihrer Tochter Laura zieht die Familie wieder nach Europa. Niki hat psychische Probleme und beginnt zu zeichnen und zu malen. Sie reist viel und startet in Paris eine Schauspielausbildung. Doch 1953 erleidet sie einen noch schwereren Nervenzusammenbruch und muss stationär behandelt werden. Sie bekommt Elektroschocks und starke, auf die Seele einwirkende Medikamente. Die Malerei hilft ihr aus der Krise und sie "muss", wie sie später bemerkte, "Künstlerin werden um sich zu retten". Zwei Jahre später kommt ihr Sohn Philippe auf die Welt.

Niki und Jean Tinguely gelten als eines der prominentesten Künstlerpaare des 20. Jahrhunderts.

Künstlerische Einflüsse

Sie befasst sich mit der Kunst der Gegenwart, lernt die Künstler der Zeit kennen, wie Jackson Pollok, Dubuffet, Yves Klein und Robert Rauschenberg. In Barcelona beeindruckt sie vor allem die Kunst und Architektur von Antoni Gaudí. Schicksalshaft wird die Begegnung mit dem Schweizer Künstler Jean Tinguely, der sie mit vielen Künstlern der Zeit bekannt macht und später auch ihr Mann wird.

1956 hat sie ihre erste Einzelausstellung mit Gips-Reliefs und Material-Assemblagen. Mit diesen Werken aus zerbrochenem Glas, aus Fundstücken und Geschirr, versucht sie die Gespenster ihrer Kindheit zu verarbeiten und zu vertreiben. Kunstkenner reihen sie ein in die damalige Strömung des "Nouveau Realismus", des neuen Realismus. In dieser Zeit entstehen auch sogenannte "Schießbilder".

Für Niki de Saint Phalle war die Kunst eine Rettung aus ihrer seelischen Erkrankung.

Kunst als Hilfsmittel zur Heilung

Bei den Schießbildern verwendete sie zum Beispiel Gipsplastiken, die sie mit Farbbeuteln bestückte. Dann wurde die Skulptur beschossen. Die Farbbeutel platzten - die Farbe lief über die Plastiken. Oder sie schoss mit farbigen Patronen auf gipsbehandelte Leinwände. Für Niki waren diese Werke Ausdruck ihrer Angst und  Aggressionen. Durch die Kunst verarbeitete sie ihre Ängste.

Niki de Saint Phalle versucht auch das in den 50er und 60er Jahren herrschende Bild der Frau zu entlarven und auch das macht sie mit drastischen Mitteln. Mit ihren Arbeiten wird sie zu internationalen Ausstellungen in New York, Nizza und Paris eingeladen. 1962 zeigt sie zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in New York ihre Werke.

In Hannover stehen die riesigen Frauenfiguren, die Nanas, von Niki des Saint Phalle.

Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle

1960 lässt sich Niki schließlich von Harry Mathews scheiden. Sie lebt und arbeitet nun mit dem Schweizer Künstler Jean Tinguely zusammen, den sie 1971 auch heiratet.

Der Schweizer Maler und Bildhauer wurde 1925 in Freiburg geboren. Zunächst widmete er sich der abstrakten Malerei. Dann entwickelte und perfektionierte er eine ganz eigene Stilrichtung: Aus gefundenen Gebrauchsgegenständen und Schrottteilen baute er Skulpturen, die sich oft auch über Motoren scheinbar endlos bewegten. Diese sogenannten kinetischen Plastiken, bei denen er auch mit Tönen und Geräuschen arbeitete, muten oft auch witzig oder ironisch an. Sie waren fantasievoll und erweckten beim Betrachter den Wunsch, diese außergewöhnlichen Skulpturen anzufassen.

Die beiden Künstler beeinflussten sich stark in ihrer Arbeit. Privat und beruflich verband die beiden sehr viel, wenngleich ihre Beziehung auch von vielen Konflikten geprägt war. Heute gelten sie als eines der bedeutensten Künstlerpaare des 20. Jahrhunderts.

Überall auf der Welt machen Figuren Niki de Saint Phalles das Leben ein wenig bunter...

"Nanas"

Die Nanas erscheinen wie die Ruhe nach dem Sturm. Nach der zornigen Phase, in der Niki de Saint Phalle ihre Vergangenheit verarbeitet hat, widmet sie sich ab Mitte der 60er Jahre den Nanas, die sie anfangs mit ihrer Tochter gestaltete. Diese fülligen Frauenskulpturen sind aus kunterbunt bemaltem Polyester. 1965 werden sie erstmals in Paris ausgestellt. Saint Phalle arbeitet dabei auch mit Tinguely und baut gigantische Nanas. Sie wird weltweit auf Ausstellungen eingeladen und entwirft auch Kostüme für Theaterstücke. Aus diesen Nanas ergeben sich auch weitere Projekte wie Nana-Häuser, Nana-Möbel und Schmuck.

Eine Plastik im toscanischen Tarot-Garten.

Architektonische Kunst

Gleichzeitig entwickeln die beiden Künstler auch wundervolle Werke für Plätze, Gärten und öffentliche Anlagen. Sie bauen bewohnbare Skulpturhäuser, legen Gärten an schaffen außergewöhnliche Brunnen mit ihren Skulpturen.

1978 beginnt Niki de Saint Phalle ein Projekt, das sie über Jahre fesseln wird und erst 1997 fertig ist: den Giardino die Tarochi, den Tarot-Garten. Tarot ist ein Kartenspiel, bei dem die Figuren der Karten bestimmte Bedeutung haben. Aus den Tarot Karten lesen manche Menschen bestimmte Begebenheiten ab, die in der Zukunft passieren könnten. Die Künstlerin kreiert in dem Park Figuren in Anlehnung an das Tarot Spiel als riesige begehbare Skulpturen - in ihrem ganz persönlichen Stil. Mit viel Fantasie legt sie bunte Mosaike - und arbeitet dabei in Anlehnung an Gaudí, den spanischen Künstler.

In Hannover gestaltete Niki eine alte Grotte mit farbenfrohen, symbolischen und fantasievollen Motiven.

Niki schuf zum Beispiel ein Haus mit drei Rutschen für einen Kindergarten in Jerusalem, ein Nana-Schwimmbad in Saint Tropez oder den Drachen, ein Skulpturhaus für Kinder. Gemeinsam bauten die beiden 1982/83 den Stravinsky Brunnen in Paris, direkt vor dem Museum Centre Pompidou. Dieser Brunnen, mit seinen kunterbunten Mosaiken und Figuren soll die Musik des Komponisten bildlich darstellen.

Niki de Saint Phalles letztes großes Werk war "die alte Grotte" im Großen Garten der Königlichen Gärten Herrenhausen in Hannover. Von 2001 bis 2003 wurde die Grotte nach den Vorlagen der Künstlerin ausgestattet, die am 21. Mai 2001 im amerikanischen San Diego verstorben war.

Mehr dazu unter sprengel-museum.de.

Die Grotte im Detail findet ihr auf hannover.de.

Den Tarot Garten in der Toscana findet ihr auf der offiziellen Website
 
-ab-27.10.2005 Text / Fotos: Schlange aus Grotte: www.hannover.de; Buchcover: Verlag An der Ruhr und Prestel Verlag; Nanas: www.wikipedia.de JuergenG (GNU), Niki de Saint Phalle und Tinguely: Sprengel Museum Hannover.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt