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Ein Ungetüm aus Stahl und Glas: Das Centre Pompidou wird 30

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Ein Ungetüm aus Stahl und Glas: Das Centre Pompidou wird 30

Wer hätte das gedacht: Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit von Paris ist nicht der Eiffelturm, der Louvre oder Schloss Versailles, sondern das Centre Pompidou. Seit seiner Eröffnung am 31. Januar 1977 lockt das moderne Kunst- und Kulturzentrum pro Tag 25.000 Besucher ins ehemals heruntergekommene Hallenviertel. Und das nicht nur wegen der hochkarätigen Ausstellungen, sondern weil einfach eine tolle Atmosphäre herrscht. Dafür sorgen rund um das Museum Schausteller, Musiker und Maler aus aller Welt.

Ein echter Blickfang ist allein das Museumsgebäude. Die extravagante Konstruktion aus Stahl, transparenten Glasfassaden und knallbunten Leitungsrohren galt Ende der 70er Jahre als Inbegriff der modernen Architektur. Gewissermaßen ein Bauwerk zum Durchschauen, bei dem sämtliche gebäudetechnischen Eingeweide (Rolltreppen, Laufstege, Rohre, Kanäle und Versorgungsleitungen), die dem Auge des Betrachters normalerweise verborgen bleiben, nach außen verlegt wurden.

Präsident als Namensgeber

Die Idee, ein Kunst- und Kulturzentrum zu errichten, hatte übrigens der damalige französische Präsident George Pompidou. Im schwebte eine Begegnungsstätte vor, in der moderne Kunst nicht nur ausgestellt wird, sondern die auch Zentrum des Schaffens sein soll: Bildhauerei und Kunst, Musik und Theater Kino, Bücher und audiovisuelle Forschung alles unter einem Dach. Und dazu noch in einem Gebäude, das stilistisch ins 21. Jahrhundert vorausweist.

Architekturwettbewerb: Wer hat die besten Pläne ?

Was wäre einfacher gewesen, als einen internationalen Architektenwettbewerb auszuschreiben ? So konnte man die Auswahl zwischen einer Menge erstklassiger, stilistisch vielfältiger Entwürfe treffen. Das Rennen machte schließlich das Architektenteam Richard Rogers (England) und Renzo Piano (Italien), das mit seinen kühnen Plänen den Nerv der Jury traf. Sie hatten bei ihrem Projekt vor allem auf Transparenz gesetzt. Paris sollte nicht einen weiteren Musentempel bekommen, der die Besucher mit seiner wuchtigen Architektur erschlägt. Ihr Gebäude sollte vielmehr selbst ein Kunstwerk sein, das neugierig macht und zum Erforschen einlädt.

Gewöhnungsbedürftiger Stil

Bis das Centre Pompidou fertig gestellt wurde gab es viel Wirbel um das Projekt. Denn das avantgardistische Konzept fand nicht nur Befürworter, sondern auch eine Menge Gegner. Manche nannten das Gebäude verächtlich "Gasfabrik" oder "Kulturkoffer". Neben der gewöhnungsbedürftigen Architektur sorgten vor allem die veranschlagten Kosten für Unmut. Nahezu eine Milliarde Francs wurden in fünf Jahren Bauzeit verbraucht. Auch das Budget des Kulturzentrums war enorm. Allein im Eröffnungsjahr 1977 verschlang es ein Siebentel des gesamten französischen Kulturhaushalts.

Kunstmuseum von Weltrang

Noch lauter wurden die Kritiker, als das Gebäude bereits 1998 wegen umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen werden musste. Das kostete weitere 576 Millionen Francs. Doch das soll sich gelohnt haben. Das Museum verheißt heute nicht nur, dass alles seit der Wiedereröffnung im Januar 2000 schöner, besser und neuer geworden ist. Es gibt auch mehr zu sehen. Vor allem die seitdem weiter aufgestockte Sammlung für moderne Kunst besitzt Weltrang. 35.000 Kunstwerke sind in Museumsbesitz, können aber wegen Platzmangel nur nach und nach öffentlich gezeigt werden.

Bibliothek als größte Attraktion

Welche Attraktionen gibt es noch im Centre Pompidou? Natürlich die riesige öffentliche Infobibliothek mit 1800 Sitzplätzen, die täglich noch mehr Besucher anzieht als die Kunstsammlung. Nicht mal ein Mitgliedsausweis ist notwendig, um das gigantische Angebot an Nachschlagewerken zu nutzen. Außerdem finden auf den verschiedenen Stockwerken regelmäßig Theateraufführungen oder Konzerte statt. Und von der Dachterrasse genießt man einen großartigen Blick über Paris.

Nic 31.01.2002 / Foto: Z. Brajder

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