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Ein Expressionist

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Ein Expressionist

Vor 160 Jahren wurde Emil Nolde geboren, einer der führenden Maler des Expressionismus (eine Stilrichtung in der Kunst). Im Dritten Reich galt seine Kunst als verpönt und er durfte zeitweise nicht als Künstler tätig sein.



Ein Expressionist


Das Schlimmste für einen Maler muss es sein, wenn er nicht mehr malen darf, denn dann ist er schließlich kein Künstler mehr. In der Zeit des Nationalsozialismus war das leider traurige Normalität. Zur Entarteten Kunst, wie diese ''falsche'' Kunst auch genannt wurde, zählten fast alle Kunstrichtungen vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts, wie Expressionismus, Surrealismus und Impressionismus.


Für die Nazis war richtige Kunst nur Kunst, bei der man sofort erkennen konnte, was dargestellt werden sollte und was nicht abstrakt war. Alle Künstler, die nicht in das Kunstverständnis des nationalsozialistischen Weltbildes passten, wurden verleumdet, ihre Werke wurden beschlagnahmt und zerstört.


Einer davon war Emil Nolde, am 07. August 1867 in einem dänischen Dorf geboren, das damals noch zum deutschen Reich gehörte. Seine Anfangsjahre als Künstler verbrachte er auf Wanderschaft als Schnitzer und Zeichner, doch er kehrte Zeit seines Lebens immer wieder in seine Heimatregion zurück und bleibt der norddeutschen Region treu. Hans Emil Hansen, wie er eigentlich hieß, benannte sich sogar nach seinem Geburtsort Nolde.


Die Brücke


1905-06 war er Mitglied der Künstlergruppe ''Die Brücke'', in der viele bedeutende Künstler des Expressionismus vertreten waren, und konnte immer größere Erfolge verbuchen. Seine Motive waren vielseitig und er war vor allem für seine großartige Farbwahl bekannt. Er malte fast alles, von Landschaften und Blumen über das Berliner Nachtleben bis hin zu religiösen Motiven.

Sein ''Leben Christi'' sollte später zum Mittelpunkt der nationalsozialistischen Ausstellung ''Entartete Kunst'' werden. Dort wurden die beschlagnahmten Kunstwerke zusammen mit Fotos von verkrüppelten Leuten gezeigt, um bei den Menschen Ekel und Abscheu zu erregen.


Nolde und die germanische Kunst


Das Seltsame ist, dass Nolde gar nicht gegen die Politik des Dritten Reiches war. Im Gegenteil, er trat sogar bereits in den 20er Jahren in die NSDAP ein, mit der Überzeugung, dass die germanische Kunst allen anderen weit überlegen sei. Erst als er 1941 mit einem Malverbot belegt wurde, zog er sich verbittert von dem öffentlichen Leben und der Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig (NSAN) zurück, bei der er Mitglied gewesen war.


Noldes Ungemalte Bilder


Versteckt lebend in Nordfriesland fertigte er in den Jahren 1941-45 über 1300 Skizzen und kleine Aquarelle an, die er später als seine Ungemalten Bilder bezeichnete. Denn erstens hätte er sie gar nicht malen dürfen und zweitens hätten aus den ganzen Skizzen niemals Ölbilder werden können, wie er es ursprünglich vorgehabt hatte, weil das viel zu lange gedauert hätte.


Erst als das Naziregime nicht mehr an der Macht war, konnte er wieder frei malen und erhielt nach '45 etliche Preise für seine Werke. Die wurden wieder ausgestellt und wurden auch auf der ersten Documenta gezeigt. Noch bis kurz vor seinem Tode am 13. April 1956 in Seebüll malte Emil Nolde.


Sein Testament enthielt die Gründungsurkunde für die Nolde Stiftung, die bis heute existiert. In seinem früheren Haus untergebracht, organisiert sie wechselnde Ausstellungen mit seinen Werken.


Text: Sarah Heuberger 3.8.2007 // Bild: Brückemuseum Berlin

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