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Die Zeitung an der Wand

Berühmte Personen

Die Zeitung an der Wand

1855 erhielt Ernst Theodor Litfaß die Erlaubnis, die nach ihm benannten Säulen in Berlin erstmals aufzustellen. Damit sollte dem wilden Plakatieren an Zäunen und Häuserwänden ein Ende bereitet werden. Und noch heute sind Litfaß-Säulen selbstverständlicher Bestandteil des Stadtbildes. Litfaß aber war nicht der Erfinder, schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Paris und London solche Säulen. Der Zirkusdirektor Ernst Renz brachte die Idee aus Frankreich (dort hießen sie "colonnes affiches") mit nach Berlin und finanzierte auch die Aufstellung der Berliner Säulen.

Eine Litfaß-Säule, wie sie jeder kennt.



Ernst Theodor Litfaß wurde am 11. Februar 1816 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler versuchte er zunächst sein Glück als Schauspieler. Er gründete das Theater "Lätitia", das später in "Vorstädtisches Theater" umbenannt wurde. 1845 übernahm er das Druck- und Verlagshaus seines Stiefvaters. Durch fleißige Arbeit brachte er es sogar zum "Königlichen Hof-Buchdrucker". Er starb am 27. Dezember 1874 in Wiesbaden.

Vom "Krakehler" zum Hof-Drucker

Das Runde gibt´s auch in eckig.

Er gab mehrere Zeitungen und Flugschriften heraus, so veröffentlichte er während der Märzrevolution 1848 den "Berliner Krakehler", der später verboten wurde. Auch der "Berliner Figaro" oder der "Berliner Tagestelegraph" entstanden unter seiner Leitung. Außerdem veröffentlichte er 1858 den 242. und letzten Band der "Krünitzschen Encyclopädie".

Zeitung armer Leute

Damals war alles mit Plakaten zugekleistert.



In ganz Berlin, und auch in anderen Städten, nahm das wilde Plakatieren überhand. Mehr oder weniger wichtige Nachrichten und Bekanntmachungen wurden von jedermann einfach an die nächstbeste Wand gekleistert, denn für Zeitungen hatten die Leute damals kein Geld.

Nach einem langen bürokratischen Kampf erhielt Litfaß am 5. Dezember 1854 die Genehmigung zur Aufstellung einer "Annoncier-Säule". Die Lizenz war bis 1880 befristet. 1855 wurden die ersten 100 Säulen in Berlin aufgestellt.

Der königliche Kleber

Mittlerweile gibt es auch sich drehende Säulen.

Die erste stand an der "Ziegenbockwache", Münzstraße 23/Ecke Grenadierstraße. In der Nacht davor hatten Polizisten und freiwillige Helfer versucht, alle an Wände geklebten Zettel in der Stadt zu entfernen.

Teil der Genehmigung war, dass Litfaß sich dazu verpflichtete, immer die neuesten Bekanntmachungen und Verordnungen der Stadt an die Säulen zu plakatieren. Später erhielt Litfaß vom preußischen König das alleinige Recht, Kriegsdepeschen und Siegesmeldungen des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 zu plakatieren.

Moderne Litfaß-Säulen sind sogar beleuchtet.
© Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg



1880 endete die Vorherrschaft von Litfaß´ Erben (er starb 1874) über die "Annoncier-Säulen", die Konkurrenz bot bessere Bedingungen bei der Fortführung des Geschäfts. Als "König der Reklame" hat Litfaß heute ein Ehrengrab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte.

Übrigens:

"Geh auf meinen Wegen bei Sonnenschein und Regen immer um die Litfaßsäule rum ..." lautete der Text eines bekannten Schlagers von Kurt Tucholsky und Friedrich Holländer aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die Einwohner Berlins nannten Litfaß ihren "Säulenheiligen".

Eine beliebte Scherzfrage war damals: "Welchem Mann sind in Berlin die meisten Denkmäler gewidmet?" Die Antwort lautete natürlich Ernst Litfaß mit seinen vielen Litfaß-Säulen.

Text/Fotos: -jj- 3.12.2004

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