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"Die Schule im Märchenschloss"

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"Die Schule im Märchenschloss"

Seinen 100. Geburtstag feiert in diesem Jahr das Nürnberger Bismarckschulhaus. Gebaut im Jugendstil, erzählt die Geschichte des Hauses, seiner Schüler und Lehrer auch viel vom Wandel der Zeit. Eine spannende Sache - finden auch die Schüler von heute.

Bürgermeister Ritter von Schuh

Märchenschloss im Armenviertel

Das Nürnberger Schulmuseum zeigt zum Jubiläum eine Ausstellung zur Geschichte dieser "Perle des Jugendstils". Bürgermeister Ritter von Schuh ließ dieses Gebäude mit 32 Schulzimmern, Fachräumen, Aula, Turnsaal, mit einer Schulküche sowie einem Brausebad zwischen 1902 und 1904 erbauen. Der Architekt verschönerte den Bau im damals typischen Jugendstil: mit Erkern, einem Glockenturm, kleinen weiteren Türmchen, einem Balkon und zahlreichen Stuckverzierungen wie Engeln, Musikinstrumenten, Blumen oder Rabatten.

Damals war dieses Gebäude topmodern und auf dem neuesten Stand auch der hygienischen Anforderungen. Der Stadtteil Schoppershof, in dem das Gebäude errichtet wurde, war eher ein armes Viertel, in dem Arbeiter wohnten. Der Bürgermeister war der Meinung, dass für eine Schule "das Beste gerade gut genug war" und so wurden Materialien wie Muschelkalk und aufgesetzter Marmor verwandt.

Babyboom um die Jahrhundertwende

Um die Jahrhundertwende wurden sehr viele neue Schulen gebaut, denn zwischen 1870 und dem 1. Weltkrieg stieg die Bevölkerung der Stadt durch die Eingemeindung von Stadtvierteln und mehr Geburten um ein Dreifaches an. Also wurden neue Schulen benötigt. Das Bismarckschulhaus war eines davon. Seinen Namen verdankt die Schule Otto von Bismarck, der als "Eiserner Kanzler" und Gründer des Deutschen Reiches in die Geschichte eingegangen ist.

Modell der Bismarckschule

Im Süden die Mädchen im Osten die Knaben

Auch heute ist es noch an den in Stein gehauenen Schriften über den Eingängen zu sehen: Mädchen und Jungens gingen damals in getrennte Klassen und benutzten unterschiedliche Eingänge. Für uns kaum mehr vorstellbar, damals aber die Regel. Aber Mädchen und Jungs waren nicht nur in verschiedenen Räumen, sie erhielten zum Teil auch unterschiedlichen Unterricht, so zum Beispiel im Rechnen und Lesen.

Ein Spaziergang durch die Geschichte

In der Ausstellung erfährt man viele Dinge über die Geschichte der Schule, die immer auch die Geschichte und politischen Zustände der Stadt und Deutschlands wiederspiegelt. So fand 1904 in der Schule der 1. internationale Kongress für Schulhygiene statt - damals ein wichtiges Thema. Wie viel Platz braucht jeder Schüler? Wie kann man die Läuseplage bekämpfen? Wie hält man die Schule vor ansteckenden Krankheiten frei? Wie muss eine Schule belüftet und geheizt werden?

Ab 1916 und im ersten Weltkrieg wurde das Gebäude gleichzeitig als Schule und Lazarett genutzt. Gut, dass man große, weite Flure gebaut hatte, auf denen auch Krankentragen Platz hatten.

Die Schüler sollten die Natur selbst erleben, um sie zu verstehen - also wurde gewandert!

In der Weimarer Republik, von 1919 bis 1933, als das damalige Deutsche Reich ein demokratischer Bundesstaat war, verfolgte man modernere Erziehungsmethoden. Man wich ein wenig ab von "Zucht und Ordnung" und gestaltete den Unterricht lebendiger und kindgerechter. Die Schüler hatten Werken, es wurde viel gewandert oder Theater gespielt.

Ganz anders entwickelte sich der Unterricht im Nationalsozialismus bis 1945. Nun sollte die Jugend im nationalsozialistischen Geist, im Sinne des Führers erzogen werden. Die Hitlerjugend hatte sozusagen die "Erziehungsgewalt", jüdische oder "nicht- arische" Kinder wurden vom Unterricht ausgeschlossen. Alles wurde strenger und vereinheitlicht.

Im Krieg schließlich wurde Nürnberg weitgehend zerstört. Während von den 114 Schulen der Stadt 44 komplett zerstört wurden, waren 45 Gebäude zur Hälfte eingefallen. Nur zwei blieben unversehrt. Das Bismarckschulhaus war nur leicht beschädigt. Deshalb wurde es nach dem Krieg sofort wieder eingesetzt. In den 50er Jahren wurde dann auch der Unterricht von Mädchen und Jungen zusammengelegt.

Mit den darauffolgenden Jahren wandelte sich die Schule in eine multiethnische Schule. Immer mehr ausländische Mitbürger zogen nach Nürnberg und Kinder aus vielen Nationen durften als Schüler begrüßt werden. Aktuell gehen 760 Schülerinnen und Schüler aus 30 Nationen in die Grund- und Hauptschule.

Aktive Schüler

So ein Jubiläum ist ein toller Anlass, um sich mit der Geschichte der eigenen Schule zu befassen. Gab es berühmte Schüler an dieser Schule? Woher stammt der Name? Was war vor der Schule auf dem Baugrund? Wer hat die Schule gebaut und warum? Viele Fragen, die sich auch bei einer Schule aus den 50er, 70er oder 80er Jahren stellen. Je mehr man über seine Schule weiß, desto vertrauter wird sie einem und vielleicht fühlt man sich dann auch wohler in ihr.

Die Ausstellung "Die Schule im Märchenschloss - ein Nürnberger Schulhaus wird 100" bietet spezielle Führungen, die besonders reizvoll sind. Schüler der Bismarckschule zeigen anderen Schülern die Ausstellung und erklären die Geschichte der "Bismarck". Daneben gibt es auch noch Vorträge, Lesungen und die Möglichkeit zu kreativem Gestalten.

Wo und wann?

Zu sehen ist die Ausstellung im Schulmuseum Nürnberg, Im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Str. 62, 90491 Nürnberg.
Bis 31.01.2005, geöffnet Di Fr 9.00 17.00 Uhr, Sa und So 10.00 18.00 Uhr.

Wenn ihr euch noch mehr Bilder der Schule anschauen wollt oder mehr über die Geschichte, die Projekte der Schule und die Schüler erfahren wollt, dann seht euch die Internetseite der Schule an, unter www.bismarck-schule.de.

-ab-14.10.04 Text und Fotos.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt