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Die Olympischen Spiele vor 104 Jahren

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Die Olympischen Spiele vor 104 Jahren

1908, also vor 104 Jahren fanden die vierten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Ausgetragen wurden sie damals zum ersten Mal in London. Mit welchen Problemen die ersten sportlichen Großveranstaltungen zu kämpfen hatten und welche Neuerungen die Briten einbrachten, lest ihr hier.

Warum Olympische Spiele?


Bild: Report der Olympischen Spiele 1908.

1908 fanden die vierten Olympischen Spiele nach der Wiedererweckung dieser antiken Wettkampftradition statt. Der Franzose Pierre de Coubertin hatte angeregt, im Jahr 1896 ein internationales Sportfest in verschiedenen Disziplinen durchzuführen.


Damals spielte Sport in den meisten Ländern keine bedeutende Rolle. Coubertin wollte zeigen, dass der sportliche Wettstreit sich nicht nur auf Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer der Athleten auswirkt, sondern auch ihren Charakter positiv beeinflusst. Sein Ziel war es, Sport als Unterrichtsfach in den Schulen seines Heimatlandes Frankreich einzuführen. Um dafür zu werben erschien ihm ein großes Fest, dass an eine Tradition aus dem alten Griechenland anknüpft am besten geeignet.


Schleppender Beginn


Bild: Eröffnungsfeier der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen.



Die ersten neuzeitlichen Olympischen Spiele 1896 in Griechenland waren vor allem griechische Spiele waren nur ein gutes Viertel der Athleten kamen aus dem Ausland. Immerhin wurde hier durch die Wahl des Austragungsortes ganz deutlich an die antike Tradition angeknüpft.


Ganz anders vier Jahre später in Paris. Dort fand 1900 die große Weltausstellung statt, in deren Rahmen, quasi als nebensächliches Anhängsel sportliche Wettbewerbe ausgetragen wurden. Der Name Olympische Spiele wurde dafür jedoch nur selten gebraucht, es gab keine Berichterstattung, die Sportler mussten ihre Leistungen unter schlechtesten Bedingungen zeigen und Zuschauer kamen nur zufällig vorbei.


Kaum besser verliefen die Spiele der 3. Olympiade 1904 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Erneut war eine Weltausstellung die Hauptattraktion. Die Sportereignisse zogen sich über mehr als vier Monate hin und waren dadurch unüberschaubar. Eigentlich handelte es sich mehr um amerikanische als um internationale Wettkämpfe, denn 600 der 655 Teilnehmer stammten aus den USA.


1908 Olympische Spiele in einem sportbegeisterten Land


Bild: Die Gymnastikvorführung der Frauen galt nur als Demonstrationssportart. In anderen Disziplinen waren nur sehr wenige Frauen vertreten. Insgesamt traten nur rund 40 weibliche Athletinnen an den Start.

Ursprünglich sollten die Spiele 1908 in Rom stattfinden, doch weil das italienische Organisationskomitee keinerlei Vorbereitungen getroffen hatte, wurde die Veranstaltung 1906 an die Briten vergeben, die bereits etliche Wettkampfstätten vorweisen konnten.


England war in sportlicher Hinsicht nämlich vielen anderen Ländern voraus. Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurden hier Sportarten wie Boxen, Pferderennen, Golf und Rudern beliebt. Es gab schon Regelwerke und 1792 sogar bereits die erste Sportzeitung, als in Deutschland oder Frankreich körperliche Freizeitbetätigung noch weithin unbekannt oder sogar verpönt war. So kam es, dass die Olympischen Spiele 1908 sozusagen im Mutterland des Sports stattfanden.


Auch in London gehörten die Olympischen Spiele zu einer Ausstellung, einer französisch-englischen Messe. Doch im Gegensatz zu 1900 und 1904 wurden sie diesmal stärker als eigenständiges Ereignis gewürdigt. Sicherlich lag das auch daran, dass die meisten Wettbewerbe auf zwei Wochen im Juli und eine einzige Wettkampfstätte konzentriert waren.


1908 nahmen bereits mehr als 2000 Athleten aus vier Kontinenten teil. Die meisten von ihnen stammten zwar aus Europa, doch auch Amerika, Afrika und Ozeanien waren vertreten.


Neu: Regeln und Einzug


Bild: Einzug der Athleten 1908.



Erstmals gab es einen Einmarsch der Athleten bei der Eröffnungsfeier. Am 13. Juli 1908 liefen die Sportler in ihrer normalen Sportbekleidung ins Stadion ein.

Die Nationen erschienen in alphabetischer Reihenfolge jeweils mit einem Fahnenträger und einem Schild mit ihrem Landesnamen. Erst seit 1928 gehen die Vertreter Griechenlands am Anfang dieser Parade.


Eine weitere Neuerung, die für uns heute absolut selbstverständlich ist: Es gab feste Regeln für jede Sportart. Meist hatte man sich der englischen Regelwerke bedient oder Mischformen entwickelt, beispielsweise bei der Mannschaftssportart Lacrosse, die nur von kanadischen und britischen Spielern praktiziert wurde.


Bild: Die Sieger des Paarlaufes im Eiskunstlauf waren die Deutschen Anna Hübler und Heinrich Burger.

16 Jahre vor den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix 1924 gab es in London bereits einen Wettkampf im Eiskunstlauf. Erstmals konnte nämlich eine Kunsteisfläche in einer Halle erzeugt werden.


104 Jahre später...

...finden die Olympischen Sommerspiele erneut in der britischen Hauptstadt London statt. Bereits zum dritten Mal ist die englische Metropole Gastgeber, wie zuvor bereits 1908 und 1948. Das hat es in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit noch nicht gegeben.



Wollt ihr wissen, wie sich die Olympischen Spiele nach 1908 weiter entwickelten, in welchen Sportarten Wettbewerbe ausgetragen werden oder wer die Großveranstaltungen organisiert, dann schaut doch mal in unseren WAS IST WAS Band 93 Die Olympischen Spiele.

Text: Liane Manseicher, 10.07.08; Fotos: pd.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt