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Deutschland: Heimspiel ohne Spitznamen

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Deutschland: Heimspiel ohne Spitznamen

Trotz drei Weltmeistertitel 1954, 1974 und 1990: Die deutsche Nationalmannschaft hat noch immer keinen Spitznamen! Wenn sie in ihren weißen Heim- und roten Auswärtstrikots angefeuert wird, dann meistens mit Deutschland, Deutschland oder Steht auf, wenn ihr Deutsche seid. Dabei könnte man aus dem Adler auf der Brust doch echt was machen, oder?

Wie wärs mit Adler, Adler oder Kliiinsis Truppe oder? Habt ihr eine Idee? Wäre doch eine Gelegenheit Versäumtes einmal nachzuholen. Schließlich hat die deutsche Mannschaft ja Heimspiel!

Die WM im eigenen Land...

...ist ein großer Vorteil, wenn man sieht, wie die Menschen ins Stadion gehen und die Mannschaft anfeuern. Mit seinem offensiven Fußball bietet das Trainertrio aus Torwarttrainer Andy Köpke, Jürgen Klinsmann und Jogi Löw natürlich auch alles, was sich die Fans wünschen: Torraumszenen, viele Chancen auch für den Gegner, - schnelles Kombinationsspiel über außen und packende Szenen im Mittelfeld.

Für die neu formierte Mannschaft war es natürlich auch ein Vorteil, sich nicht qualifizieren zu müssen. Als einzige Mannschaft waren die Deutschen als Gastgeber gesetzt. So konnte vor der WM experimentiert und getestet werden. Gleichzeitig fehlt aber auch der direkte Vergleich in einem entscheidenden Spiel, denn die deutsche Mannschaft hat seit der EM 2002 nur Testspiele absolviert. Jürgen Klinsmann ließ immer wieder neue Spieler auflaufen, bis er sich am Ende für seine 23 Mann entschied.

Die EM 2002 und das Aus für Rudi Völler

Nach der Vizeweltmeisterschaft 2002 in Japan und Korea, bei der sich Deutschland nur Brasilien mit 2:0 geschlagen geben musste, war zwei Jahre später, bei der Europameisterschaft in Portugal, die Euphorie schnell verflogen. Nach den Gruppenspielen gegen Tschechien, die Niederlande und Lettland war Deutschland in der Gruppe D auf Platz 3 und damit ausgeschieden. Coach Rudi Völler trat als Bundestrainer zurück und Jürgen Klinsmann wurde zum Cheftrainer ernannt.




Joachim Löw, Jürgen Klinsmann, Andreas Köpke und als Manager Oliver Bierhoff (von links)


Gemeinsam mit Joachim Löw übernahm er die schwere Aufgabe einen Neustart im deutschen Fußball zu wagen. Dabei ging es nicht nur um die Verjüngung des Kaders und um einen frischen Wind beim DFB. Jürgen Klinsmann, selbst Weltmeister 1990 und als Kapitän der Nationalmannschaft Europameister 1996, wollte auch neue Trainingsmethoden einführen und stärker auf die Jugendarbeit setzen. Um dieses Ziel zu erreichen traf der 41-jährige Klinsmann auch unpopuläre Entscheidungen. So wurde der langjährige Torhütertrainer Sepp Maier von Andy Köpke abgelöst.

Während der Vorbereitung wurde dem Schwaben oft vorgeworfen, dass er seinen Wohnort nicht wieder von den USA nach Deutschland verlegte. Doch für Klinsmann war die Möglichkeit sich nach Kalifornien zurückziehen zu können eine wichtige Voraussetzung um überhaupt dieses Amt anzutreten.

Der Kapitän

Auch beim Aufgebot versucht Klinsmann seine Linie zu fahren. Von Anfang an wollte er nicht, dass der Torwart auch gleichzeitig Kapitän der Nationalmannschaft ist. So bekam Michael Ballack die Kapitänsbinde und soll das Spiel und seine Mitspieler vom Mittelfeld aus dirigieren.

Die Torwartfrage

Lange blieb offen, wer die Nummer 1 im deutschen Tor während der WM sein sollte: der langjährige Kapitän Oliver Kahn vom FC Bayern München, der bei der WM 2002 noch zum Torhüter und Spieler des Turniers gewählt wurde oder die bisherige Nummer 2, Jens Lehmann, der mit dem englischen Club Arsenal London bis ins Finale der Champions League 2005/06 vorgedrungen war.

Beide Spieler sind 1969 geboren, verfügen über eine lange Erfahrung im internationalen Fußball und konnten noch nie als Freunde bezeichnet werden.

Schließlich entschied sich das Trainertrio für Jens Lehmann. Wohl auch, weil seine mitspielende Art besser in das angedachte offensive Spielsystem passte. Für viele überraschend, nahm Oliver Kahn die Rolle des Ersatztorhüters an. Als dritter Torwart wurde der 27-jährige Timo Hildebrand vom Vfb Stuttgart nominiert.
 
Die Abwehr

Gerade beim offensiven, schnellen Spiel nach vorne, muss eine Viererkette in der Abwehr hervorragend aufeinander abgestimmt sein. Von ihr müssen auch Impulse nach vorne kommen und sie muss bestens organisiert sein, um sich schnellen Kontern erwähren zu können. Hier zeigte die deutsche Mannschaft in der Vorbereitung immer wieder Schwächen und Abstimmungsfehler. Denn Klinsmann verjüngte gerade die Abwehr enorm. Als ältesten Abwehrrecken nominierte der Bundestrainer Jens Nowotny von Bayer Leverkusen. Mit 32 Jahren einer der ältesten Spieler im deutschen Team. Allerdings steht Nowotny nicht in der Startformation. Genauso wenig wie Robert Huth, der bei FC Chelsea unter Vertrag war, aber kaum zum Einsatz kam. Oder Marcell Jansen von Borussia Mönchengladbach, der mit seinen 20 Jahren der jüngste im Team ist.

Die Stammplätze haben sich zunächst Arne Friedrich von Hertha BSC, der Schnellstarter Per Mertesacker von Hannover 96 und der 25-jährige Christoph Metzelder von Borussia Dortmund erkämpft. Außerdem ist Philipp Lahm mit von der Partie, der vor allem auch aus der Abwehr für Druck nach vorne sorgen soll.

Der 22-jährige hatte sich in einem Vorbereitungsspiel kurz vor der WM noch den Unterarm gebrochen, wurde aber noch rechtzeitig fit und feierte beim Eröffnungsspiel sein zweites Länderspieltor. Gerade er verkörpert die neue Spielweise, die das Bundestrainertrio sehen möchte: Aggressiv aber faires Abwehrverhalten und schnelles, überraschendes Spiel nach vorne mit Zug zum Tor.

Das Mittelfeld

Gesetzt war der Kapitän der Nationalmannschaft Michael Ballack, der in der neuen Saison zum FC Chelsea wechselt. Doch gleich beim Auftakt konnte der Mittelfeldmotor nicht spielen, wegen einer Wadenverletzung. Also kam Tim Borowski von Werder Bremen zum Zug. Neben der Nummer 18 im deutschen Team kann auch der 26-jährige Sebastian Kehl von Borussia Dortmund auf der Position des Kapitäns spielen.

Neben Ballack scheint Torsten Frings von Werder Bremen ebenso gesetzt, wie Bernd Schneider von Bayer Leverkusen. Die beiden gehören mit ihren 30 (Frings) und 32 (Schneider) Jahren zu den erfahreneren Spielern des Teams. Zu einer festen Größe im deutschen Mittelfeld hat sich auch Sebastian Schweinsteiger etabliert. Der 21-jährige vom FC Bayern München hat sich nicht nur durch seine Flanken und sein gutes Zusammenspiel mit seinem Freund im Sturm Lukas Podolski in die Mannschaft gespielt. Er ist auch bei ruhenden Bällen und aus der Distanz immer für ein Tor gut.
 
Der Sturm: Miroslav Klose

Gerade im Sturm hat Deutschland mit Miroslav Klose eine hervorragende Spitze. Klose, der beim FC Werder Bremen spielt, macht nicht nur Tore, wie im Eröffnungsspiel gleich zwei. Klose arbeitet auch enorm viel nach hinten. Hilft in der Abwehr aus und holt sich die Bälle im Mittelfeld. Er bereitet ebenso viele Tor vor, wie er sie auch selbst schießt. Und er läuft unermüdlich! Wenn es mal nicht so läuft, treibt auch er die Mannschaft immer wieder an.

Lukas Podolski

Neben Klose stürmt derzeit in der Anfangsformation Lukas Podolski, der zur kommenden Saison vom 1. FC Köln zu Bayern München wechselt.
Der 21-jährige Podolski, der am 04. Juni Geburtstag hatte, ist schnell und kampfstark. Allerdings manchmal auch etwas eigensinnig. Seine Vorzüge stellte er 2005 beim Confederations Cup unter Beweis, als er viel Kaltschnäuzigkeit bewies, wunderschöne Tore machte und hervorragend mit Bastian Schweinsteiger als Mitspieler harmonierte.

Die Einwechsler: David Odonkor und Oliver Neuville

Auch im Sturm sorgte Jürgen Klinsmann für Überraschungen. So ließ er Kevin Kuranyi zu Hause und nahm stattdessen David Odonkor mit ins Team. Der 22-jährige von Borussia Dortmund zählt zu den schnellsten Spielern überhaupt. Seine Nominierung dankte er mit einer wunderschönen Flanke im Spiel gegen Polen, die der eingewechselte Oliver Neuville in der 93. Minute zum 1:0 ins Tor unterbrachte. Der Mönchengladbacher Kapitän ist mit 33 Jahren der älteste Feldspieler und wurde bisher immer in der zweiten Halbzeit eingewechselt um nochmals für neuen Schwung im Angriff zu sorgen. Außerdem sind noch Gerald Asamoah vom FC Schalke 04 und Mike Hanke vom Vfl Wolfsburg mit im Team.

Das große Ziel vor Augen

Jürgen Klinsmann weiß, dass der Weg, den er eingeschlagen hat, nur am Erfolg gemessen wird. Spielt die deutsche Mannschaft erfolgreich, wird er in Ruhe weiterarbeiten können. Verabschiedet sich die Mannschaft zu früh, wird er wieder einmal - schwer in der Kritik stehen. Aber er ist überzeugt davon, dass sein Weg der richtige ist. Und jeder Spieler ist überzeugt davon, dass er ein Teil einer Mannschaft ist, die viel erreichen kann. Die Mannschaft strahlt auf jeden Fall große Spielfreude und den viel beschworenen Teamgeist aus. Bei jedem Spiel lernt das Team dazu und mit der Unterstützung eines begeisterten Publikums können manchmal auch Wunder geschehen...

-ab-16.06.2006 Text / Fotos: www.dfb.de, außer: Sebastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Michael Ballack, Oliver Kahn: adidas; Fan: Anja Bühling.

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