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Der König der Punkte

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Der König der Punkte

Habt ihr schon mal ein Bild gesehen, dass nur aus winzig kleinen Punkten besteht? Nein? Na, dann lest euch doch mal den folgenden Artikel durch. Denn solche "gepunkteten" Bilder sind etwas ganz besonderes, denn bei ihnen handelt es sich um eine optische Täuschung. Erfunden hat diesen Malstil der Franzose Georges Seurat.

Diese Stilrichtung der Malerei nennt man Neoimpressionismus, Divisionismus (von lateinisch dividere = teilen) oder Pointillismus (von französisch point = Punkt).

Dabei machen sich die Künstler das Prinzip der optischen Täuschung (mit bestimmten Tricks beim Zeichnen von Linien, Flächen oder Farben wird unser Auge getäuscht) zunutze.

Zerlegen in Grundfarben

Aus dem Kunstunterricht habt ihr bestimmt schon von den Grundfarben Rot, Gelb und Blau gehört. Vielleicht habt ihr selbst schon mal beobachtet, wie unterschiedlich hell oder dunkel, leuchtend oder matt Farben wirken, je nachdem welche Farbe sich direkt in der Nachbarschaft befindet.

Unterschiedliche Nah-Fern-Wirkung

Diesen Effekt machten sich im 19. Jahrhundert die Anhänger des Pointillismus zunutze. Auf ihren Bildern trugen sie zahlreiche kleine Farbtupfer der primären Grundfarben nebeneinander auf. Tritt man nun ein paar Schritte vom Bild zurück und betrachtet es aus größerer Entfernung, vermischen sich die einzelnen Farbtupfer zu unterschiedlichen Farbtönen.

Neue Erkenntnisse der Farbenlehre

Einer der ganz großen Maler des Pointillismus ist der Franzose Georges Seurat (1859-1891). Und er ist der Originellste unter denen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert die Avantgarde (Avantgarde nennt man die Vorkämpfer einer bestimmten neuen Idee oder Stilrichtung, z.B. in der Kunst) Frankreichs bildeten.

1859 in Paris geboren, hat sich Seurat bis zu seinem frühen Tod mit 31 Jahren intensiv mit der Farbenlehre beschäftigt und eine eigene Theorie entwickelt: Angeregt durch diese neuen Erkenntnisse begann er, schematisch reine Farbpunkte nebeneinander auf die Leinwand zu setzen. Die Farben würden sich erst und dies war seiner Auffassung nach ausreichend im Auge des Betrachters mischen.

Die Zerlegung der Farben

Dazu fertigte er zunächst schnelle Skizzen seiner Motive vor Ort, im Atelier zerlegte er dann das Bild in winzig kleine einzelne Farbtupfer und komponierte so das Motiv völlig neu.
Von diesem Effekt so begeistert, beschäftigte sich Seurat besonders intensiv mit dieser Zerlegung der Farben. Er überlegte sich genau, welche Farben andere heller oder dunkler wirken lassen. Dabei kam es ihm weniger darauf an, ob die Farben tatsächlich in der Natur so aussahen, sondern vielmehr auf die Wirkung, die sie im Bild erzielten.

Effekt der optischen Täuschung

Diesen Effekt kannst du selbst testen, indem du dir das Bild Ein Sonntagnachmittag auf der Insel Grande Jatte zuerst von ganz nah betrachtest und dann noch mal von Weitem. Sieh dir einen Farbtupfer ganz genau an, schließe dann deine Augen und betrachte das Bild noch mal von etwas weiter weg, jetzt wirst du ganz andere Farben sehen als die tatsächlich gemalten.
 
 
Klicke einfach auf das Bild, es öffnet sich ein PDF und du kannst dich selbst von dem Effekt der optischen Täuschung überzeugen.

Große Ausstellung in der Schweiz

Übrigens, diejenigen unter euch, die in der Schweiz leben, haben noch bis zum 17. Januar 2010 die Möglichkeit sich über 70 Gemälde und Zeichnungen von Seurat , die aus bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen aus London, Paris, New York und Washington stammen, im Kunsthaus Zürich anzusehen.

Anfänge der modernen Kunst


George Seurat gilt als einer der Väter der Modernen Kunst. Viele bedeutende Maler der folgenden Generationen von van Gogh bis Paul Klee spielten mit dem Pointillismus, der auch Divisionismus genannt wird, und entwickelten ihn weiter, auch wenn sie sich später ganz anderen Lösungen zuwandten.

01.12.09/Text: wesa. Quellenangabe: Susanna Partsch: Haus der Kunst, Hanser Verlag 1999, Honour/Fleming: Weltgeschichte der Kunst, Prestel Verlag 2000, Meisterwerke der Kunst: Malerei, TESSLOFF Verlag 1998.

Bildmaterial: Pressefotos Kunsthaus Zürich:
 
Georges Seurat, La Tour Eiffel, ca. 1889, Öl auf Holz, 24,1 x 15,2 cm, Fine Arts Museums of San Francisco, Museum purchase, William H. Noble Bequest Fund.

Georges Seurat, A l'Ombre et au soleil: Étude pour Un dimanche à la Grande Jatte, 1884-85, Öl auf Holz, 15,5 x 25 cm, Stiftung Sammlung E.G. Bührle, Zürich.

Georges Seurat, Étude d'ensemble pour 'Un Dimanche à la Grande Jatte', 1884, Öl auf Leinwand, 70,5 x 104,1 cm, The Metropolitan Museum of Art, Bequest of Sam A. Lewisohn, 1951.

Georges Seurat, Le Chenal de Gravelines: Un Soir, 1890, Öl auf Leinwand, 65,4 x 81,9 cm, The Museum of Modern Art, New York, Gift of Mr. and Mrs. William A.M. Burden 1963, Digital image, The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt