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Carl Spitzweg - kein armer Poet

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Carl Spitzweg - kein armer Poet

Ob als Poster oder Kaffeetasse, Kissenbezug oder T-Shirt - sicher hat fast jeder schon ein Bild von Carl Spitzweg gesehen. Am verbreitetsten ist der "Arme Poet", der mit Schlafmütze und Morgenrock auf einer Matratze in seiner Dachkammer hockt. Doch wer schuf diese Szenen, die Einblicke in das deutsche (Klein-)Bürgertum des 19. Jahrhunderts ermöglichen?

Bild: Selbstportrait um 1840.

Geboren wurde Franz Carl Spitzweg am 5. Februar 1808 als zweiter von drei Söhnen einer wohlhabenden oberbayerischen Kaufmannsfamilie. Sein Vater hatte für ihn den Beruf des Apothekers vorgesehen und so absolvierte der wohlerzogene Sohn denn auch eine Apothekerlehre an die er ein Studium der Pharmazie, Botanik und Chemie anschloss. Nur ein Jahr lang übte er seinen Beruf danach aus.

Maler statt Apotheker

Bild: Spitzweg: "Der Bücherwurm" (um 1850).


Denn schon 1833 hatte er sich entschlossen, hauptberuflicher Maler zu werden. Wie es dazu kam? Schon als Jugendlicher war er talentiert im Zeichnen gewesen, doch sein Vater hätte eine Künstlerlaufbahn nicht geduldet. Dieser war jedoch bereits 1828 verstorben.

Im Sommer 1832 war Spitzweg zum ersten Mal nach Italien gereist und hatte wichtige Eindrücke gesammelt. Kurz darauf musste er auf Kur gehen um sich von einer Darmkrankheit zu erholen. Dort lernte er den Landschaftsmaler Christian Heinrich Hansonn kennen, der ihn ermutigte, aus seinem Hobby einen Beruf zu machen.

Geldsorgen musste Spitzweg nicht fürchen, denn gerade zu dieser Zeit erhielt er das Erbe seines Vaters ausgezahlt.

Wie malte man zu Spitzwegs Zeit?

Das Gemälde (links) des Münchner "Malerfürsten" Carl von Lehnbach stellt Otto Bismarck dar. Lehnbach gehört zu den Vertretern der Akademiekunst.


Spitzweg hatte das Malen nicht auf einer Akademie gelernt, wie es für Künstler seit dem 17. Jahrhundert üblich war, sondern hatte sich alles was er konnte selbst beigebracht. Damit war er in der Kunstlandschaft seiner Zeit eigentlich ein Außenseiter.

Doch begann seit Anfang des 19. Jahrhunderts die alte Tradition der sogenannten Akademiekunst langsam aufzubrechen. Junge Künstler wollten nicht mehr nach den strengen Regeln ihrer Kunstschulen malen, deren Schönheitsideal die Antike war.

Bild: Spitzweg: "Das Ständchen" (Ausschnitt, 1860).


Außerdem stellten sie in ihren Bildern andere Themen dar als das bislang üblich war. Statt religiösen und geschichtlichen Motiven bildeten sie Landschaften und alltägliche Geschehnisse ab. Alles wurde etwas schöner idealisierter - dargestellt als in der Realität. Man nennt diese Kunstepoche das Biedermeier.

Die Mitmenschen aufs Korn genommen


Mit "Biedermeier" wird eine Zeit bezeichnet, in der das Bürgertum politisch keinerlei Mitsprachemöglichkeit hatte. Deshalb zog es sich ganz aufs Private zurück. Genau das kommt auch in Spitzwegs Bildern zum Ausdruck.

Er malt keine Schlachten oder Herrscherbilder. Sein wichtigstes Thema ist der Bürger in seiner Privatheit. Er zeigt gern auf menschliche Schwächen und Eigenheiten wie etwa in "Der Hypochonder" ( = eingebildeter Kranker) oder den "Disputierenden Mönchen".

Das Bild (links) "Disputierende Mönche" (um 1858/60) zeigt, dass es auch bei Mönchen menschlich zugeht. In einer Diskussion über eine Bibelstelle zeigt einer dem anderen den Vogel.




Gleichzeitig macht er sich aber auch über die Obrigkeit lustig, etwa in dem Bild "Wo ist der Pass?" (siehe Bild rechts). Hier fragt ein Polizist fahrende Musikanten nach ihrem Pass. Da der Dienstmann fränkischen Dialekt spricht, versteht der Musiker "Bass" und deutet auf sein Instrument.

Viele seiner satirischen Zeichnungen erschienen in der humoristischen Wochenschrift "Fliegende Blätter", für die auch Wilhelm Busch malte.

Idyllen im Kleinformat

Bild: Spitzweg: "Der Kaktusfreund" (um 1856).


Oft malte Spitzweg seine Bilder auf kleine Brettchen seiner Zigarrenkistchen. Der "Arme Poet" beispielsweise ist nur etwas größer als ein DIN A3 Blatt, andere Bilder noch kleiner.

Auch an seinen Formaten zeigt sich der Gegensatz zu den "Akademiekünstlern", die meterlange Leinwände und Deckengemälde bevorzugten.

Cleverer Geschäftsmann

Das Bild vom "Armen Poeten" (1839; siehe Bild rechts) trifft auf Carl Spitzweg selbst keineswegs zu, war er doch nicht nur durch sein Erbe gut abgesichert. Auch seine Bilder verkaufte er professionell. Während Künstler noch wenige Jahrzehnte zuvor in erster Linie für adelige Kunden malten, hatte sich der Kunstmarkt in der Biedermeierzeit völlig gewandelt.

In vielen Städten entstanden Kunstvereine, die es sich zum Ziel setzten, die Maler ihrer Zeit dem bürgerlichen Publikum nahe zu bringen. Durch Handelsvertreter ließ Spitzweg seine Bilder an Kunstvereine in ganz Deutschland und benachbarte Länder, ja sogar bis nach New York verkaufen. So beliebt und allseits bekannt wie heute wurden Spitzwegs Gemälde jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Gegensatz zu vielen seiner Motive war Spitzweg kein "Spießer". Er reiste viel und informierte sich auf der ersten Weltausstellung 1851 in London über den aktuellen Stand der Technik. Neben der Malerei widmete er sich auch der Dichtung und dem Schauspielen. Spitzweg starb am 23. September 1885 in München.

Links

Mehr über den Maler und Dichter unter www.carl-spitzweg.de

Sehr viele Gemälde und Zeichnungen von Spitzweg findet ihr hier.

Eine große Ausstellung mit Werken von Carl Spitzweg und Wilhelm Busch findet im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt vom 29. Juni bis 2. November 2008 statt.
Adresse:
Museum Georg Schäfer
Brückenstraße 20
97421 Schweinfurt
http://www.museumgeorgschaefer.de/

Text: lm 04.02.08; Bilder: pd: wikipedia.

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