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Berlin, Berlin wir malen in Berlin!

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Berlin, Berlin wir malen in Berlin!

In Berlin-Hellersdorf entsteht momentan die weltgrößte Fassadenmalerei. Wir erzählen euch mehr über das Projekt Europaviertel Berlin, das etwas Farbe in die graue Plattenbausiedlung im Osten der Stadt bringen soll ...

Die Welt ist bunt

Nach den Plänen einer Firma, die sich um die Entwicklung des Stadtteils kümmert, soll aus dem tristen grauen Stadtviertel das Europaviertel Berlin Boulevard der Nationen werden. Denn aus immerhin 77 Ländern kommen die Bewohner des Kiezes. Die Vielfalt der Nationen soll sich auch in der Vielfalt der Malerei ausdrücken.

Boulevard der Nationen

Insgesamt sollen 64000 m² Wandfassade bemalt werden. Dabei gibt es spezielle Motive für jede Nation: Griechenland soll durch einen antiken Tempel symbolisiert werden, Italiener bekommen ein gemaltes Denkmal in Form einer kleinen Piazza mit Cafe, Holland wird durch einen Käsemarkt dargestellt. Einen ersten Eindruck gibt ein in Rot bemaltes Haus, auf dem der Berliner Bär prangt.

Mit Farbe und Frohsinn gegen Graues und Gewalt

Vorbild für das Projekt ist Lyon in Frankreich. Auch dort hat man großflächig die grauen Fassaden bemalt, um Gewalt in problematischen Stadtvierteln zu senken. Gerade in französischen Städten kennt man das Problem, dass Viertel, in denen nur wirtschaftlich benachteiligte Menschen und Menschen aus dem Ausland leben, zu einem gefährlichen Pflaster werden können. Oft fühlen sie sich ausgegrenzt, was wiederum zu mehr Kriminalität und Gewalt und weiterer Ausgrenzung führt.

Trompe loeil

Die Maltechnik heißt trompe loeil, übersetzt Augentäuschung. Denn es werden lebhafte Szenerien auf die Fassaden gepinselt, so echt, dass man zweimal hinsehen muss. Denn die Künstler beziehen die Perspektive von Fußgängern mit ein, so dass es im vorbeigehen wirkt, als würden sich die gemalten Szenen tatsächlich ereignen: Da kämmt sich im fünften Stock eine Frau am Fenster die Haare, während zwei Stockwerke darunter ein Liebespaar auf dem Balkon turtelt.


Schon lange kennt man das Auge verwirrende Maltechniken. Im Schwetzinger Schlossgarten führt ein "Gang zum Ende der Welt" ...

In Lyon hat die Gruppe Cite de la Creation schon gute Erfahrungen damit gemacht, Hauswände zu bemalen. Schließlich ist es auch von Gehirnforschern nachgewiesen, dass Farben positiv auf die Stimmung wirken. Nicht umsonst ist man im grauen Herbst eher deprimiert und im Sommer voller Lebensfreude und Tatendrang.

Außerdem fühlen sich die Menschen ihrem Viertel mehr verbunden, wenn es dort etwas positives gibt.  Es sollen sogar arbeitslose Jugendliche aus den Vierteln bei der Malerei mithelfen. Auch das verstärkt die Bindung ans Viertel.

Die französische Gruppe schafft es sogar, Graffiti-Sprayer von den bemalten Fassaden fernzuhalten. In den Gemälden wurde der Chef einer Sprayer-Bande verewigt. Nun trau sich niemand mehr, etwas andere zu sprühen.

Lüftlmalerei in den Alpen

Man muss gar nicht in die Großstadt, um täuschend echte Fassadenkunst zu bewundern. Im Alpenraum gibt es viele bemalte Fassaden, teils auch mit täuschend echt gemalten Szenen, oft aus dem bäuerlichen Leben oder auf Jesus und Heilige Bezug nehmend. Man vermutet, dass der Begriff Lüftlmalerei vom Zum Lüftl genannten Wohnhaus des Fassadenmalers Franz Seraph Zwinck (1748-1792) stammt.

Die Homepage des Projekts


Die Homepage der französischen Künstlergruppe

Viele Bilder von bemalten Fassaden

Wenn Dich Architektur interessiert, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 23: Architektur

Text: -jj- 6.12.2006 // Bilder: Schwetzinger Schloss: Immanuel Giel/GFDL; Alpenländische Malerei: TeunSpaans/GFDL; Rest: © Europaviertel Berlin Management GmbH

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt