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Alfred Hitchcock: Der Meister des Gruselkinos

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Alfred Hitchcock: Der Meister des Gruselkinos

Viel kopiert, doch nie erreicht. Alfred Hitchcock, der als "Meister der Suspense" in die Filmgeschichte einging, schuf vor allem in den 50er und 60er Jahren Thriller, die ihn auf den Olymp der Filmschaffenden katapultierten: Meisterwerke wie "Psycho", "Vertigo" oder "Die Vögel" sorgen auch ohne spektakuläre Spezialeffekte bis heute für Gänsehaut beim Kinopublikum. Bitter: Einen Oscar als bester Regisseur bekam er nie!


Was ist "Suspense"?

Mit dem Stilmittel der "Suspense" schaffte es der britische Regisseur von Anfang an die Zuschauer in seinen Bann zu schlagen. Diese Vorgehensweise erklärte der Meister selbst einmal in einem Interview: "Man muss dem Zuschauer eine Information geben, die die Figuren im Film nicht haben. Dann weiß er mehr als die Helden und kann sich intensiver die Frage stellen: Wie wird sich die Situation auflösen?"

Perfektionist

Dabei empfand Hitchcock nach eigener Aussage die Dreharbeiten stets als langweiligsten Teil seiner Arbeit. Weitaus mehr Spaß hatte er daran den Film akribisch genau vorzubereiten. In dieser Hinsicht war der Brite Perfektionist. Er behielt es sich vor das Drehbuch zu bearbeiten und die Storyboards für die meisten Szenen selbst zu entwerfen. Darunter versteht man Zeichnungen, die für jede zu drehende Einstellung eines Film angefertigt werden.

Hitchcock hatte damit immer die absolute Kontrolle über das Filmbild. Da er so genaue Vorstellungen von den einzelnen Szenen hatte, musste er auch kaum überflüssiges Material drehen. Deshalb hatten seine Produzenten auch nie die Möglichkeit seine Filme zu ändern oder umzuschneiden.

Auch auf die Kameraführung nahm der Regisseur extremen Einfluss. Indem er bestimmten Einstellungen und Blickwinkel vorgab, steuerte Hitchcock das Empfinden seiner Zuschauer und führte sie mehr als einmal ganz bewusst in die Irre. Ein weiteres technisches Mittel, das der Brite perfekt beherrschte, war die Gestaltung der Tonspur. Er besaß ein sicheres Gespür dafür, wie man Dialoge und Geräusche wirkungsvoll kombiniert und Filmmusik zum Einsatz bringt.

Filmfan von klein auf

Hitchcocks Know-How kam nicht von Ungefähr. Bereits als Jesuitenschüler hatte der am 13. August 1899 geborene Sohn eines Geflügelhändlers eifrig Fachzeitschriften über den Film studiert. Nach Schulabschluss studierte der junge Brite Kunst in London und bildete sich nebenbei an einer Ingenieursschule weiter. 1919 heuerte er bei der Filmgesellschaft Famous Players-Lasky an, illustrierte Zwischentitel für die damals noch stummen Filme. Seine spätere Frau Alma, eine Cutterin, war im selben Unternehmen tätig.

Wechsel ins Regiefach

Dass Hitchcock offensichtlich Talent besaß, fiel seinen Vorgesetzten schnell auf. Bald war er nicht nur Artdirector, sondern wurde auch als Designer, Drehbuchautor und Regieassistent eingesetzt. 1925 durfte Alfred erstmals eigenständig Regie führen. Bereits Ende der 20er spezialisierte er sich auf die Art von Thriller, die ihn später berühmt machen sollten. Nach einigen erfolgreichen Produktionen klopfte Hollywood an die Tür. Hitchcock willigte in einen Acht-Jahres-Vertrag mit Erfolgsproduzent Peter Selznick ein und zog 1939 mit Gattin und Tochter Patricia in die Staaten.

Auf nach Hollywood

Die Karriere kam in Kalifornien weiter ins Rollen. Gleich die erste amerikanische Produktion "Rebecca" (1940) wurde mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet. Doch ganz glücklich war Hitchcock nicht. Er büßte viele künstlerische Freiheiten ein, die er in England gehabt hatte, und litt unter den Regeln des Hollywood-Systems. Er erfüllte zwar seinen Vertrag, machte sich aber 1948 selbständig, um ein Jahr später mit Warner Brothers zusammen zu arbeiten. Mit einem großen Budget ausgestattet drehte er eine Reihe berühmter Suspense-Filme, darunter "Das Fenster zum Hof" (1953), "Der Mann, der zuviel wusste" (1955) und "Vertigo" (1957). 1955 startete die TV-Reihe "Alfred Hitchcock presents", ein Krimiserie, die dem Regisseur weitere Popularität einbrachte.

Schock fürs Publikum

Die 60er Jahre leiteten eine neue Phase in Hitchcocks Werk ein. Er beginnt vermehrt zu experimentieren, die Filme werden zunehmend düsterer. In "Psycho" (1960) schockiert Hitchcock das Publikum nicht nur mit der berühmt gewordenen Duschszene, sondern brach auch das ungeschriebene Gesetz, nach dem der Star eines Films niemals stirbt. "Die Vögel" (1963) erscheinen noch eine Spur bedrohlicher. Nicht nur die radikale Darstellung von Blut oder Leichen mit ausgehackten Augen machte dem Publikum Angst, sondern auch die Tatsache, dass die Bedrohung durch die mordlüsternen Tiere nicht begründet wird.


Von Psychopathen und zerstörerischen Frauen

In der Welt von Alfred Hitchcock gibt es Themen und Motive, die immer wieder auftauchen. Häufig treffen wir auf Männer, die zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt werden und das Gegenteil beweisen müssen, Frauen, die Männer an sich binden und zerstören wollen bzw. von ihnen gerettet werden, psychopathische Mörder und immer wieder Figuren, die ihre Identität verlieren. Der Regisseur findet starke Bilder, um diese Themen bildlich umzusetzen. Treppenhäuser, Abgründe und unheimliche Häuser bilden oft die Kulisse für eine Welt voll von Schrecken und Geheimnissen.

Hitchcock und die blonden Frauen

Hitchcocks war nicht nur technisch brillant, er arbeitete auch mit hervorragenden Schauspielern zusammen. Bei den Männern waren das z.B. Cary Grant und Sean Connery, vor allem aber James Stewart, der sich bald zur Stammbesetzung für die männlichen Hauptrollen entwickeln sollte. Über Hitchcocks Vorliebe für blonde Hauptdarstellerinnen mit unterkühltem Sexappeal ist schon viel geschrieben wurden. So soll der Regisseur Grace Kelly, Tippi Hedren oder Ingrid Bergman auch privat sehr verehrt haben.

Kein Oscar

Obwohl Alfred Hitchcock fünf Mal für den Oscar nominiert war, konnte er die wichtigste Trophäe des Filmbusiness nicht gewinnen. Das lag wohl nicht zuletzt daran, dass es ausländische Regisseure damals noch schwerer hatten als heute, die Academy von sich zu überzeugen. Dafür räumte er sämtliche andere Preise ab. Unter anderem zwei Golden Globes und den Preise für sein Lebenswerk vom Amerikanischen Filminstitut. Die Queen schlug ihn kurz vor seinem Tod im Jahr 1980 für seine Verdienste um den Film zum Ritter. Seinen letzten Film hatte Hitchcock, gesundheitlich schon stark angeschlagen, 1976 gedreht.

Nic - 27.04.2005 / Abbildungen: Alfred Hitchcock, rororo-Monografie, Rowohlt Verlag, Filmplakat "Psycho", Filmplakat "Die Vögel" (US-Original: "The Birds")

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