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"Wer die Natur zerstört, zerstört sich selbst"

Berühmte Personen

"Wer die Natur zerstört, zerstört sich selbst"

Das war das Motto von Eugen Schuhmacher. Vor hundert Jahren, am 4. August 1906, wurde der Zoologe und Filmemacher geboren. Er gilt, zusammen mit Grzimek und Sielmann, als einer der besten und erfolgreichsten Tierfilmer Deutschlands. Wir erzählen euch mehr über sein Leben und Werk ...

Eugen Schuhmacher wurde am 4. August 1906 in Stuttgart geboren. Er widmete sich der Zoologie und dem Filmen. Durch die Kombination seiner beiden Leidenschaften wurde er, neben Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek, der Beste und erfolgreichste Tierfilmer Deutschlands. Seine Filme wurden auch im Ausland bewundert, nicht zuletzt sein grandioser Film Die letzten Paradiese.


Ein Waldrapp. Schuhmacher filmte die letzte frei lebende Population in der Türkei.

Noch relativ jung, mit Mitte 20, drehte er seine ersten Kurz- und Lehrfilme. Sie handelten von der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, aber auch von exotischen Tieren und Pflanzen in Südamerika. Er erkannte sehr früh, dass die Lebensweise des modernen Menschen die Umwelt gefährdet. Aber durch die Zerstörung der Natur macht der moderne Mensch auch seine eigene Lebensgrundlage kaputt.

Schuhmacher sagte: "Nur wer die Tiere genauer kennt, weiß, wie schön und wie interessant sie sind, wertvoll und unersetzlich in unserer technisierten, nur auf Fortschritt bedachten Zeit. Tiere sind für uns alle geschaffen, auch sie haben das Recht zu leben, wir brauchen sie. Eine zukünftige Welt ohne sie wäre leer und arm."

Natur in Gefahr


Ein Kakapo aus Neuseeland - der möglicherweise langlebigste, auf jeden Fall einzige flugunfähige Papagei der Welt. Heute gibt es nur noch 80 Exemplare davon. Weil der Vogel keinerlei natürliche Scheu besitzt, wurde er Opfer von durch den Mensch eingeschleppten Räubern wie Wieseln und Katzen.

Auf seinen weltweiten Expeditionen hielt er viele seltene Tiere und bedrohte Landstriche auf Film fest. Er wollte einerseits die Menschen wachrütteln und auf der anderen Seite durch seine Aufnahmen wenigstens eine filmische Erinnerung an Tiere und Landstriche bewahren. Schuhmachers Film Natur in Gefahr aus dem Jahr 1952 war einer der ersten, der auf die Gefahren der Umweltzerstörung und des Raubbaus an der Natur aufmerksam machten

Die letzten Paradiese

1959 begann Schuhmacher mit den Dreharbeiten zum Film Die letzten Paradiese. Bis heute gelten die Vorbereitungen und Aufnahmen zu den längsten und teuersten im Bereich der Tierdokumentation. Sieben Jahre lang war Schuhmacher mit dem Kameramann Helmut Barth in 60 Ländern unterwegs.

Sie filmten die am meisten gefährdeten Tiere ihrer Zeit. Einige Tiere wie der Schreikranich waren schon damals so selten, dass Schuhmacher sich Filmmaterial von Kollegen besorgen musste. Über eine Million DM wurden für den Film ausgegeben, der sowohl das deutsche als auch das internationale Publikum begeisterte.

Frösche und Dinosaurier

Eine andere beeindruckende Tierdokumentation handelte unter anderem von Neuseeländischen Urfröschen. Bis 1964 gab es nur 15 Sichtungen dieser Tiere. Schuhmacher machte auf einer Expedition die ersten Filmaufnahmen dieser Frösche, deren Familie schon seit den Dinosauriern existiert.

Seine Tochter Annemarie half ihrem Vater als Cutterin bei der Produktion seiner Tierfilme. Als Cutter(in) ist man mit dafür verantwortlich, welche Szenen in welcher Reihenfolge zu sehen sind. Das Fernsehen erschien beiden ein ideales Medium, um viele Menschen mit ihrer Botschaft zu erreichen. Als Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk entstand auch die Reihe Auf den Spuren seltener Tiere, dass die Zuschauer in die entlegensten Winkel der Erde mitnahm.

Preiswürdige Filme

Einige von Schuhmachers Produktionen wurden mit Filmpreisen in Cannes, Venedig und Deutschland ausgezeichnet. Sein letztes Projekt war Europas Paradiese. Dafür bereiste er zwei Jahre lang ganz Europa, con Spanien bis Weißrussland, von Skandinavien bis Süditalien. Eugen Schuhmacher erlebte den Erfolg seiner letzten Produktion nicht mehr. Er starb am 8. Januar 1973 in München an Krebs.

Tierfilmer aus Leidenschaft

Szenen aus Tierfilmen wirken oft sehr leicht und spielerisch, als ob die Tiere nur darauf gewartet hätten, sich vor der Kamera produzieren zu dürfen. Doch im allgemeinen steckt in einem Tierdokumentationsfilm viel Arbeit. Oft ist aus Kostengründen der Autor auch gleichzeitig Regisseur und Kameramann. Und lernen kann man den Beruf auch nicht. Man braucht Talent und Leidenschaft und viel Geduld, sowie ein Auge für besondere Bilder. Und nicht zuletzt eine teure Ausrüstung: rund 200 000 Euro muss investieren, wer Tierfilmer werden will.

Alle hier gezeigten Tiere wurden von Eugen Schuhmacher gefilmt. Die Bilder sind allerdings moderne Aufnahmen und stammen nicht aus dem Material Schuhmachers.
Text: -jj- 2.8.2006 // Bilder:Kakapo: Mnolf/GFDL; Löwe: yaaaay/CC2.0;Mandschurenkranich: Wilfired Berns/CC2.0; Waldrapp: Manfred Werner/GFDL

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt