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Quallen unheimliche Schönheiten der Meere

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Quallen unheimliche Schönheiten der Meere

Eines der erstaunlichsten und farbenprächtigsten Lebewesen der Meere ist die Qualle, die sich in ebenso vielfältigen wie faszinierenden Formen zeigt. Doch Achtung! Sie sind nicht nur anmutig und schön, sondern können auch hoch giftig sein. Wie ihr im Urlaub im Falle eines Falles reagiert, erfahrt ihr hier ...

Quallen gehören nicht, wie viele fälschlich annehmen, zu den Fischen, sondern zu den Nesseltieren. Korallen und Seeanemonen sind verwandt mit ihnen. Anmutig und filigran treiben Quallen durch das Meer und erreichen dabei eine Geschwindigkeit von bis zu neun Kilometern pro Stunde. Sie schimmern und leuchten in Tausenden von Farben, so dass man gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt. Hauchdünne, meterlange Tentakel fahren geräuschlos durch das Wasser und suchen nach Beute.

An den Strand gespült erkennt man sie allerdings kaum wieder, diese anmutigen Wesen, die noch eben so unantastbar gewirkt haben. Schleimig und flach wie ein Pfannkuchen liegen sie im Sand, ihre Tentakel nach allen Seiten von sich gestreckt.

Tatsächlich haben Quallen an Land nur noch einen Bruchteil ihres Gewichts und können auch ihre äußere Form nicht beibehalten. Das liegt daran, dass sie zu 99% aus Wasser bestehen, ein Mensch zum Vergleich nur zu ungefähr 63%. Wird ein solches Tier nun an Land gespült und trocknet aus, bleibt nur noch eine durchsichtige Haut übrig, allerdings samt giftiger Nesselzellen. Es ist also nicht nur nicht ratsam, sondern sogar höchst gefährlich, gestrandete Quallen zu berühren.

Was das Wasser zusammenhält


Eine Kanonenkugelqualle (Stomolophus meleagris)



Doch wie überleben Tiere, die eigentlich nur aus Wasser bestehen? Logisch, sie bleiben unter Wasser, um ihre Form möglichst stabil beizubehalten. Ihren Körper macht hauptsächlich ein Schirm aus, an dem ein Magenstiel in der Mitte nach unten hängt. Dieser Magenstiel dient sowohl zur Aufnahme von Nahrung, als auch zur Verdauung. Außerdem scheidet die Qualle damit Abfallprodukte aus.

Meist am Schirmrand befinden sich bis zu hundert Tentakel, die von der Qualle zum Tasten und Jagen verwendet werden. Wenn eine Feuerqualle von einem Meter Durchmesser ihre 30 Meter langen Tentakel ausstreckt und damit zehn Meter weit schwimmt, kann sie über 7000 Kubikmeter Wasser durchforsten. Das sind etwa zwei Schwimmbäder mit einer Länge von 50 Metern. Allerdings haben Quallen relativ wenig Kontrolle über ihren eigenen Körper und sind daher stark von der Strömung abhängig.

Fortpflanzung durch Generationenwechsel

Im Kontrast zu diesem einfachen Körperbau steht bei den meisten Quallen ein komplexes Fortpflanzungsverfahren, das man Metagenese nennt. Bei einer Metagenese kommt es zu einem Generationenwechsel, das heißt, die geschlechtsreifen Quallen produzieren Polypen, die sich an Schiffen, Felsen, Walen, oder Ähnlichem festsaugen. Dieser Polyp wiederum wächst und schnürt schließlich einen Teil von sich ab, der dann zu einer neuen Qualle heranwächst. (Im Bild beginnt der Zyklus in der zweiten Reihe von unten in der Mitte und führt nach "links")


Der Polyp ist aber nicht eine Art Ei, wie man vermuten könnte, sondern ein eigenständiges Lebewesen. Die Polypen mancher Quallenarten schließen sich zu Kolonien zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Der Übergang zwischen Einzellebewesen und dem Gesamtkomplex ist hier im wahrsten Sinne des Wortes fließend.

Verteidigung und Jagd

Um ihre Beute zu fangen, haben viele Quallen sogenannte Nesselzellen an ihren Tentakeln. Wird eine dieser Zellen gereizt, feuert sie automatisch eine Sinnesgeißel ab, die ähnlich wie eine Injektionsnadel funktioniert und so dem Opfer das Gift verabreicht. Dabei werden die winzig kleinen Nadeln mit dem vierzigtausendfachen der Erdbeschleunigung davon geschleudert. Ein Durchschnittsmensch kann nur etwas die zehnfache Erdbeschleunigung ertragen, bevor er bewusstlos wird.

Diese enorme Beschleunigung hat zur Folge, dass die Nesselzellen schon nach weit weniger als einer halben Sekunde einem sehr großen Druck ausgesetzt werden. Darum platzen sie und verabreichen so ihr Gift. Ist die Nesselzelle entladen, stirbt sie ab und es werden neue gebildet. Eine Zelle ist klein, und so ist auch die Menge an Gift klein, doch befinden sich mehrere Millionen Nesselzellen am Körper einer Qualle, und der Angreifer, beziehungsweise die Beute, wird immer Tausende dieser kleinen Spritzen zu spüren bekommen.

Die Seewespe

Doch selbst in dieser geringen Menge ist das Gift erstaunlich wirkungsvoll. Eines der giftigsten Tiere der Welt, die australische Seewespe, gehört zur Klasse der Würfelquallen, auch wenn sie ein Extrembeispiel darstellt und in unseren Breitengraden nicht vorkommt. Bleibt sofortige medizinische Versorgung aus, kann das Gift zu Skelett- , Herz-, und Atemlähmungen führen, woraufhin der Tod eintritt.


Eine gestrandete "portugiesische Galeere". Auch sie kann mit ihren meterlangen Tentakeln Menschen tödliche Verletzungen beibringen.

Jedes Jahr sterben so weltweit circa 70 Menschen - weit mehr als durch Haiattacken. Ganze Strände werden aufgrund von Sichtungen der Chironex fleckeri, wie die Seewespe wissenschaftlich heißt, abgesperrt. Ihr Name bedeutet übersetzt mordende Hand. Leider stellt sich die Erforschung dieser Tierart als sehr schwierig heraus, da schon die Zucht extrem gefährlich ist. Ihr Gift ist wirksamer als das einer Kobra.

Was tun gegen eine Nesselverletzung?

Nun sollte jedem klar sein, wie wichtig es ist, auf Quallen zu achten und vorsichtig zu sein. Achtet auf Warnschilder und nehmt diese auch ernst. Erkundigt euch vor einem Urlaub, ob die Region besonders gefährdet ist. Seht ihr eine Qualle im Wasser, dann entfernt euch möglichst schnell, aber ruhig. Die Gefahr geht nämlich hauptsächlich von den Tentakeln aus, und die sind im Wasser fast nicht zu erkennen.

Solltet ihr doch einmal genesselt werden, oder jemand anderes, während ihr dabei seid, so gibt es einige einfache Dinge, die ihr tun könnt, um die Gefahr zu mildern. Zunächst solltet ihr sinnlose und hektische Bewegungen vermeiden und versuchen, ruhig zu bleiben. Bewegt ihr euch, erhöht sich euer Blutdruck und das Gift breitet sich schneller aus.


Eine ungiftige Ohrenqualle

Versucht auf keinen Fall, die Tentakelreste mit den Fingern zu entfernen oder zu verreiben. Das löst nur noch mehr Nesselzellen aus. Schüttet entweder Sand, Salzwasser oder, noch besser, herkömmlichen Haushaltsessig darauf. Süßwasser verschlimmert den Schmerz nur, denn es verursacht das Platzen weiterer Nesselzellen. Dadurch kommt die Haut mit mehr Gift in Kontakt. Wenn ihr Anzeichen von Kreislaufproblemen bemerkt, also Schwindel, Übelkeit, oder gar Ohnmacht, solltet ihr sofort einen Arzt rufen. Ebenso bei Lähmungserscheinungen aller Art.

In den heimischen Gewässern gibt es aber nicht viele gefährliche Quallen. Das Hauptrisiko stellen die Feuerquallen dar, deren Berührung, außer bei allergischen Reaktionen, nicht lebensgefährlich ist, sondern nur für eine Verbrennung sorgt. Dennoch eine sehr unangenehme Erfahrung! Im Mittelmeer gefährlich ist die Leuchtqualle, die für starke, stechende Schmerzen sorgt und auch Übelkeit verursachen kann.

Unter http://www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/quallen.html findet ihr noch einige Informationen und nützliche Tipps. Wichtige medizinische Hinweise findet ihr auch hier.

Wenn dich das Meer und seine Bewohner interessiert, dann wirf doch auch mal einen Blick in unseren WAS IST WAS Band 32: Meereskunde

Text: Thilo Bronnemeyer 4.6.2007 // Bilder: Fortpflanzungszyklus: PD; Nesselzelle: Sansculotte cc-by-sa 2.0; Galeere/Strand: Andreas Schwind/PD; Galeere/Wasser: USNOAA/PD; Spiegeleiqualle: Friedrich/GFDL; Kanonenkugelqualle: DockWatch/PD; Qualle/Strand: PD; Ohrenqualle: PD; Rote Qualle: USNOAA/PD; Chrysaora: USNOAA/PD

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt