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Norwegen feiert seinen Unabhängigkeitstag

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Norwegen feiert seinen Unabhängigkeitstag

Bis zum 13. August 1905 regierte in Norwegen der schwedische König. Er teilte sich die Macht im Land mit dem norwegischen Parlament. Nach außen vertrat er jedoch das Land ganz allein. Das war den Norwegern jedoch ein solcher Dorn im Auge, dass sie beschlossen, den König loszuwerden.


Verabschiedung der ersten Verfassung in Eidsvoll

Seit 1380 befand sich Norwegen in einer Personalunion mit Dänemark. Personalunion bedeutet, dass zwei Länder zwar einen gemeinsamen Herrscher haben, jedoch Recht und Gesetz in den eingebundenen Ländern unterschiedlich sein können.

Nun hatten die Dänen Frankreich und damit Napoleon Bonaparte in seinen Kriegen von 1792 bis 1815 unterstützt und mussten nach seiner Niederlage Norwegen den Schweden überlassen. Und wie vor ihnen die Dänen, ging auch Schweden eine Personalunion mit Norwegen ein. Bereits am 17. Mai 1814 unterschrieben man in Eidsvoll die erste norwegische Verfassung. Dieser Tag ist bis heute der Nationalfeiertag des nordskandinavischen Landes.

Die Vorgeschichte

Mit der Übergabe an Schweden änderte sich das politische System in Norwegen grundlegend. Innenpolitisch mussten sich die Politiker im Parlament immer mit dem schwedischen König abstimmen und außenpolitisch wurden sie ausschließlich von dem fremden Monarchen vertreten. Zunächst arrangierten sich die Norweger mit der Zwangs-Ehe, doch nach 91 Jahren und fünf Könige später wollten sie wieder selbst entscheiden.

Ein störrischer König...

Zunächst versuchten die Parlamentarier durchzusetzen, dass sie wieder eigene Botschaften im Ausland führen durften. König Oscar II. von Schweden war jedoch strikt gegen eine Machtzunahme im Storting (So heißt das norwegische Parlament).

Der Monarch und die Politiker verhandelten, bis sich der König auf einen Kompromiss einließ. Er erlaubte norwegische Botschafter, jedoch nur wenn der schwedische Außenminister zuvor sein Einverständnis gegeben hatte. Dass dieser natürlich bei keinem einzigen zustimmen würde, war dem norwegischen Volk sofort klar, und die Entscheidung verursachte große Empörung in der Hauptstadt Kristiania (heute Oslo).

Eine schlaue Idee...

Bei einem letzten Versuch am 27. Mai 1905, den König zu einer annehmbaren Lösung zu bewegen, scheiterten die Norweger erneut. Von diesem Zeitpunkt an schien es keine andere Lösung zu geben, als den störrischen König loszuwerden. Die norwegischen Abgeordneten setzten sich zusammen und berieten, wie man sich weiter zu verhalten habe. Dann hatte Ministerpräsident Christian Michelsen die entscheidende Idee: Er trat mit der kompletten Regierung zurück!

Michelsens Überrumpelungs-Taktik


König Oscar II.

Nun musste der König versuchen, so schnell wie möglich eine neue Regierung einzusetzen. Sollte es ihm nicht gelingen, würde die Union zusammenbrechen und Oscar II. würde die Herrschaft über Norwegen verlieren.

Außerdem wählte Michelsen einen Zeitpunkt, zu dem alle Augen nach Berlin gerichtet waren, denn dort wurde am 6. Juni 1905 auf dem kaiserlichen Hof Hochzeit gefeiert. In Norwegen nahm man Rücksicht auf diese Feierlichkeit und so beschloss das Storting erst am 7. Juni 1905 einstimmig und einseitig die Auflösung der Union.

Die internationalen Reaktionen waren eindeutig: Wen Gott schlagen will, dem raubt er den Verstand wetterte der englische Generalkonsul, denn niemand hatte mit einem solchen Alleingang der Norweger gerechnet.

Die Rechnung geht auf

Oscar II. gelang es nicht kurzfristig ein neues Parlament zu berufen, und so brach die duale (zweifache) Regierungsstruktur zusammen. Am 13. August 1905 sprach sich auch das Volk eindeutig für den Ausstieg aus der Zwangs-Union aus. Nachfolger des Schweden-Königs wurde der norwegische Prinz Haakon VII. Trotz eines befürchteten Krieges entspannte sich die Lage zwischen den beiden Ländern, sodass bei Beginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914, neben Dänemark, auch Schweden und Norwegen gemeinsam ihre Neutralität erklärten.

JuJo - 10.08.2005 / Fotos: wikipedia.de

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