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Knut tut gut!

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Knut tut gut!

Gefahr gebannt: Nachdem Tierschützer verlangt haben sollen, den Eisbär Knut einzuschläfern, gab die Berliner Zooleitung Entwarnung: "Knut bleibt am Leben". Doch wie kann ein Tierschützer auf die Idee kommen, das Eisbärenbaby einzuschläfern?

Klein, süß und ein wenig tollpatschig so kennen wir Knuddel-Knut aus Fernsehen, Internet und Zeitung. Seit seiner Geburt am 5. Dezember lässt das Interesse der Medien nicht nach. Jedes Ereignis im Leben des jungen Bären wird fleißig dokumentiert kein Zweifel, Knut ist ein Star.


Knuts erste Schritte 

Wie bitte, Knut soll sterben?

Doch dann das Entsetzen, als die Bildzeitung titelte: "Wird süßer Knut totgespritzt?". Jeder reagierte mit Empörung. Wer kommt denn auf die Idee, den kleinen Knut einzuschläfern? Was ist der Grund für die Tötung? Wie kann man das verhindern? Ein Tierschützer sagte: "Die Handaufzucht ist nicht artgerecht, sondern ein grober Verstoß gegen das Tierschutzgesetz! Eigentlich müsste der Zoo das Bärenbaby töten."

Einen ähnlichen Fall hatte es bereits im letzten Jahr gegeben: Im Leipziger Zoo brachte eine Bärenmutter zwei Babys zur Welt. Aber die Mutter nahm ihre Babys nicht an. Die Verantwortlichen ließen die Babys zunächst im Muttergehege. Eines der Babys starb daraufhin an Unterkühlung, das zweite wurde später vom Zoo-Personal getötet, weil die Aufzucht der Wildtiere von Menschenhand so der Leiter des Zoos damals nicht artgerecht sei.

Die Haltung im Zoo, ist die denn artgerecht?

Die Arktis, eine menschenleere Eiswüste hier lebt der Eisbär in seiner natürlichen Umgebung.

Eisbären leben in der Arktis. Diese erstreckt sich über eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Europa. Menschen leben dort nur wenige. Im Zoo aber, hinter Gittern oder hohen Schutzwällen, drängen sich dort die Eisbären nicht auf wenige Quadratmeter? Kann man da von artgerechter Haltung sprechen?


Was sagen die Forscher? 


Erstens: In der freien Wildbahn muss jedes Revier so groß sein, dass sich seine Bewohner ausreichend ernähren können. Im Zoo aber bringt der Pfleger jeden Tag das Futter. Also kann das Territorium auch viel kleiner sein als in der freien Wildbahn. Ein Löwe streift zum Beispiel nur durch die Savanne, wenn er Hunger hat. Ein satter Löwe hat keinen Grund sich zu bewegen. Er kommt deshalb mit viel weniger Platz aus als in der Wildnis.

Zweitens: Tiere vermissen nur das, was sie auch kennen. Die meisten Tiere sind in Zoos groß geworden, sie würden sich in der Wildnis nicht mehr zurechtfinden.

Drittens: Zootiere fühlen sich nicht als Gefangene, sondern als Grundbesitzer. Denn einige Tiere hätten durchaus die Möglichkeit, ihr Gehege zu verlassen wenn sie es denn versuchen würden. Die Absperrungen sollen die Menschen von den Tieren fernhalten und nicht die Tiere von den Menschen.

Aber Löwe ist doch nicht gleich Eisbär?!

Das ist wahr, denn ein Eisbär hat einen viel größeren Bewegungsdrang als ein Löwe. Eisbären sind in der freien Natur dauernd auf Erkundung und Nahrungssuche. Im Gegensatz zum Eisbär ist der Löwe mit bis zu 20 Stunden Schlaf pro Tag ein richtiger Faulenzer. Deshalb brauchen Eisbären für eine artgerechte Haltung viel Platz mindestens 1000 m2.


Was wird aus Knut? 


Bald wird Knut nicht mehr so niedlich sein, sondern ein ausgewachsenes Raubtier.

Knut wird nicht sterben. Im Gegenteil: Die Zooleitung tut alles, damit es Knut gut geht. Sie sorgt dafür mit einer möglichst artgerechten Haltung. Und die Aufzucht von Menschenhand ist bei Eisbären kein so großes Problem wie bei anderen Tieren, denn Eisbären sind Einzelgänger. In wenigen Monaten wird Knut kein Kuschelbär mehr sein, spätestens "wenn Knut in die Geschlechtsreife kommt, kriegt der Pfleger eins hinter die Mütze", sagt Rüdiger Schmiedel, Geschäftsführer der Stiftung für Bären.

Neues von Knut findet ihr auf den Seiten des Berliner Zoos. Da findet ihr auch ein Fototagebuch und Videos des Pflege"kindes".

Wen die Neugierde gepackt hat, der sollte zu unserem Band  WAS IST WAS 115 Bären greifen. Da findet ihr die Antworten auf viele Fragen, zum Beispiel: Wie gut sieht und riecht ein Bär? Mögen Bären Honig? Wie arbeiten Bärenforscher? Wo gibt es in Europa heute noch Bären?
Weitere spannende Infos erhaltet ihr in WAS IST WAS 36 Polargebiete und WAS ist WAS 110 Tiere im Zoo.

Text: Ronny Waburek - 27.03.2007 // Fotos: Arktis: PD; ausgewachsener Bär: GFDL; Knut: Zoologischer Garten Berlin AG

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