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Irland: Eine Insel kämpft für ihre Unabhängigkeit

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Irland: Eine Insel kämpft für ihre Unabhängigkeit

Der 18. April 1949 ist für Irland ein historisches Datum. Damals wurde die Insel - bis auf wenige Teile der Nordprovinz Ulster - in die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich England entlassen. Zwar ist der Nordirland-Konflikt bis heute nicht vollständig zur Ruhe gekommen, der Friedensprozess befindet sich aber seit 1998 auf dem besten Weg.

Um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Iren zu begreifen, ist ein Blick auf die Geschichte des Landes notwendig. Um 500 v. Chr. von den Kelten besiedelt, wurde Irland ab 432 n. Chr. unter der Führung des heiligen St. Patrick christianisiert. Er brachte den katholischen Glauben ins Land bis heute tief verwurzelt und verbindendes Element aller Iren.

Von England unterworfen

Die enge Bindung, die Irland an England knüpft, nahm 1172 mit der Unterwerfung der irischen Fürsten durch Heinrich II. ihren Lauf. Bald wurden die Iren im eigenen Land unterdrückt und durften sich nicht mit den Engländern mischen. Religiöse Streitigkeiten kamen 1534 dazu. Heinrich VIII. hatte sich von Rom losgesagt und mit der anglikanischen Staatskirche eine eigene, dem Protestantismus nahe stehende Religion etabliert. Von nun an wurden die Iren wegen ihrer katholischen Konfession diskriminiert.

Mehrere Aufstände endeten erfolglos und führten ab 1607 zur Neubesiedlung verlassenen Landes in Ulster mit protestantischen Siedlern aus England. Der Ursprung der bis heute andauernden Spannungen in Nordirland. Die Unterdrückung hielt über Jahrhunderte unter der Herrschaft des Vereinigten Königreichs an, wobei Irland 1800 offiziell annektiert wurde.

Autonomiebestrebungen

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts regte sich erneut der Widerstand gegen die englische Besatzungsmacht. Jegliche Autonomiebestrebungen wurden jedoch von den Briten unterdrückt, Demonstrationen niedergeschlagen. Traurige Berühmtheit erlangte der Osteraufstand von 1916, nach dessen Scheitern die Anführer hingerichtet wurden.

Die IRA formiert sich

1918 erklärte das neu gegründete irische Parlament (= Dáil) die Unabhängigkeit seines Landes. Ohne Erfolg. Aus dem Widerstand gegen die Engländer wurde die Irish Republican Army (= IRA) gegründet. Sie sollte die Welt vor allem in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Anschlägen und Terror in Angst und Schrecken versetzte.

Geteiltes Land

Zu ersten Annäherungsversuchen kam es 1922. Der Vorschlag der Briten: Irland solle in den Freistaat Irland und Nordirland geteilt werden. Dieser Vertrag war jedoch umstritten und es kann zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Entscheidung immer wieder vertagt, ein Großteil Irlands aber letztendlich 1949 in die Unabhängigkeit entlassen.

Die Nordiren mussten in einem Referendum darüber abstimmen, ob sie künftig zur Republik Irland oder zu Großbritannien gehören wollen. Wie erwartet stimmte die protestantische Mehrheit der nordirischen Bevölkerung für England und sorgte dafür, dass sich die bestehende Kluft zwischen beiden Landesteilen noch weiter vergrößerte.

Radikaler Widerstand

Während die Iren ihre Unabhängigkeit begrüßten und zunächst euphorisch feierten, wuchs der Unmut in Nordirland, wo die katholische Minderheit systematisch benachteiligt wurde. Ab 1966 demonstrierten die Katholiken zunächst friedlich gegen diese Ungerechtigkeit. Als 1968 eine Demonstration blutig niedergeschlagen wurde, griff man zu radikaleren Mitteln. Die IRA, bereits in den 20er Jahren als Schutzorganisation militanter Katholiken gegen Übergriffe von Protestanten gegründet, formierte sich neu.

"Bloody Sunday"

1969 versuchte London die gewalttätigen Ausschreitungen einzudämmen und schickte 5.000 Soldaten nach Nordirland. Doch die Auseinandersetzungen eskalierten immer mehr. Einen weiteren traurigen Höhepunkt erreicht der Konflikt am 30. Januar 1972, der später als Blutiger Sonntag (Bloody Sunday) in die Geschichte eingehen sollte. 14 Menschen kamen ums Leben, als britische Polizisten aus ungeklärten Gründen das Feuer auf die Teilnehmer eines Bürgermarsches in der Stadt Derry eröffneten (siehe auch Linkartikel).

Der Friedensprozess kommt in Gang

Nach zahlreichen Anschlägen der IRA in den 80er Jahren unternahmen der britische Premierminister John Major und der irische Premierminister Albert Reynolds 1993 einen erneuten Anlauf zur Beseitigung des Konflikts. Zum ersten Mal kam es zu offiziellen Gesprächen zwischen der britischen Regierung und Sinn Féin, dem politischen Arm der IRA. Noch entschlossener trieb die neue Regierung unter Premierminister Tony Blair den Friedensprozess voran. Nach intensiven Gesprächen und einem 36stündigen Verhandlungsmarathon, an dem sich auch US-Präsident Bill Clinton beteiligte, wurde am 10. April 1998 das so genannte Karfreitagsabkommen geschlossen.

Das Karfreitagsabkommen

Die Vereinbarung schuf zahlreiche Institutionen, darunter eine nordirische Versammlung und ein Kabinett mit zwölf Ministern. Weitere Ergebnisse des Abkommens: Nordirland bleibt Teil des Vereinigten Königreichs, bis sich die Bevölkerung für eine Vereinigung mit Irland entscheidet. Die Republik Irland streicht ihren Anspruch auf Nordirland aus der Verfassung.

Mehr als 3.200 Opfer

Am 22. Mai desselben Jahres wurde ein Referendum in Nordirland sowie der Republik Irland durchgeführt - die Voraussetzung dafür, dass das Abkommens in Kraft tritt. Das Ergebnis fiel überraschend positiv aus. 85 Prozent der gesamten irischen Bevölkerung unterstützten das Referendum und stärkten damit die Hoffnung, dass der Frieden tatsächlich in greifbare Nähe gerückt ist. Die traurige Bilanz: Bis heute sind mehr als 3.200 Menschen dem Nordirlandkonflikt zum Opfer gefallen.

Nic 15.04.2004

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