Archiv

In unserem Archiv findest du die beliebtesten Texte und Kinderfragen aus 15 Jahren wasistwas.de. Klick rein in deine Lieblingsthemen!

Heinz Sielmann Ein Leben für die Natur

Berühmte Personen

Heinz Sielmann Ein Leben für die Natur

WAS IST WAS-Autor Heinz Sielmann ist am 6. Oktober 2006 im Alter von 89 Jahren in München verstorben. Deutschlands bekanntester Tierfilmer war ein Leben lang in der Natur tätig. Seine Expeditionen führten ihn in die entlegensten Regionen der Erde: zu den Berggorillas im Kongo, in die Gebirgswälder von Papua Neuguinea und ins Tierreich der Antarktis.

Heinz Sielmann wurde am 2. Juni 1917 in Rheydt bei Mönchengladbach geboren. Hier arbeitete sein Vater Paul als Chemiker in einem Kabelwerk.1924 zog die Familie in die Heimat des Vaters nach Königsberg in Ostpreußen, dem heutigen Kaliningrad. Schon als Schüler begeisterte sich Sielmann für Tierbeobachtungen. Zusammen mit seinem Vater erkundete er die artenreichen Landschaften der neuen Heimat. Vor allem die Wiesenvögel faszinierten ihn. Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe, Bekassine und die Kampfläufer wurden intensiv beobachtet und ihr Verhalten studiert. Diese Erlebnisse prägten seinen späteren Lebensweg.

Die bunte Welt der Vögel

Sielmanns Liebe zur Natur beeinträchtigte allerdings seine schulischen Leistungen. Während der Vater die Leidenschaft des Sohnes mit skeptischer Sorge verfolgte, unterstützte die Mutter ihren Sohn. Ohne Wissen des Vaters kaufte sie ihm einen Feldstecher und eine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv. So gerüstet dokumentierte er das Leben der Schnepfenvögel mit Bildern, die vorher nie in dieser Form gemacht worden waren.
Auch die Lehrer von Heinz Sielmann teilten die Einstellung des Vaters nicht. Sie befürworteten das ungewöhnliche Hobby ihres Schülers und gewährten ihm sogar verlängerte Herbstferien, die er auf der Vogelwarte Rossitten auf der Kurischen Nehrung verbringen durfte.

Student und Tierfilmer

Nach bestandenem Abitur schenkten ihm die Eltern 1938 seine erste Filmkamera. Sielmann setzte damit seine bisherige Arbeit fort. Die langjährige Beobachtungen von Schnepfenvögeln hielt der 21jährige in seinem ersten Film "Vögel über Haff und Wiesen" fest. Der Stummfilm brachte ihm große Anerkennung in der Fachwelt und beim Publikum.
Heinz Sielmann begann Biologie zu studieren, doch schon 1939 wurde er zum Wehrdienst einberufen. Er studierte trotzdem weiter: Filmarbeiten über die Tierwelt Kretas bewahrten ihn 1943 vor dem Fronteinsatz.

Erste Erfolge

Nach dem 2. Weltkrieg kam Heinz Sielmann nach London. Er hatte den Auftrag, umfangreiches Filmmaterial zu bearbeiten. 1947 ging er als Regisseur und Kameramann von biologischen Unterrichtsfilmen nach Hamburg. 1949 drehte er seinen ersten Kinofilm Lied der Wildbahn.
1951 heiratete er Inge Witt und zog mit ihr von Hamburg nach München. In den 50er Jahren entstanden in Zusammenarbeit mit den Verhaltensforschern Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt Unterrichtsfilme u. a. über das Eichhörnchen, den Iltis, den Frosch oder den Goldhamster. Diese Filme wurden damals an vielen Schulen des In- und Auslandes gezeigt und waren bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt. Seine Arbeit über Spechte unter dem Titel Zimmerleute des Waldes erhielt sogar den Bundesfilmpreis.

Mit "Woodpecker", der englischen Fassung dieses Filmes, übertraf Heinz Sielmann 1954 in einer Sendung der BBC sogar die Einschaltquoten der Fußballweltmeisterschaft in Bern.

Herrscher des Urwalds

1958 entstand im Auftrag des belgischen Königs Leopold im Kongo der erste Kino-Film über das Leben der Berggorillas. 18 Monate dauerten die Dreharbeiten in Afrika. Die Gorillas galten damals noch als furchterregende Bestien. Für den Film bauten Sielmann und seine Mitarbeiter zwei riesige Krale und fingen eine ganze Gorilla-Familie. Der Breitwandfilm zeigte in einmaligen Aufnahmen die unbeschwerten Spiele der jungen Gorillas, das einschüchternde Imponiergehabe der Männchen und das Sozialverhalten der Gruppe. "Herrscher des Urwalds" wurde in 27 Sprachen synchronisiert und bei den Filmfestspielen in Moskau mit einem Preis ausgezeichnet.

Von Kontinent zu Kontinent

Der Erfolg ermutigte Sielmann, selbst eine Produktionsfirma zu gründen und die eingeschlagene Richtung auszubauen. 1960 drehte er neun Monate lang auf der so genannten "Arche Noah" des Pazifik, den Galapagos-Inseln. Auch der Kinofilm "Galapagos", wurde ein voller Erfolg.
Für den Film "Lockende Wildnis" reiste Sielmann 19 Monate lang durch die Wildbahnen Nordamerikas. Von den Alligatorensümpfen der Everglades bis zu den Brutplätzen arktischer Wasservögel. Zwanzig Monate lang zog ihn die großartige Tierwelt Australiens in ihren Bann.
1963 erfolgte eine Expedition in den Dschungel Papua-Neuguineas, um erste Filmaufnahmen der bis dahin noch nicht gezeigten Paradiesvögel und der scheuen Laubenvögel aufzunehmen. Der Film wurde 1965 unter dem Titel In die Bergdschungel Neuguineas veröffentlicht.

Expeditionen ins Tierreich

Prof. Heinz Sielmann zeigte als Erster Tierdokumentationen im Fernsehen. Durch seine Expeditionen hatte er sich ein wertvolles Archiv aufbauen können, das zu einer unerschöpflichen Quelle für Fernsehberichte wurde.

Bis zum Jahr 2000 wurden mehr als 250 verschiedene Sendungen ausgestrahlt, darunter allein 170 Folgen der ARD-Dokumentarfilmreihe Expeditionen ins Tierreich, die in den 70er Jahren zu einer festen Institution im deutschen Fernsehen wurde. Daneben drehte er etwa 30 Unterrichtsfilme für Allgemeinbildende Schulen und an die 100 Dokumentationen für die Internationale Zoologische Film-Enzyklopädie des Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF), Göttingen.

Engagierter Naturschützer

Ab 1982 drehte Sielmann Filme über die letzten Tierparadiese in Deutschland. Dabei ging es um die Problematik der Zerstörung unserer natürlichen Umwelt. Seit 1988, als er den Film Tiere im Schatten der Grenze drehte, engagierte sich Sielmann dafür, den ehemaligen Todesstreifen der innerdeutschen Grenze zu Thüringen für den Naturschutz zu erhalten.
Höhepunkt der zahllosen Aktivitäten Prof. Sielmanns war die Heinz Sielmann Stiftung, die er 1994 gemeinsam mit seiner Frau Inge gründete. "Naturschutz als positive Lebensphilosophie" ist der Leitsatz der Stiftung.
Die Internetseite der Stiftung findest du hier.

In der WAS IST WAS-Reihe sind von Heinz Sielmann die Bände 72 (Heimtiere) und 73 (Spinnen) erschienen.

Text: RR  9. 10. 2006
Bilder: Tessloff-Verlag

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt