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Fische mit außergewöhnlichen Fähigkeiten

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Fische mit außergewöhnlichen Fähigkeiten

Der Nürnberger Tiergarten beherbergt seit Kurzem zwei neue westafrikanische Süßwasserfische: Einen Tapirfisch (Gnathonemus petersi) und einen Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi). Die beiden Fischarten werden im selben Becken gehalten und vertragen sich gut, weil sie auch in der Natur einen Lebensraum teilen. Und beide haben außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelt um in ihrem Lebensraum zu überl

Tapirfisch nutzt Strom zur Orientierung

Der rund zwölf Zentimeter große Tapirfisch gehört zur Ordnung der Nilhechte. Seinen Namen hat er, weil seine Unterlippe stark vergrößert ist. Dabei hat der "echte" Tapir eigentlich die Oberlippe vergrößert. Der Tapirfisch sucht auf jeden Fall mit seiner vergrößerten Unterlippe im schlammigen Boden nach Nahrung. (siehe Link am Ende des Artikels).

Eine Besonderheit des Tapirfischs ist, dass er Strom zur Orientierung benutzt. Er hat einen Schwanzstiel, in dem vier Muskelstränge eine elektrische Spannung erzeugen. Rund 50 Mal pro Sekunde erzeugt er einen Spannungsimpuls. An Kopf, Bauch und Rücken hat er spezielle Sinneszellen, mit denen er das von ihm erzeugte elektrische Feld spüren kann.

Schwachstrom taugt nicht zur Jagd

Der Tapirfisch nutzt seinen Elektrosinn für verschiedene Zwecke:
Zum einen dient er ihm zur Orientierung. Befindet sich ein Gegenstand in der Nähe des Fisches, dann nimmt der Fisch eine Veränderung des elektrischen Feldes war. Außerdem kann er auch das Magnetfeld der Erde spüren und sich daran orientieren. Darüber hinaus kommuniziert er über sein elektrisches Feld mit Artgenossen und grenzt sein Revier ab.

Zum Jagen taugen die Spannungsimpulse nicht, weil Spannung und Stromstärke viel zu gering sind (~500 mV 1 V). Anders als zum Beispiel beim Zitteraal, der ebenfalls als "elektrischer Fisch" bezeichnet werden kann. Zitteraale können Stromstöße von bis zu 800 Volt abgeben und damit ihre Beute auch töten.

Tapirfisch kontrolliert Trinkwasser

Bei all dem ist der Tapirfisch sehr feinfühlig und nimmt Veränderungen des elektrischen Feldes wahr, die so gering sind, dass moderne Instrumente Probleme haben, sie zu messen. Er reagiert auch sehr sensibel, wenn sich die Wasserqualität ändert. Deshalb wird er zur Kontrolle des Trinkwassers eingesetzt. In einigen Wasserwerken wird das Trinkwasser durch Becken mit Tapirfischen geleitet. Gibt es eine Verschmutzung, dann ändert sich die Anzahl der Spannungsimpulse pro Sekunde. Das kann man messen und man weiß dann, dass sich am Wasser etwas verschlechtert hat.

Nilhechte, zu denen der Tapirfisch zählt, sind für Wissenschaftler auch deshalb interessant, weil ihr Gehirn im Vergleich zum Körpergewicht größer ist, als das des Menschen. Das heißt aber nicht, dass sie schlauer sind als wir, denn dazu gehören noch andere Faktoren, etwa wie dicht die Gehirnzellen gepackt sind. Aber die Nilhechte zeigen Verhalten, das man nicht unbedingt bei Fischen erwartet: Sie spielen gerne und sie sind auch lernwillig.

Schmetterlingsfisch schaut gern über Beckenrand

Beckennachbar des Tapirfischs ist der Schmetterlingsfisch. Sein Name ist Programm. Er hat extrem vergrößerte Brustflossen, mit denen er bis zu zwei Meter lange Gleitflüge machen kann. Manchmal erbeutet er so auch seine Nahrung, Insekten, direkt aus der Luft. Oft wartet der Schmetterlingsfisch aber auch einfach, bis sich Insekten auf dem Wasser befinden und schnappt dann zu.

Sein ganzes Leben spielt sich an der Grenze von Luft und Wasser ab. Anders als die Eier der meisten anderen Fischarten ist der Laich leichter als Wasser und schwimmt an der Oberfläche. Der Schmetterlingsfisch ist aber kein eigentlicher Fliegender Fisch. Die echten leben im Meer und können während eines Gleitfluges mit einem Satz bis zu 50 Meter weit kommen.

Wer sich diesen Süßwasserfisch zu Hause halten möchte, darf kein offenes Aquarium benutzen. Sonst ist der Fisch schnell auf und davon - wenn auch nicht sehr weit.

Wenn euch Fische interessieren und ihr euch über Aquarien informieren möchtet - im WAS IST WAS Band 41 "Fische" werdet ihr fündig!

Links:
Mehr über Schabrackentapire bei wasistwas.de

Echter fliegender Fisch.

Text: -jj- 3.11.2005 / Bilder mit freundlicher Genehmigung des Tiergartens Nürnberg

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt