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Die Frage der Woche: Atmen Bäume im Winter ohne Blätter nicht?

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Die Frage der Woche: Atmen Bäume im Winter ohne Blätter nicht?

Jeden Samstag beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Katja S.: "Atmen Bäume im Winter ohne Blätter nicht?" Hier erfahrt ihr die Antwort ...

Wenn sie nicht von Schnee bedeckt sind, sehen Bäume im Winter bizarr und tot aus: Dunkle Stämme mit kahlen Äste ragen in den grauen Himmel, die vormals grünen Blätter liegen braun und matschig über dem Gras rund um den Baum.

Unter Straßenbäumen ist das Laub ganz verschwunden, weil die Straßenreinigung es weg geräumt hat.

Dabei gehört das Abwerfen des Laubs in unseren Breiten zum natürlichen Zyklus der Jahreszeiten. Die Blätter fallen im Herbst nicht ab, weil sie etwa alt geworden wären, sondern weil der Baum sich dadurch vor der kommenden Frostperiode schützt.

Sind die Blätter erst weg, treten die Bäume in eine Starre ein, die durchaus mit dem Winterschlaf mancher Tiere verglichen werden kann.
 

Wozu braucht der Baum die Blätter?


Im Sommerhalbjahr versorgen die Blätter ihren Baum mit der Hilfe von Sonnenlicht  mit Nährstoffen. Der Baum lebt aber nicht vom Licht allein, sondern benötigt auch Luft zum Atmen.

Wenn du ein Mikroskop hast, dann nimm ein Blatt und betrachte es damit. Du wirst winzige Löcher erkennen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Diese Spaltöffnungen werden Stomata genannt. Das kommt vom griechischen Wort "Stoma" und das heißt Mund.

Mit diesen kleinen Mündern atmet der Baum nicht nur, er "schwitzt" auch. Das bedeutet, dass er einen Teil des Wassers, das aus dem Boden von den Wurzeln aufgenommen wurde und das über den Stamm zu den Blättern gelangt, als Wasserdampf wieder an die Luft abgibt.

Was ist Photosynthese?

Über die Wurzeln gelangen außerdem noch Mineralien auf dem gleichen Weg nach oben. Das Licht der Sonne wandelt Wasser und Mineralien chemisch in Nährstoffe für den Baum um.

Blätter besitzen einen einmaligen Stoff - das Chlorophyll. Es ist nicht nur der Grund für die grüne Farbe, sondern verwandelt mit Hilfe von Licht das Kohlendioxid in Zucker. Bei dieser Prozedur wird Sauerstoff frei.
Hierbei erzeugen die Blätter mehr Sauerstoff, als sie verbrauchen. Eine große etwa einhundert Jahre alte Buche produziert in einer Stunde etwa soviel Sauerstoff, wie 50 Menschen zum Atmen benötigen.

Lebensgefahr durch Frost

Weil die Sonne im Winter nur wenig scheint können die Blätter ihre wichtige Aufgabe nicht mehr erfüllen. Würde der Baum so funktionieren wie in den wärmeren sonnigen Monaten, müsste er im Winter "verhungern".

Das oben erwähnte "schwitzen" wäre im Winter lebensgefährlich für den Baum, denn Wasser gefriert bei eisigen Temperaturen zu kleinen spitzen Eiskristallen. Das Eis würde über winzige Kanäle in die Äste eindringen und sie regelrecht aufsprengen.

Aus diesem Grund hat die Natur den Baum mit einem Schutzmechanismus versehen: Wenn die Tage wieder kürzer werden, die Blätter also weniger Licht bekommen, verkorkt der Baum die Löcher an den Blattstielen, durch die das Wasser gepumpt wurde. Der harte Kork ist wasserdicht. Das von der Lebensader des Baumes abgeschnittene Blatt trocknet nach und nach aus und fällt ab.

Auch Bäume "schlafen" im Winter

Der Baum kommt dadurch nicht zu Schaden, denn inzwischen wurden genügend Nährstoffe angesammelt, um über den Winter zu kommen. Sind die Blätter weg, fällt er in eine Art Winterschlaf.

Das Abwerfen der Blätter hat noch einen zweiten Grund: Wenn Schnee fällt, würde das Blattwerk der weißen Pracht eine größere Ablagefläche bieten. Durch diese höhere Schneelast könnten die Äste abbrechen und der Baum würde schwer beschädigt werden.

Das abgeworfene Laub ist von der Natur auch als wärmende "Decke" für die Wurzeln der Bäume vorgesehen. Es schützt zusätzlich vor Frost, und wenn Schnee gefallen ist, dann hilft die weiße Pracht zusätzlich gegen die Kälte.

Im Garten sollte das Laub unter den Bäumen deshalb erst im Frühjahr entfernt werden. Das gilt natürlich nicht für Blätter, die auf Straßen und Wege gefallen sind. Wegen der Rutschgefahr sollten diese so schnell wie möglich beseitigt werden.

Übrigens: Chlorophyll gleicht dem sauerstofftransportierenden Hämoglobin im menschlichen Blut bis auf ein Atom: Im Hämoglobin bindet Eisen den Sauerstoff und verleiht dem Blut die rote Farbe. Im lichtsammelnden Chlorophyll steckt stattdessen ein Magnesiumatom.

Text: RR, Stand: 7. 10. 2011, Fotos: Photodisc

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