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Der Bär ist los - Rückkehr von Meister Petz

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Der Bär ist los - Rückkehr von Meister Petz

Seit Montag sorgt ein junger Braunbär in Bayern für gehörigen Wirbel. Es ist der erste wild lebende Vertreter seiner Art, der den Freistaat seit 170 Jahren wieder betreten hat. Weil er Schafe und Geflügel gewildert hat und damit auch eine mögliche Gefahr für den Menschen bedeutet, wurde er jetzt offiziell von der bayerischen Regierung zum Abschuss freigegeben. Das bringt Tierschützer auf die Palme.



Das zwei bis drei Jahre alte, etwa 50 Kilogramm schwere Jungtier stammt offenbar aus dem italienischen Trentino, wo seit einigen Jahren ein Bären-Ansiedlungsprogramm läuft. Dass Meister Petz auf dem Weg nach Deutschland ist, konnte schon vor zwei Woche beobachtet werden. Da wurde der Bär auf seiner Zwischenstation im Tiroler Lechtal gesichtet. Schon dort hat er innerhalb einer Woche drei Schafe gerissen.

Bär ist kein ausgesprochener Fleischfresser

Angekommen in Oberbayern setzte der zottelige Einwanderer noch eins drauf. Offenbar hat der Bär auf seiner langen Reise eines gelernt: Nutztiere, die in der Nähe des Menschen leben und praktischerweise auch noch eingezäunt sind, lassen sich leichter erlegen als wild lebende Rehe oder Hasen. Es ist allerdings falsch zu glauben, dass Bären generell nur Fleisch fressen. Im Gegenteil: Die Allesfresser bevorzugen neben Insekten pflanzliche Kost wie Kräuter, Nüsse, Beeren, Eicheln, Gras und Wurzeln. Begnadete Jäger wie Wolf oder Fuchs sind sie nicht.


Jung und unerfahren

Dass frei lebende Bären auch mal Schafe erlegen, kommt vor. Auch in Österreich ist das schon passiert. Allerdings nicht in dieser Größenordnung. Offenbar ist unser Bär noch jung und unerfahren. Bärenexperten hatten deshalb vorgeschlagen, dem Tier eine Lektion zu erteilen und es mit Knallkörpern und Gummigeschossen zu vertreiben. Damit wollte man ihm klarmachen, dass er auf Weiden und Bauernhöfen nichts zu suchen hat.

Abschuss übertrieben?

Doch diese Abschreckungsmanöver kommen offenbar zu spät. Der Bär hat sich schon zu weit in menschliche Siedlungen vorgewagt und ist sogar in einen verschlossenen Hühnerstall eingedrungen. Ihn umzuerziehen, so glauben viele, sei kaum noch möglich. Doch muss dass Wildtier des Jahres 2005 deshalb gleich zum Abschuss freigegeben werden? Hier sind sich auch Experten nicht ganz einig. Viele haben der bayerischen Regierung zum Abschuss geraten, andere halten die Reaktionen für völlig überzogen. 


Tierschützer wollen den Bären retten
 
Wenn es nach den meisten Tierschützern geht, sollte man den Bär überhaupt nur lebend fangen und mit einem Peilsender versehen. So könnte man seine Route besser verfolgen und im Falle von drohender Gefahr immer noch Warnungen herausgeben und Schutzmaßnahmen für Nutztiere in Angriff nehmen. Das dürfte allerdings nicht ganz einfach werden. Auch die Frage, wo der Bär ausgewildert werden sollte, ist nicht geklärt.
 
Lebensbedingungen nicht ideal
 
Zugegeben: Deutschland ist für den Bären kein ideales Einwanderungsland. Denn Bären sind Wanderer und lieben ausgedehnte Waldgebiete, in die sie sich ungestört zurückziehen können. Gerade Bayern ist viel zu dicht besiedelt und selbst die Nationalparks sind kleiner als der natürliche Lebensraum eines Braunbären. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Es sei denn, die Menschen würden mit gezielten Bären-Management-Plänen auf die Neuansiedelung von Meister Petz vorbereitet.


Slowenien - ein Bärenparadies

Unsere Nachbarländer haben in dieser Hinsicht schon die Nase vorn. Dank gezielter Auswilderung des WWF haben sich in Österreich bereits 25 Braunbären niedergelassen, das Trentino in Italien bietet 14 Tieren einen neuen Lebensraum. Und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie über die Grenze in den Kanton Graubünden in der Schweiz vordringen. Ein wahres Paradies für Braunbären ist mittlerweile das Alpenland Slowenien. Hier hat sich mit rund 450 Tieren schon eine stabile Population gebildet.
 
Schicksal ungewiss 

Ob der Bär seinen Ausflug nach Bayern mit dem Tod bezahlen muss, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Er scheint die Gefahr gewittert zu haben und ist vorläufig untergetaucht. Da Bären nachtaktiv sind,  wird es schwierig ihn überhaupt aufzuspüren. Tagsüber verbirgt er sich irgendwo im Dickicht und im Schutz der Dunkelheit kann er pro Nacht 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Vielleicht zurück über die Grenze?

Nic 23.05.2006 / Fotos: Pressebilder WWF

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