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Das Jahr der Naturfasern 2009

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Das Jahr der Naturfasern 2009

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Naturfasern erklärt. Vor der Erfindung der Kunstfasern gab es nur Kleidung aus natürlichen Materialien wie Wolle, Baumwolle, Seide, Flachs, Jute oder Sisal. Vor allem in ärmeren Ländern arbeiten Millionen Menschen in der Naturfaserindustrie. Die UNO will die Effektivität und die Nachhaltigkeit dieser Landwirtschaftzweige stärken und weiterentwickeln.

Jedes Jahr setzen sich ein paar kluge Menschen hin und überlegen, unter welches Motto man die kommenden Jahre stellen soll. Besonders kreativ sind dabei die Vereinten Nationen. Sie erfinden gleich mehrere Mottos pro Jahr: Begonnen hat es 1957, als die UN das Internationale geophysikalische Jahr ausgerufen hat. In den folgenden Jahrzehnten feierte man das Jahr der Menschenrechte, des Kindes, der Berge - oder auch der Kartoffel (2008). Bereits am 20. Dezember 2006 hatte die UN Generalversammlung das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Naturfasern erklärt. Offizieller Beginn ist der 22. Januar in Rom, am Sitz der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations).

Wozu ein "Jahr der Naturfasern"?

Millionen von Menschen rund um den Globus sind für ihren Lebensunterhalt abhängig von der Produktion und Weiterverarbeitung von Naturfasern, doch seit den 1960er Jahren werden sie zunehmend von billigeren Kunstfasern verdrängt. Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) erklärt, dass das Internationale Jahr der Naturfasern bei Verbrauchern Bewusstsein bilden und die Nachfrage nach Produkten aus Naturfasern steigern will. Dies soll zur Verbesserung des Lebensunterhalts von Bauern führen, die diese Fasern produzieren und gleichzeitig die Umwelt aufwerten.

Was sind Naturfasern?

Es gibt eine breite Palette an Naturfasern - Baumwolle, Wolle, Jute, Flachs, Seide, Sisal, Kokosfasern und viele andere. Sie müssen natürlich hergestellt worden sein und dürfen nicht chemisch verändert werden. Offiziell werden sie definiert als "nachwachsende Fasern von Pflanzen oder Tieren, die leicht in textile Stoffe überführt werden können". Bei Tieren ist das meistens das Fell, wie bei Schafen, Ziegen oder Kaninchen. Allerdings gehört zu den tierischen Naturfasern auch der Kokon der Seidenraupe. Pflanzliche Fasern werden aus den Stämmen, Stängeln, Blättern oder auch dem Saatgut von Bäumen, Blumen, Gräsern oder Sträuchern gewonnen. Rund 30 Millionen Tonnen an Naturfasern werden jedes Jahr auf der Welt produziert. Der Hauptanteil entfällt dabei mit 20 Millionen Tonnen auf die Baumwolle. Den zweiten Platz teilen sich Wolle und Jute mit jeweils zwischen zwei und drei Millionen Tonnen.

Wozu werden Naturfasern verarbeitet?

In erster Linie werden natürliche Fasern zur Herstellung von Kleidungsstücken verwendet, aber auch für Einrichtungsgegenstände wie Teppiche oder Polstermöbel. Die Papierindustrie verwendet ebenso Naturfasern wie die Hersteller von Verpackungsmaterialien. Sogar in der Autoindustrie finden Naturfasern Verwendung - nicht nur bei den Polstern, sondern auch als Verbundwerkstoff (Naturfaserverstärkte Kunststoffe).

Warum sind Naturfasern so wichtig?

Wegen ihrer Bedeutung für den Verbraucher und die verschiedenen Industriezweige, sind Naturfasern eine wichtige Einkommensquelle für die Landwirte, die die Tiere züchten oder die Pflanzen anbauen, die zur Gewinnung des Rohstoffs Naturfaser benötigt werden. In einigen Entwicklungsländern sind Naturfasern ein wichtiges Rückgrat der Volkswirtschaft - so beispielsweise Baumwolle in den westafrikanischen Ländern, Jute in Bangladesch und Sisal in Tansania. In anderen Ländern sind sie immerhin noch von lokaler Bedeutung und sichern wichtige Arbeitsplätze, wie Sisal in Nordost-Brasilien und Jute in West-Bengalen (Indien).

Text: RR, 19. 1. 2009, Fotos: David Nance, USDA (Baumwolle); Ken Hammond, USDA (Schafwolle); Achim Raschka, GNU/FDL (Sisal)

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