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Das Alpine Steinschaf zutraulich und kletterfreudig

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Das Alpine Steinschaf zutraulich und kletterfreudig

Jedes Jahr wird neben verschiedenen Wildtierarten wie Vögeln, Fischen, Reptilien, Insekten etc. auch eine Nutztierrasse vorgestellt, die vom Aussterben bedroht ist. Warum es sich lohnt, auch diese Tiere zu schützen und was die Besonderheiten des Alpinen Steinschafes sind, erfahrt ihr hier, es wurde nämlich zur bedrohten Nutztierrasse des Jahres 2009 ausgerufen.

Warum muss man Nutztiere vor dem Aussterben schützen?

Foto: Alpines Steinschaf-Lamm

 Dass Wildtiere wie der Gorilla oder der Eisvogel geschützt werden sollten ist sicher jedem klar. Sie gehören zum natürlichen Gleichgewicht und ihr Aussterben wäre katastrophal, weil damit ein Stück der natürlichen Vielfalt unseres Planeten für immer verloren wäre. Aber wie ist es mit Nutztieren, also Rindern, Schweinen, Schafen und Geflügel, das auf Bauernhöfen gehalten wird? Was gibt es da zu schützen?

Es ist so: Viele Jahrhunderte lang züchteten unsere Vorfahren die unterschiedlichsten Nutztierrassen, die hervorragend an die Bedingungen ihrer Umgebung raues Klima etwa oder feuchte Wiesen - angepasst waren. Erst seit der Modernisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde fast nur noch auf Hochleistungsrassen gesetzt, die besonders viel Gewinn bringen. Alte Rassen verschwanden dadurch, sie wurden scheinbar nicht mehr benötigt und entweder mit den neuen Rassen gekreuzt oder nicht mehr weiter gezüchtet.

Hauptsache Gewinn?

Die alten Rassen brachten zwar nicht so hohe Mengen an Fleisch, Milch, Eiern oder Wolle, aber sie waren robuster, genügsamer und widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Je weniger Rassen gezüchtet werden, umso gefährdeter sind die Bestände gegen Seuchen und umso mehr Medikamente müssen eingesetzt werden.

Außerdem ist es auch abseits aller praktischen Gründe einfach schade, Tierrassen, mit denen unsere Vorfahren zusammen lebten, aussterben zu lassen. Wir sammeln und bewahren Kunst und Kleidung, Möbel und Gebäude früherer Jahrhunderte um die Erinnerung an damals zu erhalten, sollten wir es nicht mit den Nutztierrassen genauso machen? Nebenbei wird dadurch ein wichtiges Stück natürliche Vielfalt aufrecht erhalten, genau wie beim Schutz von Wildtieren.

Leider ist es für viele Nutztierrassen bereits zu spät, denn das Umdenken hat erst spät begonnen, als viele von ihnen bereits verloren waren. Deshalb wird jetzt jedes Jahr eine besonders gefährdete Nutztierrasse vorgestellt, um möglichst viele Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Das Alpine Steinschaf


Jetzt wollen wir euch das Alpine Steinschaf vorstellen, das 2009 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, da es die am stärksten gefährdete deutsche Schafsrasse ist, es gibt nämlich nur noch 200 Tiere. In Österreich sind es nochmal rund 250 Tiere. Insgesamt leben sie auf 40-50 Höfen.

Doch es gibt Anlass zur Hoffnung. Im Jahr 2000 existierten in Deutschland nämlich gerade mal 25 Exemplare dieser Gattung, doch da sich seither einige Züchter fanden, die sich an der Vergrößerung des Bestandes beteiligen, konnte die Situation schon verbessert werden.

Ein hochalpiner Kletterer

Was ist nun das Besondere am Alpinen Steinschaf? Wie sein Name schon sagt, ist es ursprünglich in den Alpen, genauer gesagt in den Ostalpen zu Hause. In Deutschland gehören dazu das Berchtesgadener Land und die Gegend um Traunstein und Rosenheim. Es ist angepasst an die raue Umgebung im Hochgebirge und kann selbst in Höhenlagen leben, in denen es Rinder nicht mehr aushalten. Durch seine dünnen kräftigen Beine mit harten Hufen ist es auch auf unebenem Untergrund trittsicher. Auch schlechtes Wetter hält es aus und ist generell sehr robust. Zweimal im Jahr bekommen die Mutterschafe Lämmer, die sie sehr gut umsorgen und ihnen viel Milch geben.

Und so sieht es aus

Foto: Gruppe von alpinen Steinschafen

Das Alpine Steinschaf hat einen drahtig, ja fast zierlichen Körperbau, wobei die Böcke die Mutterschafe überragen und rund 15 Kilogramm mehr auf die Waage bringen. Beide Geschlechter können Hörner tragen, wobei die weiblichen Schafe oft nur Hornansätze zeigen. Wenn man eine Gruppe von Steinschafen sieht, fällt einem sofort auf, wie unterschiedlich die Tiere gefärbt sind ihre lange Wolle kann weiß, schwarz, braun oder gemustert sein, eine bunte Truppe sozusagen.

Die Verwandten des Alpinen Steinschafes

Neben dem Alpinen gibt es noch drei weitere Steinschafrassen, die Krainer, Montafoner und Tiroler Steinschafe. Sie sind alle ursprünglich im Alpenraum ansässig und unterscheiden sich Körperbau, Größe und ihren Hörnern.

Mehr Steinschafe

Die Hoffnung der Züchter ist, weitere Mitstreiter zu finden, die sich an der Zucht des Steinschafes beteiligen und so den Bestand zu vergrößern. Um Schafe züchten zu können, muss man nämlich genug Weideland haben, deshalb können einige wenige Züchter nicht immer mehr Tiere versorgen. Schön wäre es auch, wenn es Almen, also Bergwiesen hoch oben im Gebirge gäbe, auf denen ausschließlich Steinschafe wohnen würden. Denn momentan werden viele dieser Tiere nicht im Gebirge gehalten, wo sie eigentlich zu Hause sind.

Links

Wenn ihr noch mehr über die Alpinen Steinschafe und andere gefährdete Nutztierrassen erfahren wollt, dann klickt euch hier mal durch:
Alpines Steinschaf bei NABU.

Kinderseite der VIEH (Vielfältige Initiative zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen)

www.alpines-steinschaf.de

Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen mit Übersicht von Arche Höfen, auf denen diese Tiere leben.

Text: Liane Manseicher, 13.01.09; Fotos: Noe-Kometer, www.alpines-steinschaf.de.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt