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Bernhard Grzimek Ein Leben für die Tiere

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Bernhard Grzimek Ein Leben für die Tiere

Bernhard Grzimeks Ein Platz für Tiere war die erfolgreichste Dokumentarserie des deutschen Fernsehens. Für seinen Film Serengeti darf nicht sterben hat er als erster Deutscher einen Oscar erhalten. Am 13. März 1987 ist der berühmte Tierfilmer gestorben.

Bernhard Grzimek wurde am 24. April 1909 als Sohn des Justizrats und Notars Paul Franz Constantin Grzimek und dessen 2. Ehefrau Margarete (Margot) Wanke, in Neiße (Oberschlesien) geboren.
Ab 1928 studierte er zunächst in Leipzig und später in Berlin Veterinärmedizin und promovierte fünf Jahre später zum Dr. med. vet in Berlin.
Noch als Student hatte er 1930 Hildegard Prüfer geheiratet. Sie hatten drei Söhne: Rochus, Michael und den Adoptivsohn Thomas.
Er arbeitete kurzfristig als Tierarzt, später war er als Sachverständiger im Preußischen Landwirtschaftsministerium beschäftigt. Von Januar 1938 bis zum Ende des 2. Weltkrieges war er als Regierungsrat im Reichsernährungsministerium tätig.

Zoodirektor in Frankfurt/Main

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde Grzimesks Wohnung in Berlin von der Gestapo durchsucht, weil er versteckte Juden mit Lebensmitteln versorgt hatte. Im März 1945 erreichte er Frankfurt/Main. Schon am 1. Mai wurde er zum Zoodirektor berufen.
Es war ein trauriger Amtsantritt. Der Zoo war von Bombenangriffen völlig zerstört. Gerade mal zwanzig der größeren Tiere hatten die Feuernächte überlebt. Schon seit fast zwanzig Jahren wollte die Stadtverwaltung den Zoo aus der Frankfurter Innenstadt an den Stadtrand verlegen. Die Zerstörung der Stadt bot eine günstige Ausgangsbasis zur Verwirklichung der alten Pläne.
Grzimek glaubte jedoch nicht daran und begann umgehend mit dem Wiederaufbau der ersten Gebäude. Am 1. Juli 1945 wurde der Zoo wieder eröffnet und konnte bis Ende des Jahres über eine halbe Million Besucher aufweisen.
29 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung am 30. April 1974 blieb Bernhard Grzimek Direktor des Frankfurter Zoos. Zu seinen Ehren wurde 1978 auf dem Zoogelände das Grzimek-Haus eröffnet.

Kein Platz für wilde Tiere


Anfang der 50er Jahre unternahm Bernhard Grzimek die ersten Forschungsreisen nach Afrika. Einerseits wollte er neue Tiere für seinen Frankfurter Zoo fangen, zum anderen ging es ihm aber auch darum, die Tiere in freier Natur zu studieren, um sie artgerecht halten zu können.
Sehr früh fiel ihm auf, wie bedroht die faszinierende Tierwelt Afrikas schon zu diesem Zeitpunkt war. Die Jagd nach Elfenbein, Fellen und anderen Trophäen einerseits, aber auch der durch den Menschen erzeugte Siedlungsdruck drohten diese Paradiese zu zerstören. Von da an begann er sich für den Rest seines Lebens für deren Erhalt zu engagieren.
Von Anfang an setzte er dabei auf die Massenmedien: 1956 erschienen das Buch und der Film Kein Platz für wilde Tiere. Das Buch wurde in so gut wie alle bedeutenden Sprachen übersetzt und trug ganz erheblich zur Einrichtung von Naturreservaten in Afrika bei. Im gleichen Jahr strahlte die ARD die erste Folge der Dokumentarfilmreihe Ein Platz für Tiere aus.

Serengeti darf nicht sterben

Es war der zweite Kinofilm, der den Frankfurter Zoodirektor weltberühmt machte: Schon die Dreharbeiten von Serengeti darf nicht sterben gingen mit umfangreichen wissenschaftlichen Erhebungen über die Zahl der Wildtiere in Ostafrika und über deren Wanderungen einher. Grund dazu waren Pläne, einen Teil des Naturparks abzutrennen und durch Angliederung anderer Gebiete auszugleichen.

Die Ergebnisse zeigten, dass in den abzutrennenden Gebieten Teile der jährlichen Wanderwege lagen, während das Ersatzgebiet kaum in Anspruch genommen wurde. In dem Film geht es um das Leben und Schicksal der letzten, großen Steppentierherden in der prächtigen Serengeti-Landschaft, der Gazellen, Gnus, Hyänen, Löwen, Strauße, Zebras und sogar der Giftschlangen.
Für die Grzimeks endeten die Dreharbeiten tragisch: Am 10. 1. 1959 kam Bernhards Sohn Michael Grzimek bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Der jähe Tod des jungen Wissenschaftlers hat den Film »Serengeti darf nicht sterben« zu seinem Vermächtnis gemacht. 1960 wurde der Film in Hollywood mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch das gleichnamige Buch wurde zum Weltbestseller.

Ein Platz für Tiere

Zum regelmäßigen Gast in deutschen Wohnzimmern wurde Bernhard Grzimek durch die Dokumentarfilmreihe Ein Platz für Tiere. Von seinen Einschaltquoten können heutige Fernsehschaffende nur träumen. Am 28. Oktober 1956 wurde die erste Sendung ausgestrahlt. 175 sollten es bis zu Grzimeks Tod insgesamt werden.
Auch bei Kindern war die Sendung sehr beliebt, weil er stets ein Tier aus dem Frankfurter Zoo mitbrachte und an sich umherklettern ließ. Am Schluss jeder Sendung forderte er dann unter genauer Angabe der Kontonummer zur Hilfe für die bedrohte Tierwelt auf.

Grzimek schrieb mehr als 20 Bücher. Zwischen 1967 und 1974 zeichnete er für die gut 10.000 großformatige Seiten starke Enzyklopädie Grzimeks Tierleben (Kindler Verlag) als Herausgeber verantwortlich.

1969 wurde Bernhard Grzimek zum Beauftragten der deutschen Bundesregierung für den Naturschutz. 1973 trat er von dem Amt zurück und gründete 1975 zusammen mit Horst Stern und 19 anderen Umweltschützern den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND); bis zu seinem Tode war er Präsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.

Lebenswerk dauert fort

Als Bernhard Grzimek am 13. März 1987 während einer Tigervorführung im Zirkus Althoff verstarb, ging ein Leben für die Tiere zu Ende sein unermüdlich vorangetriebenes Werk blieb zurück und ist bis heute lebendig: In der Serengeti und in vielfältigen Naturschutzprojekten weltweit. Seine Urne wurde später nach Tansania überführt und neben seinem Sohn Michael am Ngorongoro-Krater beigesetzt.

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt führt sein hartnäckiges Engagement heute weiter. Am Aufbau von Nationalparks ist sie ebenso beteiligt wie am Schutz von Naturlandschaften, an der Ausbildung von Rangern oder der Rettung vom Aussterben bedrohter Tierarten.


Text: RR  9. 3. 2007
Bilder: Okapia (Porträt Grzimek), Ullstein-Verlag (Buchtitel)

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