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Werden auch heute noch Menschen mumifiziert?

Berühmte Personen

Werden auch heute noch Menschen mumifiziert?

Das möchte Fabienne aus Usingen wissen. Wir haben die Frage an Dr. Olivia Zorn vom Ägyptischen Museum und Papyrussammlung, Berlin weitergegeben. Hier ihre Antwort:

In Ägypten werden keine Menschen mehr mumifiziert. Mir sind auch keine Völker bekannt, die heute noch Menschen mumifizieren. Allerdings wurden in der Neuzeit (20. Jhrd.) durchaus noch einzelne berühmte Persönlichkeiten mumifiziert, z. B. Stalin. Aber grundsätzlich werden meines Wissens heute weder Könige noch Privatpersonen mumifiziert. Der Ausdruck Pharao wird nur für die Könige des Alten Ägyptens, einschließlich der römischen Kaiser, unter denen Ägypten römische Provinz war, verwendet, also bis ca. 400 n. Chr. Danach gibt es keine Personen mehr die als Pharaonen bezeichnet werden.

Die Mumifizierung endete ca. 350 n. Chr., weil sich die Jenseitsvorstellungen gewandelt hatten. Die alten Ägypter glaubten, den Körper für die Seele erhalten zu müssen, weil diese für das Leben im Jenseits einen menschlichen Körper braucht. Nachdem das Christentum sich auch in Ägypten verbreitet hatte, wurden die alten Vorstellungen aufgegeben. Nach dem christlichen Verständnis kann die Seele nach dem Tod ohne Körper weiterleben, deshalb war eine Mumifizierung nicht mehr nötig.

Soweit die Antwort von Dr. Olivia Zorn vom Ägyptischen Museum und Papyrussammlung, Berlin.

Folgendes ist zu diesem Thema noch interessant:
In Amerika kann man sich sogar heutzutage noch einbalsamieren lassen. Ein Mann namens Summum Bonum Amon Ra und sein Assistent Ron Temo aus Salt Lake City machen ein besonderes Angebot. Für genügend Geld balsamieren sie auf Wunsch eine Leiche ein und machen eine Mumie aus ihr. Zum stolzen Preis von rund 60.000 Euro. Bei seiner Technik verwendet Ron Temo Formaldehyd, das macht den Körper rosig. Allerdings ist bisher noch keiner der rund 150 Kunden, die schon bezahlt haben, gestorben.

Mit Formaldehyd wurde auch der Körper Lenins behandelt. Der sowjetische Staatsmann ist ein Beispiel für eine Mumie aus dem 20. Jahrhundert: Auf dem Roten Platz in Moskau können die Menschen an seiner aufgebahrten Leiche in seinem Mausoleum vorbeigehen. Seine Mumie wird alle sechs Monate vom "Allrussischen Institut für Heil- und Aromapflanzen" neu einbalsamiert.

Dieses Institut finanziert sich auch dadurch, dass es auf Wunsch der Hinterbliebenen, Verstorbene einbalsamiert. So zum Beispiel den koreanischen Staatschef Kim Ir Sen. Heutzutage muss man also nicht unbedingt König sein - man muss vielmehr genug Geld haben und genügend für eine Mumifizierung zahlen können und wollen.

Vielleicht habt ihr auch etwas über die sehr umstrittene "Körperwelten"-Ausstellung gehört, die zum Beispiel in Mannheim, Oberhausen, Berlin oder München zu sehen war. Sie zeigt menschliche, tote, präparierte Körper, bei denen man praktisch das "Innenleben" wie Adern, das Skelett oder Muskeln genau sehen konnte.

Diese Körper wurden mit Hilfe der "Plastination" präpariert. Die Plastination wurde eigentlich entwickelt, weil man Körper und Körperteile für die Forschung und Lehre dauerhaft konservieren wollte.

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