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Sansibar gegen Helgoland

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Sansibar gegen Helgoland

Am 1. Juli 1890 gehörte die Insel Helgoland wieder zu Deutschland. Im Gegenzug verzichtete das deutsche Kaiserreich auf Gebietsansprüche auf Sansibar. Die deutsche Wirtschaft kritisierte den Tausch wertvoller Kolonien gegen eine Badewanne in der Nordsee.

Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernte Nordseeinsel Deutschlands. Das macht sie so beliebt für Touristen und für das Militär. Denn seit je war Helgoland wegen seiner Lage von hoher strategischer Bedeutung. Im Verlauf ihrer Geschichte gehörte die Insel nicht immer zu Deutschland.

Friesen und Dänen

Steinzeitliche Werkzeuge und Hügelgräber belegen, dass Helgoland schon in der Mittelsteinzeit besiedelt war. Seit dem 7. Jahrhundert war die Insel von Friesen bewohnt. Häufig wird sie auch mit der Piraterie in Verbindung gebracht. Klaus Störtebeker und die Likedeeler sollen die Insel als Stützpunkt genutzt haben. Ob der berühmte Pirat die Insel je betreten hat, ist aber nicht belegt.

Im 12. und 13. Jahrhundert stand Helgoland unter der dänischen Krone. Ab dem 14. Jahrhundert war es Teil des Herzogtums Schleswig. 1544 wurde das Land geteilt. Bis 1721 gehörte Helgoland dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf. Nach dem Großen Nordischen Krieg wurde das Teilherzogtum 1713 auf seine holsteinischen Landesteile reduziert und Bestandteil eines Herzogtums Schleswig unter der dänischen Krone.

Helgoland und die Briten

1807 besetzten britische Truppen die Insel und gliederten sie als Kolonie in das Vereinigte Königreich ein. Bis 1890 verblieb Helgoland bei den Briten. In dieser Zeit wurde die Insel ein beliebtes Ziel für Touristen. Viele Dichter und Künstler vor allem aus Deutschland besuchten die Insel und schrieben über sie.

1890 trat England die Insel im Helgoland-Sansibar-Vertrag an das Deutsche Reich ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Briten die Insel im Jahre 1945 wieder in Besitz und nutzten sie als Bombenübungsplatz.

In dieser Zeit sprachen die britischen Soldaten auch von "Hell go Land", vom Land, das zur Hölle geht. 1947 fassten die Engländer den Entschluss, Helgoland vollständig zu vernichten. Mehr über diese "Operation Big Bang" erfährst du in einem anderen Artikel wenn du unten auf den entsprechenden Link klickst.

Halbherzige Kolonialpolitik

Deutschland wurde erst gegen Ende des 19 Jahrhunderts zur Kolonialmacht. Andere europäische Mächte hatten bereits ab dem 15. Jahrhundert begannen, Kolonien in Übersee zu gewinnen. Die deutschen Länder hatten dies aus ganz unterschiedlichen Gründen unterlassen.

Auch Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte nach der Staatsgründung im Jahre 1871 territoriale Erwerbungen in Übersee ab. In Kolonien sah er nur geringe wirtschaftliche Vorteile, fürchtete aber erhebliche politische Störungen.

Allerdings konnte er nicht verhindern, dass reiche Kaufleute Kolonialvereine und Gesellschaften zur Erkundung Afrikas gründeten. Geschäftstüchtige Abenteurer schlossen so genannte Freundschaftsverträge mit den lokalen Herrschern vor Ort und sicherten sich neue Einnahmequellen.

Den eigentlichen Beginn der deutschen Kolonialpolitik markiert das Jahr 1884. Nach englischem Vorbild stellte Bismarck mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Deutschen Reichs. Der Beginn des "kolonialen Experiments" fiel in eine Phase außenpolitischer Entspannung, weswegen er den Schritt wagte. Seine Meinung zum Kolonialismus änderte sich dadurch nicht.

Kaiser Wilhelm II. und die Flotte


Kaiser Wilhelm II. war ein großer Freund der Marine und trieb den Ausbau der deutschen Seemacht in gewaltigen Schritten voran. Helgoland war damals ein britischer Marinestützpunkt direkt vor der deutschen Küste. Dem Kaiser bereitete es Unbehagen, den potentiellen Feind direkt vor der Haustür zu sehen.

Er sah in der britischen Flottenpräsenz auch eine strategische Bedrohung für den Nordostsee-Kanal, dessen Bau 1887 unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Kanal begonnen worden war. Ferner hätten die Briten von Helgoland aus auch die Mündungen von Weser und Elbe kontrollieren und den Frachtverkehr blockieren können.

Eine einvernehmliche Lösung

Die Regierung in Großbritannien sah den militärischen Wert Helgolands dagegen als gering an, da die Deutschen in kurzer Zeit die Insel hätten besetzen können. Eine Sicherung wäre nur durch äußerst aufwendige Befestigungen machbar gewesen. Die Mittel dafür wollten die Briten nicht aufwenden.

Statt dessen schlug der britische Premier Lord Salisbury 1890 die Übergabe der Insel an das Deutsche Reich vor. Ihm ging es darum, die Grenzen auf dem ostafrikanischen Kontinent in jenen Gebieten festzuziehen, die sowohl Großbritannien als auch das Deutsche Reich für sich beanspruchten. Nachdem diese Probleme lange nicht gelöst werden konnten, brachte Salisbury Helgoland ins Spiel.

Bei Kaiser Wilhelm II. rannte Salisbury offene Türen ein, und so verzichtete das Deutsche Reich für Helgoland auf mögliche spätere Ansprüche auf Sansibar.

Kritik aus der Wirtschaft

Die Kaufleute waren über den Handel der Politik nicht glücklich. Nicht nur Sansibar war abgetreten worden, die Briten hatten auch das Königreich Buganda am Victoriasee, das weitgehend dem heutigen Uganda entspricht, erhalten.

Die Herren der 'Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft' waren außer sich. "Zwei Königreiche hat man gegen eine Badewanne in der Nordsee eingetauscht!" wetterte Karl Peters, der Sansibar 1884 für die 'Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft' entdeckt hatte.

Andere Kritiker sprachen von Knopf gegen Hose, womit ausgedrückt wurde, dass nicht nur die Größe, sondern auch die Fruchtbarkeit beider Inseln sehr verschieden war. Doch nach dem 1. Weltkrieg verlor Deutschland seine Überseegebiete. Helgoland blieb.

Seit 1963 ist Sansibar unabhängig. 1964 verbündete sich das Inselreich mit Tanganjika zum gemeinsamen Staat Tansania.

 Mehr über die Deutsche Geschichte erfahrt ihr im  WAS IST WAS Band 126 Deutschland.

Text: RR, Stand: 28. 6. 2010, Bilder: Satellitenaufnahme von Landsat /NASA), Postkarte von 1890 (PD), Otto von Bismarck (Deutsches Bundesarchiv), Parade von 1890 (A. Kircher, PD), Carl Peters mit schwarzem Bediensteten (Bildarchiv der Deutschen Kolonialgesellschaft, 1884, PD)

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