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Philipp Melanchthon Reformator und Humanist

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Philipp Melanchthon Reformator und Humanist

Denkt man an die Reformation, so denkt man an Martin Luther, an seinen Thesenanschlag und die Bibelübersetzung. Doch wusstet ihr, dass es Philipp Melanchthon war, der Luther zur Bibelübersetzung angeregt hat, und dass er nach Luthers Tod die Reformationsbewegung weitergeführt hat? Außerdem hat er sich für eine umfassende Veränderung des deutschen Bildungswesens eingesetzt.



Melanchthon in einer Darstellung, Ende des 16. Jahrhundert. Quelle: Robert Boissard; Radierung /Kupferstich; Aus: Theodor de Bry, Icones quinquaginta, Virorum illustrium; Frankfurt a. M. 1597-99; Inv. Nr. P Mel 60.



Melanchthon - Ein Gelehrter in jungen Jahren

Philipp Melanchthon heißt eigentlich Philipp Schwarzerdt. Sein Großonkel, Johannes Reuchlin, ist von den Griechischkenntnissen des Knaben derartig begeistert, dass er meint, er müsse einen griechischen Namen tragen. Melanchthon ist die griechische Entsprechung des Familiennamens.

Vor 510 Jahren, am 16.02.1497, wird Melanchthon in Bretten in der Kurpfalz geboren. Schon mit zwölf Jahren darf der gute Schüler die Universität besuchen. Und nur fünf Jahre später unterrichtet er als Magister und Lehrer in Tübingen.

Martin Luther; Quelle: von Johanna Dorothea Sysang, 18. Jahrhundert; Radierung/ Punktierstich; 15,6 ´ 12,2 cm (Bild, beschnitten); Inv. Nr.: P Luth 12.



Seit 1518 besucht er an der Universität Wittenberg bei Martin Luther Vorlesungen über Theologie. Zu diesem Zeitpunkt ist Melanchthon, gerade einmal 21 Jahre alt, bereits selbst zum Professor ernannt worden. Später arbeitet er als Dekan der philosophischen Fakultät, also als ihr Leiter, und als Rektor der Universität Wittenberg. Im Alter von 63 Jahren stirbt Melanchthon am 19.4.1560.

Melanchthon und seine Zeit

Philipp Melanchthon lebte in einer Zeit der großen geografischen und weltanschaulichen Umbrüche. Kopernikus entdeckte, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht wie bisher angenommen die Sonne um die Erde (heliozentrisches Weltbild). Der Kompass wurde erfunden und Gutenberg entwickelte den Buchdruck mit beweglichen Lettern.

Die Zeit war geprägt vom Humanismus, einer philosophischen Weltanschauung, die sich durch ihre Ausrichtung auf das Leben im Hier und Jetzt auszeichnet, anstatt auf ein Leben nach dem Tod. Sie zielte darauf ab, dass der Mensch durch Bildung und Erziehung seine Persönlichkeit frei entfalten kann. Und natürlich war es die Zeit Martin Luthers und der Reformation.

Zinnmedaille von 1830 mit Melanchthon und Luther; Sachsen; Vorderseite; D. MARTIN LUTHER. - M. MELANCHTHON.; im Abschnitt: TREU / IM WORT DES HERRN. / D: 25. JUN: 1530.

Melanchthon und die Reformation

1519 schließt sich Melanchthon der Reformation an. Der 14 Jahre ältere Luther überzeugt ihn nicht nur von der Idee der Reformation, die Religion durch eine Rückführung auf alte Werte zu erneuern. Er macht Melanchthon auch zu seinem engsten Mitarbeiter und Freund.

Melanchthon ist bemüht, die christliche Denkweise mit der humanistischen zu verknüpfen. Eine Trennung von Protestantismus und römischer Kirche ist nicht in seinem Sinne. Stets versucht er, einen gewaltfreien Ausgleich zwischen den Positionen zu erzielen. Deshalb wirft man ihm oft vor, zu kompromissbereit zu sein.

Nach Luthers Tod tritt Melanchthon dessen Nachfolge als Führer der protestantischen Bewegung in Deutschland an. Von seinen Anhängern wird er nie in Frage gestellt.

Melanchthon - Lehrer Deutschlands


Doch nicht nur in der Reformationsbewegung spielt Melanchthon eine wichtige Rolle. Er macht sich auch einen Namen als "Praeceptor Germaniae", als Lehrer Deutschlands. Diesen Titel bekommt er verliehen, weil er sich seit 1529 für eine Neuorganisation des Schul- und Universitätswesens einsetzt.

Er spricht sich für eine umfassende Bildung aus, die sich aus dem Studium der alten Sprachen, der Religion und der Wissenschaft zusammensetzt. Die Verbindung von weltlichem Wissen und religiösen Werten ist für Melanchthon von großer Bedeutung. Damit wendet er sich ab von der damals vorherrschenden Scholastik, die eine Harmonie von Glauben und Wissen nicht für denkbar hält.

Weil Melanchthon davon überzeugt ist, dass der Mensch nur durch Erziehung eine Persönlichkeit ausbilden kann, fordert er die allgemeine Schulpflicht für alle. Dies ist deshalb so besonders, weil Bildung zu seiner Zeit noch ein Privileg ist. Die meisten Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil sie dann zuhause als Arbeitskraft ausfallen.

Unsere humanistischen Gymnasien gehen auf sein Vorbild der höheren Lateinschule zurück. Zahlreiche Schulen sind heute nach ihm benannt. Wenn ihr noch mehr über Melanchthon wissen möchtet, helfen folgende Adressen weiter:
http://www.melanchthon.de/
http://www.melanchthon.com/leben_werk/leben-und-werk.html

- Heike Hieronymus, 14.02.2007 Text / Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des Melanchthonhauses Bretten

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