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Papst Sixtus IV. und die Sixtinische Kapelle

Berühmte Personen

Papst Sixtus IV. und die Sixtinische Kapelle

Millionen von Kunstliebhabern aus aller Welt pilgern jedes Jahr in die Sixtinische Kapelle in Rom. Ihr Schöpfer war Sixtus IV, der am 9. August 1471 zum Papst gewählt wurde.

Der spätere Papst Sixtus IV wurde am 21. Juli 1414 als Francesco della Rovere im ligurischen Celle geboren.

Am 14. April 1444 erreichte er den Doktorgrad in Theologie an der Universität Padua. Bei seinen Zeitgenossen war Francesco della Rovere wegen seiner Lehrtätigkeit und als hervorragender Prediger geschätzt.

1464 wurde er Ordensgeneral der Franziskaner und am 18. September 1467 erhob ihn Papst Paul II. in den Kardinalsrang.


Konklave im Namen eines Märtyrers

Auf dem nach dem Tode Papst Pauls II. abgehaltenen Konklave vom 6. bis 9. August 1471 wurde Francesco della Rovere für viele Zeitgenossen überraschend zum Papst gewählt.

Sein Papstname Sixtus IV. bezieht sich auf den altrömischen Märtyrer Sixtus II., an dessen Festtag das Konklave begann.

Was ein Konklave ist und wie eine Papstwahl abläuft, erfährst du in einem anderen Artikel, der unten verlinkt ist.

Ein weltlicher Papst

Sixtus IV. nutzte sein Amt schamlos aus, um Freunde und Verwandte zu begünstigen und verteilte Pfründe und Ämter an sie.

Diese Art der Begünstigung wird als "Nepotismus" bezeichnet. Das Wort kommt aus dem Lateinischen, nepotis heißt Enkel, Nachkomme, Neffe.

In seinem dreizehnjährigen Pontifikat ernannte er 34 Kardinäle, 6 davon waren Mitglieder seiner Familie. Als ehemaliger Ordensgeneral der Franziskaner überhäufte Sixtus IV. außerdem auch diesen Orden mit Privilegien.

Zudem versuchte er mit hohen Ablassgeldern den maroden Finanzstand des Kirchenstaates aufzubessern.

Konflikte mit den Adelsgeschlechtern

Seine Politik führte zu Auseinandersetzungen unter den römischen Adelsfamilien und zu Konflikten mit den Staaten Italiens, vor allem mit den in Florenz regierenden Medici.

Erst als im Jahr 1480 die Stadt Otranto von den Türken erobert wurde, führte die Einsicht, dass die Einheit Italiens im Kampf gegen die Türken erforderlich sei, eine Aussöhnung zwischen Florenz und dem Papst herbei. Im restlichen Land dauerten die Kämpfe und Feindseligkeiten noch weitere vier Jahre an.

Ein schneller Tod

1484 schlossen die italienischen Mächte eigenmächtig ihren Frieden untereinander. Sixtus wurde am 11. August von dem Waffenstillstand in Kenntnis gesetzt; am folgenden Tag verstarb er über einem Tobsuchtsanfall an einem Schlaganfall.
Er wurde im Petersdom beigesetzt.


Der zeitgenössische Senatsschreiber Stefano Infessura schrieb in seinem Römischen Tagebuch über Sixtus, dass keine Liebe zu seinem Volk in ihm gewesen sei, nur Wollust, Geiz, Prunksucht, Eitelkeit; aus Geldgier habe er alle Ämter verkauft, mit Korn gewuchert, Abgaben auferlegt, das Recht feilgeboten; treulos und grausam habe er zahllose Menschen durch seine Kriege umgebracht.

Den Tag von Sixtus' Tod nannte er den glückseligsten Tag, an welchem Gott die Christenheit aus den Händen eines solchen Mannes erlöste.


Kulturelles Wirken

Das einzige, was von Sixtus IV. in positiver Erinnerung blieb, war seine Liebe zur Architektur und Kultur. So kümmerte er sich um den Ausbau der Vatikanischen Bibliothek und öffnete die Vatikanischen Sammlungen einem größeren Teil der Öffentlichkeit.

Unsterblich wurde er durch die nach ihm benannten "Sixtinischen Kapelle"

Die Sixtinische Kapelle von außen. Sie gehört zum Vatikan und befindet sich in der Nachbarschaft des Petersdoms. 


Dieser nach außen unscheinbare mittelalterliche Bau wurde 1475 begonnen und am 15. August 1483 eingeweiht - ein Jahr vor Sixtus Tod.

Heute kann man die Kapelle nicht mehr gesondert betreten. Nur den Besuchern der Vatikanischen Museen wird ein kurzer Einblick gewährt. Der Anblick ist überwältigend: Die Seiten- und Deckenwände sind fast vollständig mit farbenprächtigen Fresken italienischer Renaissancemeister ausgekleidet sie alle stellen Episoden aus dem Neuen und Alten Testament dar.

Meisterwerk auf 800 Quadratmetern


Die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle.

Michelangelo war die Ehre vorbehalten, dass Schmuckstück der Kapelle zu verzieren die Kuppel. Als Motive wünschte sich Past Julius II., der das aufwändige Projekt 1508 in Auftrag gab, Szenen aus der Schöpfungsgeschichte. Über vier Jahre machte sich der Meister mit 13 Gehilfen an die Arbeit, doch den Großteil der 800 Quadratmeter großen Fläche bemalte er ganz allein.

Von der Schöpfung ...

Detail des Deckenfreskos: Gott erschafft Adam.

Das Besondere an der Technik des Universalkünstlers: er erfand eine großartige Scheinarchitektur, die der tatsächlichen Wölbung folgt und die Körperbewegungen der Figuren besonders plastisch wirken lässt. Weltberühmt ist das Deckenfresko Die Erschaffung des Menschen, in dem sich die Zeigefinger Gottes und Adams beinahe berühren.

... bis zum Ende der Menschheit

Auch Michelangelos Gemälde "Das Jüngste Gericht" befindet sich in der Sixtinischen Kapelle.

Doch damit war das Kapitel Michelangelo und die Sixtinische Kapelle noch nicht beendet. Im Greisenalter erhielt der Maler den Auftrag, die Stirnseite der Kapelle mit Motiven des Jüngsten Gerichts zu gestalten. Im Mittelpunkt: Christus, dargestellt wie ein antiker Apoll, der ein riesiges Rad von Menschen in Gang setzt: die Gerechten werden nach oben in den Himmel gerissen, die Verdammten nach unten in die Hölle geschleudert.

Nackte wurden verhüllt

Aufsehen erregte Michelangelo nicht nur mit der Drastik seiner Darstellung, sondern auch mit der Vielzahl der dargestellten männlichen Nacktheiten. Dass diese Vorliebe bei der Ausgestaltung einer Kirche nicht nur auf Gegenliebe stieß, versteht sich von selbst. Einige Figuren wurden deshalb im Nachhinein mit aufgemalten Lendenschurzen züchtig verhüllt.

Aufwändige Restaurierung  

 

Hier sieht man den Vergleich an einem Bilddetail: Links: Der Prophet Daniel vor der Restaurierung, rechts danach.

Um die großartigen Fresken auch weiterhin für die Nachwelt zu erhalten, wurde der gesamte Innenraum der Kirche bis 1999 aufwändig restauriert. Das Ergebnis versetzte die Kunstwelt in großes Erstaunen. Hatte man Michelangelo bis dahin eine dezente Farbwahl als Stilmittel zugeschrieben, kam das Werk nun in ungewohnt kräftigen Tönen zum Vorschein. Dabei hatte man nur vorhandene Rußschichten entfernt.

Die Kapelle online besuchen

Hier kannst du die Sixtinische Kapelle online besuchen. Viele Details der Fresken sind hier sehr gut zu erkennen. Die biblischen Geschichten zu den Gemälden werden erklärt.

Mehr über die biblischen Geschichten, die in der Sixtinischen Kapelle zu sehen sind, erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 44 Die Bibel - Das Alte Testament.

Wie eine Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle abläuft, erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 123 Die Päpste.

RR/Nic - 8. 8.11; Fresko von Melozzo da Forlì, ca. 1477, Fotos: Sixtinische Kapelle von außen: GNU: Maus Trauden; Gemälde im Gewölbe: CC: Aaron Logan; Jüngstes Gericht: PD. Bildvergleich alt-neu: PD; Statue Michelangelos: GNU: Hans Weingartz.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt