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Märchenkönig und tragische Figur
Ludwig II. König von Bayern

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Märchenkönig und tragische Figur
Ludwig II. König von Bayern

Der Erbprinz Otto Ludwig Friedrich Wilhelm von Bayern aus dem Geschlecht der Wittelsbacher sollte als "Märchenkönig" in die Geschichte eingehen. Seine Regentschaft, seine exzentrische Persönlichkeit, sein geheimnisumwittertes Leben, seine phantastischen Schlösser und nicht zuletzt sein mysteriöser Tod am 13. Juni 1886 im Starnberger See sind von Legenden umwoben.

Langersehnter Erbprinz

Als der langersehnte Erbprinz am 25. August 1845 im grünen Salon auf Schloss Nymphenburg in München zur Welt kommt, zeigt sich der Vater, Seine Königliche Hoheit Kronprinz Maximilian, zunächst überwältigt vor Glück. Obwohl der Name Otto auf der Taufmedaille eingeprägt ist, wird das Kind auf Wunsch seines Großvaters Ludwig genannt.



Musik und Literatur
Ludwig und sein drei Jahre jüngerer Bruder Otto wachsen unter einem strengen Vater auf. Die Prinzen verbringen den größten Teil ihrer Jugend auf Schloss Hohenschwangau im Allgäu. Beide erhalten eine umfassende Geistesbildung, wobei Ludwig schon früh starke Neigungen zu Musik und Literatur erkennen lässt. 

Richard Wagner
Sein Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht ist für den phantasiebegabten 15jährigen der Besuch einer Aufführung der Oper "Lohengrin" von Richard Wagner in der Münchener Hofoper. Ludwig entwickelt eine glühende Liebe zu dem Komponisten, den er sein Leben lang großzügig förderte und dessen Einfluss er sich nie entziehen konnte. Später sollte er Wagner das Festspielhaus in Bayreuth schenken.

König mit 18

Ludwigs wird schneller König als erwartet. 1864 stirbt der Vater und so folgt ihm der schöne, hochgewachsene Prinz im Alter von 18 Jahren, völlig unvorbereitet, im Amt nach. Politik gehört zwar nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, doch der junge Monarch stürzt sich zunächst mit Feuereifer ins Amt. Seine Euphorie sollte zwar bald nachlassen, doch die Regierungsaufgaben erledigte er - entgegen vieler Vorurteile - stets pünktlich und pflichtgemäß.

Monarch von Gottes Gnaden

Als tiefreligiöser Mensch ist Ludwig von Beginn seiner Regentschaft an davon überzeugt , ein König von Gottes Gnaden zu sein.  Aus diesem Grund lehnt er auch Krieg als Mittel der Konfliktlösung ab. Die politische Lage zwingt ihn dennoch zwei Mal während seiner Regentschaft in die Schlacht zu ziehen. Weil die Kriege verloren gehen und für Bayern verheerende Folgen haben, denkt der friedliebende König sogar ernsthaft darüber nach abzudanken.

Spinner oder Visionär?

Von vielen seiner Zeitgenossen wurde Ludwig als Spinner abgetan, der mit seinem Geld nur so um sich prasste. Unbestritten: Die Ausgaben des Märchenkönig haben ein Loch in die Staatskasse gerissen. Doch der Bayernkönig hatte auch Visionen. Er träumte davon Flugmaschinen zu bauen und damit über den Starnberger See zu fliegen. Mit seinen Schlössern Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee schuf er wahre Kunstwerke. Er stellte nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung, sondern war selbst ein ausgezeichneter Architekt.

Vorbildlich

Was die meisten nicht wissen: Obwohl Ludwig verschwenderisch war, gab er das Geld nicht nur für seinen Luxus aus.  Eine seiner ersten Amtshandlungen als König war, dass er das Gehalt der Hofangestellten deutlich erhöhte. Außerdem war er ein Pionier der Sozialversicherung. Schon beim Bau seines Schlosses Neuschwanstein gab es einen Krankenunterstützungsverein, dem sich die Arbeiter anschließen konnten. Dieser Verein existiert noch heute.

Sissi als Seelenverwandte

Aufgrund seines Vermögens konnte sich Ludwig II. einen Großteil seiner Träume erfüllen. Doch mit den Zwängen des Hoflebens findet er sich nicht immer zurecht. Die eingegangene Verlobung mit Sophie Charlotte, Herzogin von Bayern, löst er wieder auf, weil er sie nicht liebt. Viel besser versteht er sich mit ihrer Schwester, seiner Cousine Elisabeth ("Sissi"). Die sensible Kaiserin von Österreich war bei Hofe ebenfalls eine Außenseiterin und ihm deshalb eine Seelenverwandte. 

Als geisteskrank erklärt

In seinen letzten Lebensjahren taucht Ludwig immer stärker in eine Scheinwelt der Kunst und Musik ab. Vielen am Hof ist er deshalb ein Dorn im Auge. Kurz vor seinem Tod verdichten sich die dramatischen Ereignisse: Am 12. Juni 1886 wird der Bayerische König von einer Regierungskommission gefangen genommen, nachdem ihn mehrere Ärzte zuvor für unheilbar geisteskrank erklärt und entmündigt hatten.

Mysteriöser Tod

Mysteriös sind die Umstände seines Todes einen Tag später. Am Abend des 13. Juni 1886 unternimmt Ludwig II. mit seinem Arzt einen Spaziergang am Starnberger See. Als er nicht zurückkehrt, werden Suchtrupps losgeschickt, die beide nur noch tot auffinden. Die offizielle Version: Ludwig hat seinen Arzt umgebracht, um sich das Leben nehmen zu können.  

Intrige oder Selbstmord?

Niemand wird wohl mehr klären können, was an diesem Abend wirklich geschehen ist. Und ob Ludwig tatsächlich geisteskrank oder nur Opfer einer politischen Intrige geworden ist? Wer weiß. Die wahre Geschichte ruht vermutlich in den Familienarchiven der Wittelsbacher und die schweigen sich bis heute aus.

Besuchermagnet Neuschwanstein

Fest steht: Mit seinen Schlössern, allen voran Neuschwanstein, beschert Ludwig II. Bayern auch nach seinem Tod wahre Touristenströme. Vor allem Besucher aus Japan und Amerika möchten die extravaganten Bauwerke sehen. Ludwig selbst hat in den letzten Jahren auch deutlich an Popularität gewonnen. Im Allgäu wird ein Musical über sein Leben gezeigt.

sw / nic - 13.06.2006

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