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Kinderarbeit: Schuften für einen Hungerlohn

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Kinderarbeit: Schuften für einen Hungerlohn

Zugegeben Schule kann manchmal ganz schön nerven! Doch in einem Alter, in dem ihr zum Unterricht gehen dürft, mussten viele Kinder in Deutschland noch bis Ende des 19. Jahrhunderts schwer schuften. Sie wurden teilweise wie Sklaven gehalten und ruinierten ihre Gesundheit in der Textilindustrie und unter Tage für einen Hungerlohn.

1839 trat der erste beschränkte Arbeitsschutz für Kinder und Jugendliche in Kraft. Das Gesetz verbot die regelmäßige Arbeit von Kindern unter 9 Jahren in Fabriken, Berg- und Hüttenwerken, begrenzte die Arbeitszeit der neun bis 16jährigen auf zehn Stunden und untersagte Nacht- und Sonntagsarbeit in dieser Altersgruppe.

Sorge um Rekruten

So bitter es klingt: Anlass für diese gesetzliche Maßnahme war nicht das Mitleid mit den Kindern. Der Staat machte sich vor allem Sorgen um den gesundheitlichen Zustand des militärischen Nachwuchses. Bei vielen jungen Rekruten zeigten sich durch die jahrelange, aufreibende Arbeit in den Textilfabriken und Bergwerken schwere gesundheitliche Probleme: Asthma, Augentrübung und Mattigkeit bis zur totalen körperlichen Erschöpfung waren da noch die harmloseren Symptome.

1853: Arbeitsverbot für Kinder unter zehn

Am 16. Mai 1853 wurde in Preußen ein generelles Arbeitsverbot für Kinder unter zehn Jahre erlassen obwohl auch dieses Gesetz in den Folgejahren wegen mangelnder Kontrollen immer wieder umgangen und gebrochen wurde. 1878 mussten Kinder mit Ausnahme von Heimarbeit und Landwirtschaft dann endlich nicht mehr arbeiten. Endgültig abgeschafft wurde die Kinderarbeit in Preußen jedoch erst 1891.

Die Hintergründe: Warum mussten Kinder in Preußen arbeiten?

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass deutsche Kinder im 19. Jahrhundert mit acht, neun Jahren manchmal sogar erheblich jünger - schwere körperliche Arbeit verrichten mussten? Grund hierfür waren die rasanten sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die Deutschland im 19. Jahrhundert überrollten.

Zu viele Einwohner, zu wenig Arbeit

Zwischen 1800 und 1860 verdoppelte sich in Deutschland die Einwohnerzahl. Fortschritte in Medizin, Hygiene und der Nahrungsmittelindustrie ließen vor allem die Bevölkerungszahl auf dem Lande regelrecht explodieren. Doch auf der anderen Seite konnten für die vielen Menschen nicht mehr genügend Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. Die Industrialisierung in den Städten hatte zwar eingesetzt, schritt aber nur langsam voran. Unzählige arbeitslose Landarbeiter drängten in die Städte, um in den Fabriken Arbeit zu finden.

Da wegen der mangelnden Arbeitsplätze auch die Löhne sanken, konnten viele Männer ihre Familien nicht mehr ernähren. Die Frauen und Kinder mussten mit anpacken, um zum Lebensunterhalt beizutragen und wurden als billige Arbeitskräfte benutzt. Kinderarbeit in wöchentlich sieben Tag- und Nachtschichten bis zu 15 Stunden waren keine Ausnahme. Noch schlimmer hatten es die Waisenkinder aus den vielen Armenhäusern, die keine andere Chance hatten, als sich auf diesem Weg ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ausbeutung in der Dritten Welt

In Deutschland gehört Kinderarbeit zu einem traurigen Kapitel der Geschichte. Bis heute wurde der Schutz von Kindern immer weiter ausgebaut. Seit 1976 gilt nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz in der Bundesrepublik ein grundsätzliches Beschäftigungsverbot für Kinder unter 14 Jahren. Doch weltweit ist das Problem noch lange nicht gelöst. Sogar manche Industrienationen beschäftigen Minderjährige meist ethnische Minderheiten und Einwandererkinder.

Doch die meisten arbeitenden Kinder leben in den Entwicklungsländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Sie werden in der Landwirtschaft eingesetzt, als Dienstboten, Hausmädchen, Teppichweber, in der Bauindustrie, im Bergbau und im schlimmsten Fall als Prostituierte. Die Ausbeutung von Mädchen ist weitaus gravierender, weil sie für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt und zusätzlich häufig von ihren Dienstherren sexuell belästigt werden.

Teufelskreis Kinderarbeit

In vielen Nationen ist Kinderarbeit ein Teufelskreis, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Viele Eltern können es sich einfach nicht leisten, ihre Sprösslinge in die Schule zu schicken bzw. sehen darin keinen großen Nutzen. Sie sind auf den Lohn aller Familienmitglieder angewiesen. Doch inzwischen gibt es auch Handelsprojekte, die sich gegen die Ausbeutung von Kindern in der Dritten Welt einsetzen. So vergibt z.B. die Rugmark-Stiftung ihr Warenzeichnen für handgeknüpfte Teppiche nur an Unternehmen, die keine Kinder unter 14 Jahren beschäftigen und die ihre Mitarbeiter mit dem Mindestlohn bezahlen.

Ausstellung in Nürnberg

In Nürnberg läuft zur Zeit eine Ausstellung zum Thema "Kinderarbeit einst und jetzt". Alle Infos bekommt ihr auf dieser Seite.

Nic 14.05.2003 / Quelle der Abbildung: AdsD d. FES (

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