Archiv

In unserem Archiv findest du die beliebtesten Texte und Kinderfragen aus 15 Jahren wasistwas.de. Klick rein in deine Lieblingsthemen!

Kaiser Vespasian - tolerant und weltoffen

Berühmte Personen

Kaiser Vespasian - tolerant und weltoffen

Titus Flavius Vespasianus war bürgerlicher Herkunft. Sein militärisches Geschick trug ihm die Kaiserwürde ein. Im Juli 69 riefen ihn seine Truppen in Alexandria zum Kaiser aus. In den zehn Jahren seiner Herrschaft arbeitete er an der Stabilisierung und Erweiterung des Römischen Reiches. Vor 2000 Jahren - am 17. 11. 9 wurde er geboren.

Dem Sohn einer Mittelstandsfamilie war es nicht in der Wiege gelegt worden, dass er zum Herrn der Welt aufsteigen sollte: Titus Flavius Vespasianus wurde am 17. November 9 n.Chr. als Sohn des Zolleinnehmers Flavius Sabinus und der Vespasia Polla in Reate im Sabinerland, nördlich von Rom, geboren. Die Familien seiner Eltern gehörten dem römischen Ritterstand an. Vespasian war der erste römische Kaiser, der nicht der Senatsaristokratie entstammte. Allerdings gehörte sein Onkel dem Senat an.
Später gelang es auch Vespasian und seinem älteren Bruder Sabinus zu Senatoren ernannt zu werden.

Im Jahre 40 wurde Vespasianus Prätor. Der Titel bezeichnet eines der höheren Ämter der römischen Ämterlaufbahn: Im Sinne des Wortes jemanden, der vorangeht, also einen Anführer oder einen Vorgesetzten. Im zivilen Bereich ist dieses Amt mit unserem heutigen Bürgermeister vergleichbar.

Feldherr unter Claudius

Vespasian diente vielen Kaisern, ehe er selbst dieses Amt übernahm. Claudius entsandte ihn als Legat nach Britannien. In den Jahren 43 und 44 befehligte er die Legio II Augusta. Die militärischen Erfolge der Truppe brachten ihm die Insignien eines Triumphators und zwei Priesterwürden ein.

Konsul in Rom

Im Jahr 51 wurde er zum Konsul ernannt. Das war das höchste Amt der römischen Ämterlaufbahn. Jedes Jahr wählte das römische Volk zwei Konsuln auf eine einjährige Amtszeit. Amtsinhaber konnten wiedergewählt werden. Ein ausgeschiedener Konsul wurde als Prokonsul bezeichnet. Ihm wurde eine prokonsularische Provinz zur Verwaltung zugewiesen, meist für eine Dauer von einem oder zwei Jahren.
So wurde Vespasian im Jahre 63 Prokonsul von Africa. Seine Verwaltungsarbeit fand große Anerkennung, da er sich, angesichts seiner Stellung, nicht zu seinem Vorteil bereicherte. Allerdings ging er gerade deswegen fast bankrott und musste von seinem Bruder aus großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten errettet werden.

Statthalter von Judäa

Kaiser Nero machte Vespasian zu einem seiner offiziellen Gefährten. Auf einer Reise nach Griechenland fiel er jedoch in Ungnade, da er bei einer Gesangsdarbietung des Kaisers einfach einschlief. Trotz dieses Frevels nahm Nero ihn aber bald wieder in Gnaden auf und ernannte ihn Anfang des Jahres 67 zum Statthalter von Judäa. Zu dieser Zeit benötigte der Kaiser einen unverdächtigen Heerführer für den Osten, um die Gefahr einer Militärrevolte gegen seine zunehmend unbeliebte Herrschaft zu verringern.
Verspasian gelang es, den Aufstand der Juden niederzuwerfen, der als Erster Jüdischer Aufstand Einzug in die Geschichte hielt. Mitte des Jahres 68 hatte er das Land wieder unter die Kontrolle Roms gebracht. Lediglich die Stadt Jerusalem und einige Randbefestigungen, mussten noch erobert werden. Dazu kam es jedoch nicht mehr, weil Nero am 9. Juni 68 Selbstmord beging. Vespasian erkannte Galba als Nachfolger des Nero an.
Die Kämpfe um Jerusalem sollten sich noch über viele Jahre hinziehen. Erst als Vespasian schon Kaiser war, wurde der Aufstand von seinem Sohn Titus blutig niedergeschlagen

Das Vier-Kaiser-Jahr

Der greise Galba starb bereits im Januar 69. Sein Nachfolger Otho, der die Prätorianergarde zum Mord an Galba angestiftet hatte, brachte sich im April um, weil er nach der Niederlage seiner Truppen einen Bürgerkrieg vermeiden wollte. Denn gleichzeitig mit Othos Staatsstreich hatte sich auch der niedergermanische Statthalter Aulus Vitellius zum Kaiser erklärt, gestützt auf die Legionen in Germanien und Britannien. Die Provinzen im Osten legten jedoch einen Eid auf Otho als Kaiser ab. Nach Othos Tod wurde Aulus Vitellius vom Senat offiziell als Nachfolger anerkannt.
Die Ereignisse in Rom brachte Vespasian dazu, gemeinsam mit den Statthaltern von Syrien und Ägypten einen Aufstand zu organisieren. Im Juli 69 riefen ihn seine Truppen in Alexandria zum Kaiser aus. Am 20. Dezember wurde Vitellius von Soldaten gefangengenommen und auf dem Forum rücksichtslos ermordet. Im Jahre 70 zog Vespasian in Rom ein und wurde dort vom Senat als Kaiser bestätigt.

Kaiser von Rom

Vespasians Innenpolitik bestimmte vor allem die Reorganisation des Heeres, Sparsamkeit und eine rigorose Steuerpolitik. Nach dem Bürgerkrieg gab es zu viele Legionen. Das gleiche Problem hatte Kaiser Augustus nach seiner Amtsübernahme lösen müssen. Wie Augustus bewies dabei auch Vespasian großes Fingerspitzengefühl und sorgte für die notwendige finanzielle Abfederung der Veteranen. Viele von ihnen wurden in Kolonien angesiedelt, vor allem auf dem Balkan und in Africa, was sich bei der Romanisierung dieser Regionen als hilfreich erwies.
Vespasian war sehr daran gelegen, das Römische Reich weiter auszudehnen. Dazu gehörte auch die Annexion eines Königreichs im Nordwesten Englands bis zur Grenze des heutigen Schottlands und die Befriedung von Wales als so genannte "Nordwesterweiterung". Die Eroberung der Insel wurde aber nicht mehr zu Lebzeiten Vespasians abgeschlossen.

Geld stinkt nicht

Von Vespasian stammt angeblich der Ausspruch "Pecunia non olet" (Geld stinkt nicht). Vespasian hatte einen Staat übernommen, der nach den Eskapaden seiner Vorgänger so gut wie bankrott war. So agierte er er sehr erfindungsreich in der Finanzpolitik. Unter anderem hatte er eine Latrinensteuer eingeführt. Als sich sein Sohn Titus bei ihm darüber beschwerte, soll Vespasian ihm eine Münze hingehalten haben, die aus dieser Steuer stammte. Titus musste eingestehen, dass sie nicht stank, woraufhin der bekannte Satz entstanden sein soll. Zur Verwaltung des Reiches legte Vespasian mit den Jahren immer mehr Aufgaben in die Hand seines Sohnes Titus, den er damit systematisch zu seinem Nachfolger aufbaute.

Bauherr des Kolosseum

Indem er einen Großteil der eingenommenen Steuern vor allem auf dem Bausektor investierte, kurbelte Vespasian die Wirtschaft des Römischen Reiches an. Unter anderem ließ er das Kapitol wiederaufbauen, das während der Kämpfe 69 zerstört worden war, sowie einen Friedenstempel bauen. Am bekanntesten dürfte allerdings das große Amphitheater sein, das heute als Kolosseum bekannt ist. Vespasian platzierte das Bauwerk als öffentliches Gebäude symbolisch in die Privatgärten des Nero. Der hatte zu seiner Amtszeit das Gebiet im Zentrum Roms auf Staatskosten zu privaten Zwecken enteignet.

Am Ende des Weges

Am 24.Juni 79 starb Vespasian im Heilbad Aquae Cutiliae, unweit seines Geburtsortes. Wie nur wenige seiner Vorgänger starb er eines natürlichen Todes. Auch sein Ende ähnelt dem Kaiser Augustus, der auch an Diarrhoe, einer Durchfallkrankheit gestorben war.
Nachfolger wurde wie von Vespasian geplant sein Sohn Titus, der bald schon als mustergültiger Herrscher und würdiger Erbe seines Vaters angesehen wurde.


 
Text: RR 16.11. 2009
Fotos: Vespanianus-Büste im Puschkin-Museum: Shakko (creative commons 3.0), Denar des Vespasian (PD), Kolosseum: Andreas Ribbefjord (GNU-FDL)

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt