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Juli 1943 - Bomben auf Hamburg

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Juli 1943 - Bomben auf Hamburg

In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 1943 flogen britische Bomberverbände den ersten einer Serie von insgesamt sieben Luftangriffen auf die Stadt. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Der militärische Codename lautete Operation Gomorrha. Die Zahl der Opfer belief sich auf 34.000 Tote und 125.000 Verletzte.

Befohlen wurden diese Angriffe von Luftmarschall Arthur Harris (1892-1984), dem Oberbefehlshaber des Britischen Bomber-Command. Vorher hatten sich die Westalliierten und Stalin verständigt. Stalin hatte auf einer zweiten Front im Westen von Deutschland bestanden. Die Westmächte wollten diesen Angriff mit Bodentruppen allerdings noch nicht einleiten und hatten als Kompromiss die Bombardierung deutscher Städte angeboten. Damit sollten  die deutsche Bevölkerung demoralisiert werden. Das heißt, den Menschen sollte der Mut zum Weiterkämpfen genommen werden, um so Hitler die Unterstützung der Bevölkerung zu entziehen. Harris wollte aber auch die Vergeltung: Im September 1940 hatte er während eines deutschen Bombenangriffs auf dem Dach des Londoner Luftfahrtministeriums gestanden und beim Anblick der St.-Pauls-Kathedrale inmitten eines Flammenmeers gesagt: Nun gut, sie säen den Wind. Jetzt sollten die Deutschen den Sturm ernten: seinen Feuersturm.

"Operation Gomorrha"

791 britische Bomber griffen in dieser Nacht Hamburg an. Der eigentliche Zielpunkt war die St.-Nikolai-Kirche im Stadtkern. Weil Zielmarkierungen falsch abgeworfen worden waren erstreckten sich die Schäden über ein recht weites Gebiet. In der Innenstadt, in Hoheluft, Eimsbüttel und Altona kam es zu gewaltigen Flächenbränden. Auch einige nordwestliche Vororte wurden getroffen. Die Luftschutzleitung gab die Zahl der Toten in dieser Nacht mit etwa 1500 an.

Doch es war noch lange nicht vorbei. Den Hamburger Bürgerinnen und Bürgern war nur eine kurze Atempause gegönnt, denn bereits am Nachmittag des 25. Juli griffen 40 amerikanische Bomber Ziele im Hafen an. Dabei wurden mehrere Schiffe versenkt und einige Mineralölbetriebe getroffen.

Keine 24 Stunden später - am Mittag des 26. Juli griffen 71 amerikanische Bomber erneut Ziele im Hamburger Hafen an. Dabei wurde auch das Kraftwerk Neuhof getroffen. Etwa 150 Menschen verloren bei diesen beiden Tagesangriffen ihr Leben.

Die Amerikaner nahmen vor allem das Hamburger und Harburger Hafengebiet aufs Korn, während sich die Briten in erster Linie auf die Innenstadt und die Arbeiterwohnviertel stürzten. In der Nacht vom 26. zum 27. Juli flogen britische Mosquito-Bomber den vierten Angriff, der nur unbedeutende Sachschäden anrichtete.

Der Feuersturm

Einige zehntausend Menschen verließen in wilder Flucht die Stadt. Andere zogen mit ihren Notkoffern in die überfüllten Bunker. Gerüchte schwirrten durch die Stadt, dass bald die bisher verschonten Ortsteile drankämen. In der Nacht zum Mittwoch, dem 28. Juli, war es so weit. Die RAF flog mit 739 Bombern ihren zweiten Großangriff. Die orkanartigen Winde, die am Boden auftraten, ließen den Bombenangriff zur Katastrophe werden. Sie fachten die umliegenden Brände weiter an. Als drei Stunden nach der ersten Bombe Entwarnung gegeben wurde, stand fast die ganze Stadt in Flammen.
Der tobende Feuersturm verschlang die Stadtteile Rothenburgsort, Hammerbrook und Borgfelde, auch in Hamm, Eilbek, Hohenfelde, Barmbek und Wandsbek gab es größere Zerstörungen. Etwa 30.000 Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben.

Während des dritten Großangriffs der RAF in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 kamen 726 Bomber zum Einsatz. Die Bomben fielen hauptsächlich auf die Stadtteile Barmbek, Uhlenhorst und Winterhude. Trotz ausgedehnter Flächenbrände kam es nicht zur Bildung eines Feuersturms, obwohl Barmbek ein ebenso dicht besiedelter und bebauter Stadtteil war wie Hammerbrook. Die Zahl der Opfer kann nur geschätzt werden; eine Quelle geht hier von etwa 1.000 Toten aus.

Die RAF setzte für den siebten und letzten Angriff im Rahmen der Operation Gomorrha in der Nacht des 2. zum 3. August 1943 740 Bomber ein, die während eines schweren Gewitters Hamburg erreichten. Die Bombardierung erfolgte daher weitgehend ungezielt und es kam zwar zu mehreren Großfeuern (beispielsweise in der Hamburgischen Staatsoper), aber zu keinen Flächenbränden. Über die Zahl der Opfer dieses Angriffs ist nichts bekannt, sie dürfte aber deutlich geringer sein als beim ersten oder dritten Großangriff der RAF.

Acht Kilo Sprengstoff pro Einwohner

Im Zeitraum von anderthalb Wochen warfen die alliierten Bomberflotten 12 000 Luftminen, 25 000 Sprengbomben, 3 Millionen Brandbomben, 80 000 Phosphorbrandbomben und 500 Phosphorkanister auf die Stadt eine Abwurfmenge von acht Kilogramm pro Einwohner. In der Nacht des Feuersturms fielen binnen drei Stunden auf jeden Quadratkilometer der südöstlichen Stadtteile 39 Minen, 803 Sprengbomben und 99 162 Brandbomben.


Ein nachhaltiger Erfolg war dem Unternehmen Gomorrha nicht beschieden. Zwar fiel die Rüstungsproduktion von 1,8 Monaten aus; sie erreichte jedoch bald aufs Neue den gleichen Stand wie vor der Juli-Katastrophe. Ende September meldete sich Hamburg wieder als luftschutzbereit.
 
Erklärungen:

Alliierte: Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet Verbündete, also Leute oder Gruppen, die sich zu einer Allianz zusammengeschlossen haben und gemeinsam für ein Ziel kämpfen. Im zweiten Weltkrieg waren die "Alliierten" (kurz für "alliierte Streitkräfte"): England, Frankreich, Amerika, Australien, Russland und Kanada.
 
RR, 21. 7. 2008, Fotos: Wikipedia, GNU Public License

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