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"Jeder ist ein Ausländer, irgendwo auf der Welt"

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"Jeder ist ein Ausländer, irgendwo auf der Welt"

1991, zwischen dem 17 und 22. September, wurde das sächsischen Städtchen Hoyerswerda zum vorläufigen Zentrum rechten Fremdenhasses. Über mehrere Tage kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Neonazis gegen ausländische Mitbürger. Die Angriffswelle gipfelte in der Attacke gegen ein Asylbewerberheim.

Die sächsische Stadt Hoyerswerda zählte 1991 circa 70 000 Einwohner. Die dort lebenden Ausländer wurden größtenteils von der früheren DDR-Regierung ins Land geholt: man hatte sie im Braunkohletagebau benötigt. Als es nach der Wiedervereinigung mit dem Kohleabbau bergab ging und die Arbeitslosenzahlen stiegen, wurden die Ausländer immer öfter für die Miesere verantwortlich gemacht. 1991 waren acht Prozent der Bewohner von Hoyerswerda arbeitslos.

Die Welle der Ausschreitungen begann mit der Überfall einer Gruppe Neonazis auf vietnamesische Straßenhändler. Die Polizei vertrieb die überwiegend jugendlichen Täter, die sogleich zum Gastarbeiterwohnheim weiter zogen. Ein paar Stunden später waren alle Fenster des fünfstöckigen Hauses eingeschlagen. Die Polizei riegelte das Gelände ab. Doch die Unruhen gingen weiter: auch in den folgenden Nächten kam es zu Übergriffen auf Ausländer und deren Wohnungen.

Die von blindem Hass aufgewiegelte Meute war nicht mehr zu beruhigen. Am vierten Abend zogen Neonazis und Anhänger rechter Kreise vor das Asylbewerberheim der Stadt: Wieder flogen Steine und Molotow - Cocktails. Als die Polizei eintraf, war die Schlacht schon in vollem Gange: Nicht nur Neonazis prügelten auf die Asylbewerber ein, auch die umliegende Nachbarschaft unterstützte die gewalttätigen Extremisten durch Zurufe und Applaus. Die traurige Bilanz diese Nacht war: 32 verletzte Menschen. Nur drei Extremisten wurden inhaftiert.

Eine Woche später waren alle Ausländer aus Hoyerswerda verschwunden: Die Landesregierung Sachsens hatte die Evakuierung der Menschen angeordnet zu ihrem eigenen Schutz hieß es . Natürlich waren nicht alle Menschen die in Hoyerswerda lebten Fremdenhasser. Doch dieses Ausmaß rechten Terrors hatte es bis dato im Nachkriegsdeutschland nicht gegeben: denn wie stark muss die rechte Gesinnung einer Stadt sein, wenn 220 Asylbewerber nicht von der Polizei geschützt werden können?

Heute, 10 Jahre später, leben circa 50 000 Menschen in Hoyerswerda, 20 000 weniger als noch vor 10 Jahren. Von Fremdenfeindlichkeit hört man nichts mehr. Kein Wunder, denn in Hoyerswerda leben keine Asylbewerber mehr.

Was könnt ihr tun?

Gerade im Internet gibt es viele Seiten die für eine Ausländer freundliche Welt arbeiten, denn jeder von uns ist fast überall auf der Welt ein Ausländer. Beim NetzGegenRechts erfahrt ihr, was ihr tun könnt.www.netzgegenrechts.de

Text: iri

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