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Eine Stadt im Kennedy-Fieber

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Eine Stadt im Kennedy-Fieber

Es war ein einfacher Satz mit großer Wirkung. Mehr als 45 Jahre ist es her, dass US-Präsident John F. Kennedy am 26. Juni 1963 in Berlin den legendären Satz "Ich bin ein Berliner" sprach. Für Kennedy war es der Höhepunkt seiner Deutschlandreise, für die Bürger Westberlins war die Rede Trost und Hoffnung zugleich.


Der Eiserne Vorhang spaltete Europa in den demokratischen Westen (blau) und den sozialistischen Osten (rot).

Die Hintergründe

Die Welt ist in zwei große Blöcke geteilt: der demokratische Westen unter Führung der USA und der kommunistische Ostblock unter Führung der Sowjetunion. Die Grenze zwischen den Großmächten, der so genannte Eiserne Vorhang, verläuft quer durch Europa. Deutschland ist in 2 Hälften geteilt, die demokratische Bundesrepublik Deutschland im Westen und die sozialistische DDR im Osten. Westberlin liegt wie eine Insel inmitten der DDR und bangt um seine Zukunft. Der Kalte Krieg zwischen der westlichen und der östlichen Welt ist auf seinem Höhepunkt angelangt.

Ein Jahr zuvor standen die USA und die Sowjetunion - ausgelöst durch die Kuba-Krise - am Rande eines Nuklearkrieges. Ein weiteres Jahr zuvor, 1961, errichtete die DDR die Berliner Mauer. Eine Narbe quer durch das Herz der geteilten Stadt.


Vor seiner Rede war John F. Kennedy (links) zu Gast bei Berlins Bürgermeister und späterem Kanzler Willy Brandt.



Die Rede

Am 26. Juni 1963 besuchte John F. Kennedy die Mauerstadt Berlin und hielt eine elektrisierende Rede auf dem Rudolph-Wilde-Platz (heute John-F.-Kennedy-Platz) vor dem Schöneberger Rathaus. Es war der 4. Tag seiner Deutschland-Tour und es sollte der Höhepunkt seiner Reise werden.

Vor seiner Rede sah der US-Präsident die Mauer zweimal aus nächster Nähe: Am Brandenburger Tor und am Sektoren-Übergang Checkpoint Charlie. Er war von der Unmenschlichkeit des Ungetüms aus Beton und Stacheldraht, das Familien und Freunde voneinander trennte, erschüttert.

Mit diesen Bildern im Kopf und überwältigt von der erwartungsvollen Menschenmenge, die sich vor dem Rathaus drängte, änderte er spontan seine vorbereitete Rede. Er bezeichnete die Mauer als die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems. Sie schlage nicht nur der Geschichte ins Gesicht, sondern auch der Menschlichkeit. Gewagte Worte in Zeiten des Kalten Krieges, die so nicht mit seinen Beratern abgesprochen waren.

Am Ende seiner Rede angelangt, rief er dann: Alle freie Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner. Die letzten Worte brachte er auf Deutsch hervor. Damit er sie richtig aussprechen konnte, hatte er sich die Worte in Lautschrift auf seinem Spickzettel notiert: Ish bin ein Bearleener! Die Begeisterung auf diesen Satz war grenzenlos.


Tausende Berliner wohnten Kennedys vor dem Schöneberger Rathaus bei.

Warum der Ich bin ein Berliner-Satz begeisterte

Mit den legendären vier Worten Ich bin ein Berliner stellte sich Kennedy auf die Seite Westberlins. Er signalisierte den Bürgern der Mauerstadt damit mehr als Freundschaft und Mitgefühl. Er machte seinem deutschen Publikum klar: Amerika steht fest und engagiert, entschlossen und solidarisch an der Seite des freien und demokratischen Deutschland. Er gab ihnen das Gefühl, einen starken Verbündeten zu haben.

Die Zeit danach

Schon fünf Monate später, im November 1963, wurde Kennedy ermordet und die Westberliner gedachten seiner mit Tausenden von Kerzen. Nie wieder hat ein Politiker nach dem Krieg so viele Millionen Deutsche auf Straßen und Plätze gebracht und solchen Jubel ausgelöst wie dieser amerikanische Präsident. Die Berliner Mauer sollte noch ein weiteres Vierteljahrhundert stehen bleiben, bis sie im Oktober 1989 endlich fiel.

Hier findet ihr die Übersetzung der Kennedy-Rede in Berlin: Seiten von Berlin.de.

26.06.2003 Marion Dimitriadou; Bilder: Vorschau: Cecil Stoughton, White House (pd); Kennedy & Brandt: Marion S. Trikosko (pd); Rede: Robert Knudson, White House (pd); Karte: Wikipedia GNU Christoph Lingg 

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt