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Die Bankenkrise

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Die Bankenkrise

Welche Nachrichten man auch anschaut und welche Zeitung man auch aufschlägt, überall ist von der Wirtschafts- und der Bankenkrise die Rede. Worte von Verstaatlichung und Enteigung machen die Runde. Was das alles bedeutet, erfahrt ihr hier ...

Seit geraumer Zeit wird in den Nachrichten fast nur noch von der Wirtschaftskrise gesprochen. Aber was genau ist da eigentlich passiert? In der modernen Welt ist alles miteinander verbunden. Weltweiter Handel ist ohne Zeitverzögerung rund um die Uhr möglich. Unternehmen und Banken können dadurch leichter als jemals zuvor weltweit Geschäfte tätigen.


Zudem gehören sie heute keinen speziellen Personen mehr, sondern sind internationale Konzerne, die weltweit Tochterunternehmen haben und somit natürlich auch weltweit Geschäfte machen. Darum haben Banken aus Deutschland auch im Ausland Geschäfte gemacht. Dabei konnte man auch sehr viel Geld verdienen.


Gefälschte Bewertungen


Dagegen ist prinzipiell auch nichts zu sagen. Allerdings kennen sich deutsche Banken auf fremden Märkten und in fremden Ländern nicht so gut aus. Außerdem haben die Banken auch auf die Bewertungen von Kunden durch spezielle Institute, sogenannte Rating-Agenturen geachtet. Die Bewertungen waren aber manchmal nicht richtig, teilweise sogar gefälscht.


Darum haben die Banken, die sich darauf verlassen haben, falsche Entscheidungen getroffen. Unter anderem haben sie Kreditpapiere gekauft, die faul waren. Das heißt, dass derjenige, der sich Geld geliehen hat, seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Dadurch macht die Bank natürlich einen Verlust.


Aktien und Börse



Eine Aktie der US-amerikanischen Chase Manhattan Bank aus den 1960er Jahren.



Einige Banken sind so genannte Aktiengesellschaften. Das heißt, dass theoretisch jeder sich einen Anteil einer solchen Firma kaufen kann. Dafür ist man an den Gewinnen, aber auch am Risiko beteiligt.

Im Besten Fall kann man mit seinen Aktien also gute Gewinne machen, im schlimmsten Fall sind die Aktien wertlos und damit hat man sein Geld verloren. Das ist das normale Risiko an der Börse. Es ist auch das normale Risiko einer Bank-Aktiengesellschaft, die viele faule Kredite hat, dass sie Verluste mach und womöglich Pleite geht.


Auch die Hypo Real Estate Bank ist eine Aktiengesellschaft. Gleichzeitig hält sie selbst auch Anteile, unter anderem an der Depfa Bank. Auch die Hypo Real Estate hat Geschäfte mit anderen Banken gemacht und hat ein Problem mit faulen Krediten.


In einer normalen wirtschaftlichen Situation, wenn also keine allgemeine Krise herrscht, müsste diese Bank eigentlich Pleite gehen. Das heißt, dass die Aktien wertlos werden und die Aktionäre ihr Geld verlieren und dass andere, die mit der Hypo Real Estate Geschäfte gemacht haben, ebenfalls ihr Geld verlieren. Das ist zwar ärgerlich, muss aber in einer Marktwirtschaft eigentlich so sein.


Vernetzung macht Probleme


Das Problem bei der Hypo Real Estate ist die Depfa Bank. Denn diese hat wiederum Tochterunternehmen und Niederlassungen in der ganzen Welt. Diese Unternehmen finanzieren die öffentliche Hand. Das heißt, dass Kredite von Städten und Gemeinden für Bauvorhaben wie Schulen, aber auch andere Anschaffungen gefährdet sind.

Wenn die Hypo Real Estate und damit die Depfa Bank pleite geht, dann sind Auswirkungen davon in vielen Städten und Gemeinden zu spüren.Darum ist die Hypo Real Estate so wichtig. Politiker nennen das auch systemrelevant.


Um den Untergang der Hypo Real Estate zu verhindern, hat sie der Staat bislang schon mit über 100 Milliarden Euro unterstützt. Zum Teil ist Geld geflossen, zum Teil wurden nur Garantien abgegeben, dass im Notfall weiteres Geld vom Staat fließen wird.


Dadurch soll die Hypo Real Estate wieder Vertrauen bei anderen Instituten erhalten und normal handeln können. Trotz des vielen Geldes, dass der Staat für die Bank im weitesten Sinne bereitstellt, hat er aber keinen Einfluss auf die Geschäfte der Bank..


Geld und Einfluss


Das soll sich mit einer Verstaatlichung ändern. Denn der Staat hat die Bank schon mit mehr Geld unterstützt, als sie an der Börse wert ist. Damit nun die Anleger nicht ihre Verluste vom Steuergeld der Bürger bezahlen lassen, gleichzeitig aber Gewinne für sich behalten und in die eigene Tasche stecken, überlegt man, wie der Staat eine Gegenleistung für sein Geld erhalten kann.


Dabei wird über Verstaatlichung nachgedacht. Verstaatlichung ist im Grundgesetz in den Artikeln 14 und 15 geregelt. Dort steht, dass der Staat gegen Entschädigung sich in den Besitz von Dingen bringen kann, die Menschen und Unternehmen gehören, um damit der Gemeinschaft zu helfen. Das kann er aber nicht willkürlich tun. Zum einen soll dafür der Besitzer entschädigt werden, zum anderen geht das nur, wenn ein höheres Gut auf dem Spiel steht.


Zum Beispiel ist es keine Seltenheit, dass Grundstücke von Privatbesitzern für eine Straße oder ein Schienenstück enteignet wurden. Höheres Gut ist hier der Verkehr der Allgemeinheit, das über den Besitzinteressen des Grundstückseigentümers steht.


Neuartige Probleme und neuartige Lösungen


Bislang wurden in Deutschland aber noch nie Banken oder Firmen verstaatlicht. Die Bundesregierung denkt nun darüber nach, für eine Zeit lang selbst das Ruder bei der Hypo Real Estate zu übernehmen. Die Bank soll für eine gewisse Zeit, bis das Schlimmste der Krise vorüber ist, als Gegenleistung für das Steuergeld der Bürger unter Führung der Regierung gestellt werden.


Experten und Politiker sowie Unternehmer und Anleger streiten darüber, ob das der richtige Weg ist. Es wird befürchtet, dass ausländische Investoren aus Angst vor Verstaatlichung nicht mehr in Deutschland investieren.


Aber lange Zeit wurde besonders von Banken und großen Unternehmen immer wieder gepredigt, dass der Staat sich aus der Wirtschaft heraus halten soll. In der Krise wird nun von den gleichen Unternehmern und Banken nach der Hilfe des Staates gerufen. Nun muss die Politik irgend etwas tun, damit nicht noch mehr Banken und Unternehmen und damit schließlich auch Arbeitsplätze vernichtet werden.


Einige Politiker und Experten sind darum der Meinung: Es ist gut, wenn der Staat hilft, aber wer die Hilfe des Staates und damit das Steuergeld von uns allen in Anspruch nimmt, muss dafür auch Kontrolle zulassen.


Wenn dich Wirtschaft interessiert, dann wirf doch auch einen Blick in unser WAS IST WAS-Spezial Wirtschaft oder in unseren WAS IST WAS-Band 78: Geld.


Ein weiteres, sehr informatives Buch stammt von Bernd Lietaer Die Welt des Geldes.


Text: -jj- 27.2.2009 // Bilder: Anzeigentafel: KMJ/GFDL; Baustelle E.pfeiffer@gmx.net/GFDL; Aktie Ralf Prokop/cc-by-sa 3.0;

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