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Der Herero-Aufstand

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Der Herero-Aufstand

Im Januar 1904 begann der Herero-Aufstand. Soziale Unterdrückung, Ungleichbehandlung und Ausbeutung führten dazu, dass sich die Halbnomaden, die hauptsächlich als Rinderzüchter in Südwestafrika lebten, gegen die deutsche Kolonialmacht auflehnten.

Aller Rechte beraubt

Seit 1883 waren die Herero und andere Völker, wie die Nama, immer weiter von ihrem Land vertrieben worden. Ihre Rinderherden wurden immer kleiner, weiße Händler betrugen sie und ihre Rechte wurden mehr und mehr beschnitten. Schließlich war die Situation so unerträglich, dass es im Januar 1904 zum Widerstand der Herero in der Kolonie Deutsch-Südwest(afrika), der heutigen Republik Namibia, kam. Nun besetzten die Herero weite Teile des Landes. Sie töteten 123 Deutsche, plünderten Läden, raubten Vieh und zerstörten die Infrastruktur.

Völkermord an den Herero

Doch die Deutschen reagierten mit brutaler Härte. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. schickte sogenannte "Schutztruppen" ins Land. Sie verübten ein Massaker an den Herero, die in die Omaheke-Wüste getrieben wurden und dort elendig verdursteten und verhungerten.

Keine Gefangenen machen

In einer Proklamation des deutschen Generals Lothar von Trotha hieß es 1904: "Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen."

Halbherziges Eingreifen

Die Folgen waren verheerend. Wie viele Herero an den Folgen des Krieges, der Zwangsarbeit, in Folge von Unterernährung und Krankheit starben, ist bis heute nicht geklärt. Als die Nachricht der Vernichtungspolitik Trothas nach Deutschland gelang, brachen in manchen Kreisen Empörung und Entsetzen aus. Der Kaiser sah sich gezwungen die systematische Vernichtung eines ganzen Volkes zu stoppen. Er tat es widerwillig.

Zwangsarbeit und Krankheiten

Und so kam am 11. Dezember der Befehl aus Berlin, alle Herero zu fangen und in Konzentrationslagern zu sammeln. Es folgte eine erbarmungslose Jagd auf Schwarze. Die meisten von ihnen wurden in Ketten gelegt und zur Zwangsarbeit verpflichtet. In den Lagern starben weitere Herero an Mangelernährung und Krankheiten. Erst im Frühjahr 1908 wurden die Lager geöffnet und strenge Passgesetze eingeführt.

Nur ein Drittel überlebt

Ein Volk und eine Kultur lagen im Sterben. Im Jahre 1903 lag die Anzahl der Menschen aus dem Herero-Volk ungefähr bei 80.000 Menschen, die bis zum Jahre 1911 auf 15.130 sank. Mehr als ein Drittel wurde auf grausame Weise ermordet.

Späte Anklage

Am 18. September 2001 verklagten die Herero die Bundesrepublik Deutschland auf Reparationszahlungen. Für Schäden, die ihnen während des Aufstandes 1904-1907 entstanden seien. Sie warfen der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des deutschen Kaiserreichs vor, den Rassenkampf gegen die Herero und einen Völkermord-Feldzug zu deren Vernichtung und Ausrottung eingeleitet und ausgeführt zu haben.

Zum 100. Jahrestag der Verfolgung gedachte die deutsche Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, in Namibia der Toten. Erstmals bekannte sie sich als Repräsentantin der Bundesregierung zur politischen und moralischen Schuld der deutschen Kolonialherrschaft. Dennoch lehnte sie wie auch die Bundesregierung eine finanzielle Entschädigung ab. Heute arbeiten die Herero im ganzen Land verteilt auf Farmen oder leben in den Städten.

9.1.03/ sw aktualisiert 29.12.2008; Bildmaterial: Namibische Flagge, Gesellschaft für bedrohte Völker

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