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Das Manhattan-Projekt

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Das Manhattan-Projekt

Unter dem Decknamen "Manhattan-Projekt" entwickelten Forscher in den USA die erste Atombombe. Sie hätte über Nazi-Deutschland abgeworfen werden sollen. Doch der Krieg in Europa war zu Ende, ehe die Bombe fertig war.

Im Sommer 1941 gingen in den USA Gerüchte um, die Deutschen würden intensiv an einer Uranbombe forschen.

Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt wurde hellhörig. Denn zwei Jahre vorher hatte er einen warnenden Brief von Albert Einstein erhalten, in dem von dieser Forschung die Rede gewesen war.

Das Thema hatte den Präsidenten damals jedoch nicht interessiert. Er wußte allerdings, dass in Deutschland hervorragende Wissenschaftler lebten, denen er diese Forschungen durchaus zutraute.

Deutschland und die Kernspaltung

Am 22. Dezember 1938 gelang dem Chemiker Otto Hahn die erste Kernspaltung im Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut, 1948 in Max-Planck-Institut für Physik umbenannt.

Zusammen mit seiner langjährigen Kollegin Lise Meitner, legte er damit die Voraussetzungen zur technischen Nutzung der Kernenergie - aber auch zur Herstellung von Atomwaffen. Lise Meitner hatte das nationalsozialistische Deutschland einige Monate zuvor verlassen, aber stand brieflich weiter mit ihm in Kontakt.

Auch Werner Heisenberg beschäftigte sich mit den Elementarteilchen und kam zu dem Schluss, dass eine technische Nutzung der Atomenergie nicht möglich sei. Doch nach Otto Hahns Erfolg musste er umdenken. Ab 1940 war Heisenberg für die wissenschaftliche Forschung in Zusammenhang mit dem deutschen Kernenergieprojekt verantwortlich.

Die geflüchteten ungarischen Wissenschaftler Leó Szilárd, Edward Teller und Eugene Wigner erkannten die Gefahr, die von einer solchen Waffe, gerade in den Händen der Nationalsozialisten, ausgehen könnte.

Aus diesem Grund überzeugten sie deshalb Deutschlands bekanntesten Physiker, Albert Einstein, US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem Brief zu warnen.

Die USA und die Atombombe

Schon kurz nach Otto Hahns Erfolg startete 1939 in den USA ein kleines Forschungsprogramm. Am Naval Research Laboratory in Washington, D.C. arbeitete der Physiker Philip Abelson an der Isotopentrennung von Uran. Zur gleichen Zeit baute der italienische Kernphysiker Enrico Fermi an der Columbia University den Prototyp eines Kernreaktors, bei dem er verschiedene Kombinationen von Graphit und Uran einsetzte.


Kontrollierte Kettenreaktion


Am 2. Dezember 1942 setzte Fermi in Chicago die erste von Menschen eingeleitete und kontrollierte nukleare Kettenreaktion in Gang.

Unter einer Kettenreaktion versteht man folgendes:
Beschießt man zum Beispiel ein Stück Plutonium mit Neutronen, so wird irgendwo in diesem Plutioniumstück ein erster Kern gespalten.

Dieser stößt Neutronen aus, die selbst weitere Kerne spalten können, die wiederum Neutronen ausstoßen und so weiter. Eine solche Kettenreaktion wird als kontrolliert bezeichnet, wenn nur eine gewisse Anzahl von Kernspaltungen pro Sekunde zugelassen werden.

Die USA bauen die Atombombe

Als Fermi die Kettenreaktion gelang, war das so genannte "Manhattan-Projekt" schon fast ein Jahr alt. Die Entscheidung der US-Regierung, Kernwaffen bauen zu wollen, fiel am 6. Dezember 1941, einen Tag vor dem Angriff Japans auf Pearl Harbor.

Die Bezeichnung leitete sich von dem Umstand ab, dass wichtige Vorarbeiten an der Columbia University im New Yorker Stadtteil Manhattan geleistet worden waren.


Die Bombe soll den Krieg beenden


Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde die Leitung Brigadegeneral Leslie Groves übertragen. Er galt als durchsetzungsfähig und als wahres Genie im Führen großer Organisationen.

Er definierte das Ziel des Manhattan-Projekts so: "Eine Atombombe zu bauen, so schnell wie möglich, und dadurch den Krieg zu beenden."

Natürlich wusste er ganz genau, dass dieses Projekt nur durch die Arbeit der Wissenschaftler Erfolg versprechend war. Dennoch war es mehr als eine reine Forschungsaufgabe: Es war ein enormes industrielles Unternehmen.

Ursprünglich waren die Kosten des Projekts auf 133 Millionen US-Dollar veranschlagt worden, doch bis zum Kriegsende steigerten sich die Ausgaben auf zwei Milliarden.

Die besten Wissenschaftler der USA

Unter der Leitung des Physikers Robert Oppenheimer wurde die Atombombe bis 1945 schließlich erfolgreich entwickelt und gebaut. Dazu musste er die besten Wissenschaftler des Landes gewinnen. Oppenheimer verlegte das geheime Projekt weg von Manhattan in die Wüste von New Mexico. In über 2.000 Metern Höhe wurde dort das Los Alamos National Laboratory errichtet. Diese Forschungseinrichtung beherbergte schließlich etwa 3.000 Menschen.

In den vier Jahren von den ersten Entwicklungsschritten bis zum Einsatz arbeiteten über die Jahre mehr als eine halbe Million Menschen auf die eine oder andere Weise an dem Projekt mit. Allein in der Schlußphase im Sommer 1944 waren 160.000 Menschen beschäftigt.

Etwa 250 km südlich von Los Alamos auf der White Sands Missile Range fand am 16. Juli 1945 die erste erfolgreiche Zündung einer Atombombe statt.

Die Bombe des sogenannten "Trinity"-Tests verwendete Plutonium als nukleares Brennmaterial und besaß eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT. Das heißt, die Explosion war so stark, als hätte man 21.000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs TNT gezündet.


Atombomben im Kriegseinsatz


Roosevelt wollte die Atombombe über Nazi-Deutschland abwerfen lassen. Dazu kam es nicht, da der Krieg in Europa zu diesem Zeitpunkt schon zu Ende war. Stattdessen wurden am 6. und 9. August 1945 zwei Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Mehr als 300.000 Menschen kamen dadurch ums Leben und unzählige wurden durch die Strahlung krank.

Das Gewissen der Wissenschaftler

Nach dem verheerenden Einsatz der Atombombe im August 1945 fühlte sich Otto Hahn schuldig für die Folgen seiner Entdeckung. Obwohl er gewusst hatte, dass es im Prinzip möglich war, dass aus seiner Entdeckung eine solche Mordwaffe herauskam, entsetzte ihn die Anwendung zutiefst.

Auch Werner Heisenberg lehnte den Bau und Einsatz von Atombomben von da an entschieden ab. 1957 beteiligte er sich an der Erklärung der "Göttinger Achtzehn", in der die führenden Wissenschaftler dieser Zeit sich gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr aussprachen.

Enrico Fermi führte dagegen seine Arbeit in der Kernphysik auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fort.

Robert Oppenheimer wurde 1954 seines Amtes enthoben, nachdem er sich offen gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe ausgesprochen und eine Rüstungskontrolle befürwortet hatte. Von den Folgen der Atombombenabwürfe entsetzt, wollte er nicht am Bau einer Wasserstoffbombe beteiligt sein.