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Belgien ein gespaltenes Land

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Belgien ein gespaltenes Land

Das Land ist bekannt für Comics und Pommes, Atomium und Männeken Pis. Die Hauptstadt Brüssel ist Sitz der NATO und der EU. Bevölkert ist Belgien hauptsächlich von Flamen und Wallonen, die nicht immer gut miteinander auskommen. 1978 schlossen sie einen Vertrag über das Zusammenleben.

Das Königreich Belgien liegt nordwestlich von Deutschland und hat eine lange Geschichte. Dem römischen Reich gehörte es als Provinz Belgica an. Cäsar bezeichnete alles, was nördlich der Flüsse Seine (lat.=Sequana) und Marne (lat.=Matrona) lag, als Belgae. Es gab also kein einheitliches Gebiet Belgien oder den typischen Stamm der Belgier. Ähnlich wie in der Schweiz haben sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammengefunden. Allerdings nur von schwachen Banden zusammengehalten.


Im frühen Mittelalter war das heutige Belgien Teil des fränkischen Reichs. Nach dem Zerfall in einige Herzogtümer wurde Belgien 1815 auf dem Wiener Kongress den Niederlanden zugesprochen. 1830 wurde Belgien nach der Belgischen Revolution wieder unabhängig. Da trat auch erstmal die Flämische Bewegung ins Rampenlicht. Sie strebten nach Unabhängigkeit der Flamen.


Als Antwort auf die Flämische Bewegung gab es ab dem späten 19. Jahrhundert eine Wallonische Bewegung. Sie wollte die französische Sprache beibehalten und wehrte sich gegen die von den Flamen geforderte Zweisprachigkeit. Weil es mehr Flamen gab, fürchteten die Wallonen sich vor einer Beherrschung durch jene. Der bis heute andauernde Konflikt hat also historische Wurzeln.

Flandern und Wallonien


Das Manneken Pis, ein Wahrzeichen Brüssels.



Flamen und Wallonen sind die beiden größten Bevölkerungsgruppen in Belgien. Außerdem gibt es noch einen kleinen Anteil deutschsprachiger Belgier im Grenzgebiet zu Deutschland. Die Flamen sind niederländisch sprechende Bewohner der belgischen Region Flandern. Von ihnen gibt es heute sechs Millionen, das sind etwa 60 Prozent der belgischen Bevölkerung. Die andere Gruppe sind die Wallonen. So bezeichnen sich die französischsprachigen Bewohner der Region Wallonien.


Sprachkonflikt hat tiefere Ursachen


Die beiden Gruppen unterscheiden sich aber nicht nur durch die Sprache. Die meisten Flamen waren vom bäuerlichen Leben geprägt und sehr katholisch und konservativ. Die Wallonen hingegen stammen aus dem industriellen Arbeiterumfeld. Und sie waren der Kirche gegenüber eher negativ eingestellt. Beim Konflikt in Belgien geht es also nicht nur um Sprache, sondern die Wurzeln liegen tiefer. Auch wirtschaftliche Unterschiede, also bei Arbeitsplätzen und Einkommen, spielen eine Rolle.


Regionen sollen stabilisieren


Um eine mögliche Spaltung des Landes zu verhindern, entwickelte man die Idee der Regionalisierung. 1970 wurde die Verfassung neu geschrieben. Darin wurden die Regionen Wallonien, Flandern und Brüssel gegründet. Weil Brüssel als Hauptstadt von Menschen aus beiden Regionen bewohnt wird, erhielt es einen eigenen Status. Der Egmont-Pakt von 1977 führte dann zur tatsächlichen Schaffung dieser Regionen. Im Februar 1978 wurden im Stuyvenberg-Abkommen genaue Details festgelegt.


Hat Belgien eine Zukunft?


Entgegen dem Landesmotto Einigkeit macht stark - L'union fait la force oder Eendracht maakt macht - scheint sich die Spaltung entlang der Sprachgrenzen fortzusetzen. Jugendliche aus unterschiedlichen Regionen nutzen oft Englisch um sich zu verständigen. Politische Debatten erfolgen in den Regionen in der jeweiligen Sprache und bleiben auf die Region beschränkt. Bei Gesetzgebungsverfahren fühlt sich immer eine Seite benachteiligt, was zu komplizierten Gesetzen führt, um alle Interessen zu befriedigen.


Seit der Wahl im Juni 2007 gelang es noch nicht, eine reguläre Regierung zu bilden. Es gibt Streitigkeiten über mehr Rechte für die Regionen, insbesondere bei der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik. In Umfragen haben teils knapp 50 Prozent der Bevölkerung an einem Fortbestand Belgiens gezweifelt. Seit Dezember 2007 bemühte sich Ministerpräsident Guy Verhofstadt um eine Lösung. Aktuell gibt es eine Übergangsregierung, die bis 23. März 2008 im Amt bleiben soll.

Wenn dich die Belgien und Europa interessieren, dann wirf doch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 113: Europa.

Text: -jj- 22.2.2008 // Bilder: Manneken Pis Walter/cc-by-sa 2.0; Flagge Skopp/PD; /Wappen Tonyjeff PD;

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt