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Auschwitz - Symbol des Grauens

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Auschwitz - Symbol des Grauens

Auschwitz liegt im Südwesten des heutigen Polens. Es war das größte Konzentrationslager und ist deshalb bis heute ein Symbol für systematische Unterdrückung, Menschenverachtung und industriell durchgeführten Massenmord. Insgesamt wurden allein nach Auschwitz über 1,3 Millionen Menschen deportiert - mehr als 900.000 wurden direkt nach ihrer Ankunft in Gaskammern ermordet, über 200.000 weitere hatten zunächst als Zwangsarbeiter zu dienen, bevor auch sie durch Krankheit, Unterernährung, Misshandlungen oder medizinische Versuche ermordet wurden.

SS-Führer Heinrich Himmler, auf der Mütze ist noch ein Totenkopfsymbol zu erkennen - Zeichen der Totenkopf-Standarten, die insbesondere Zivilisten in den besetzten Gebieten ermordeten; Foto:Wikipedia

Kurz vor der Befreiung hatte SS-Führer Himmler noch den Befehl gegeben, das Lager zu räumen und Gaskammern und Krematorien zu sprengen, um die Spuren des staatlich organisierten Massenmordes zu verwischen, was aber nicht gelang.

Der Weg ins KZ Auschwitz-Birkenau führte über diese Gleise; Foto:Wikipedia

Die russischen Soldaten fanden noch rund 8000 überlebende, erschöpfte Gefangene, die nicht mehr auf einen der berüchtigten Todesmärsche Richtung Westen geschickt worden waren. In Lagerhäusern auf dem Gelände fanden die Befreier über 300000 Anzüge für Männer, über 800000 Frauenkleider, mehrere zehntausend Paar Schuhe, unzählige Kinderbekleidungsstücke - und über sieben Tonnen menschliches Haar, in Papiertüten verpackt, denn den Gefangenen wurde bei ihrer Ankunft der Kopf kahl geschoren, gleich ob Mann oder Frau.

Das Lager Auschwitz

Verhaftete Juden in Jasionowka; Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin

Auschwitz bestand aus mehreren Lagern. Bis Anfang 1941 saßen hauptsächlich polnische politische Gefangene in Auschwitz ein. Im März 1941 ordnete Himmler den Bau eines weiteren Lagers an - Auschwitz-Birkenau, das eigentliche Vernichtungslager mit Gaskammern und Krematorien. Schon bald saßen hier über 6000 Frauen ein - Jüdinnen, Zigeunerinnen, politische Gefangene, aber auch "asoziale Elemente" wie etwa Prostituierte. Und die Zahl männlicher und weiblicher Gefangener wuchs schnell weiter. Schließlich wurde noch ein dritter Lagerkomplex gebaut, dessen Insassen hauptsächlich zur Zwangsarbeit für Firmen wie IG Farben oder Krupp herangezogen wurden.

Das Tor, durch das die Zwangsarbeiter jeden Tag zu ihrer schweren und oft auch gefährlichen Arbeit geschickt wurden

Gefangene wurden in Viehwaggons ins Lager transportiert und nach ihrer Ankunft an der berüchtigten Bahnrampe selektiert. Das heißt, sie wurden eingeteilt in "arbeitsfähig" und "arbeitsunfähig". Die Arbeitsunfähigen wurden gleich in die Gaskammern gebracht und dort ermordet. Auch die als arbeitsfähig beurteilten erwartete ein grausames Schicksal: Sie wurden sadistischen Wärtern ausgeliefert und einem brutalen Arbeitsplan unterworfen. Sie bekamen nicht genügend zu essen und viele von ihnen starben bald an Krankheiten und Unterernährung. Auf dem Weg zur täglichen Zwangsarbeit marschierten die Häftlinge zu Orchestermusik durch ein Tor mit der in diesem Zusammenhang menschenverachtenden Inschrift "Arbeit macht frei". Durch die unpassende Musik und diesen Spruch sollte der psychologische Druck auf die Insassen noch verstärkt werden.

Kinder in Auschwitz

Adolf Hitler; Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin

Seit 1942 wurden aus allen besetzten Reichsgebieten Kinder nach Auschwitz gebracht, also deportiert. Kleine Kinder wurden als unnütze Esser angesehen und meist sofort vergast. Auch Mütter mit Kindern oder Großmüttern mit Enkeln wurden als "nicht arbeitsfähig" eingestuft und durch Gas ermordet. Im "Zigeunerlager" oder "Familienlager" Theresienstadt (auch zu Auschwitz gehörend) blieben Mütter mit Kindern manchmal auch zusammen.

Jungen wurden als "Maurerlehrlinge" beim Bau der Krematorien eingesetzt. Weil sie aber nicht genügend Verpflegung erhielten, litten und starben sie an Unterernährung. Nach Fertigstellung der Krematorien wurden die "Maurerlehrlinge", Kinder, mit einer Phenolspritze getötet.

Kranke Ärzte

Im KZ Auschwitz wurden unter dem Deckmantel der Wissenschaft brutale Experimente und Folterungen durchgeführt. So mussten Gefangene stundenlang in Eiswasser sitzen, bis sie erfroren waren oder erhielten Spritzen mit verschiedenen Substanzen, an denen sie schließlich starben. Zwillinge wurden zu Experimenten herangezogen, weil sie besonders interessante Ergebnisse versprachen. Geleitet wurden diese Experimente von Dr. Joseph Mengele.

Nach der Befreiung wurde der Lagerleiter Rudolf Höss in Polen vor Gericht gestellt und im April 1947 zum Tode verurteilt. Ende 1947 fand ein weiterer Prozess gegen 40 in Auschwitz tätige Nazis statt: 23 wurden zum Tode verurteilt, 16 ins Gefängnis geschickt. Zwischen 1963 und 1966 fand in Frankfurt am Main der so genannte "Auschwitz-Prozess" statt. Von den 22 Angeklagten wurden neun zu lebenslanger Haft verurteilt, die übrigen zu Strafen zwischen drei und neun Jahren.

Zitate Auschwitz-Überlebender:

"Meine Tränen kann nur ich weinen. Unseren Trauergesang können nur wir sagen."

"Ich habe die Kamine mit den großen, schwarzen Rauchfahnen gesehen, und wenn der Wind von Westen gekommen ist, dann hat man diesen süßlich-faden Geruch verspürt, den das verbrannte Menschenfleisch machte."

"Auschwitz ist ein Symbol für den Höllengeist der Vernichtung."

Erklärungen:

IG Farben: IG Farben steht für Interessenvereinigung Farbenindustrie AG. Hervorgegangen aus dem Zusammenschluss der Firmen Agfa, BASF und Bayer 1904 schlossen sich später noch andere Firmen wie Hoechst dem Verbund an. Während des zweiten Weltkrieges produzierte der Firmenverbund kriegswichtige Güter, hergestellt auch von Zwangsarbeitern in Konzentrationslagern wie Auschwitz.

deportieren: bedeutet die zwangsweise Umsiedelung von Menschen an einen anderen Ort.

Phenolspritze: Phenol ist ein Nerven- und Zellgift. Durch das Einspritzen von Phenol mitten ins Herz wurden viele Menschen in Auschwitz umgebracht.

SS: SS steht für Schutz-Staffel. Bis 1929 diente sie als "Polizei" innerhalb der NSDAP (Nationasozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands) und wurde zur Sicherung von Veranstaltungen eingesetzt. Ab 1929 wurde sie zur Kampftruppe der NSDAP und wurde später auch im Krieg an der Front eingesetzt.

Krematorium: In einem Krematorium werden Verstorbene eingeäschert, also verbrannt.

Hier erfahrt ihr mehr:

WAS IST WAS-Artikel: Der Auschwitz-Prozess

Das Schicksal von Kindern in Konzentrationslagern

Paul Celan - Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland

Text: -jj- 27.01.2005 / Bilder: Deutsches Historisches Museum, Berlin;  WAS IST WAS-Band 113: Europa

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