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Aufstand im Warschauer Ghetto

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Aufstand im Warschauer Ghetto

Im April 1943 wollten die Deutschen die letzten in Warschau lebenden Juden in Vernichtungslager deportieren. Die Revolte der jungen Juden gegen die Deutschen ist als der "Aufstand im Warschauer Ghetto" in die Geschichte eingegangen.

 
Vor Beginn des 2. Weltkrieges hatte die polnische Hauptstadt Warschau eine Million Einwohner. Ein Drittel davon waren Juden, die hier seit vielen Jahrhunderten ansässig waren.

Nach der Besetzung Polens begannen die Nazis auch hier mit der Ausrottung der Juden. Nach einer Registrierung der gesamten jüdischen Bevölkerung wurden in den Städten Sperrgebiete, so genannte Ghettos, errichtet.

Leben im Gefängnis

In Warschau wurde 1940 eine hohe Mauer um jene Stadtviertel gezogen, in welchen die Juden wohnen mussten. Auf einer vier Quadratkilometer großen Fläche, wo vor dem Krieg 80.000 Menschen gelebt hatten, wurde nun gut eine halbe Million Juden zusammengepfercht. Die Bewohner des Ghettos mussten sogar für die Baukosten der Mauer aufkommen. Die Übergänge wurden verbarrikadiert, die Straßen stets kontrolliert.

Die Ghettobewohner durften nicht mehr auf die "arische Seite". Wer es dennoch versuchte, riskierte sein Leben. Im Ghetto bedeutet jeder Tag aufs Neue einen harten Überlebenskampf, eine gespenstisch anmutende "Normalität" entwickelte sich. Lebensmittel gab es nur in Minimalrationen, entsprechend hoch war die Sterblichkeitsziffer. Die Ausgezehrten und Verhungerten lagen in Reihen auf den Straßen. Die Toten waren mit Papier bedeckt, man ging buchstäblich über Leichen. Der Ausbruch von Epidemien drohte.

Die SS hatte den Juden eine Art "Selbstverwaltung" aufgezwungen. Ein so genannter Judenrat war den Besetzern gegenüber für Ordnung und Sicherheit verantwortlich, musste später aber auch Ghettobewohner zum Abtransport in die Vernichtungslager auswählen.

Deportationen

Nach der Wannseekonferenz begannen im Frühjahr 1942 die Deportationen von Juden in die Vernichtungslager. Die Warschauer Ghettobewohner wurden ab Juli 1942 vor allem in das nahegelegene Vernichtungslager Treblinka deportiert. Über ein Jahr lang fuhren fast täglich ganze Viehwaggonzüge mit Männern, Frauen und Kindern von einer eigens angelegten Bahnstation in das Lager.

Der Warschauer Judenrat musste täglich 6.000 Menschen für die Transporte zusammenstellen. Nicht einmal jüdische Arbeiter, die für die deutsche Rüstung tätig waren, blieben verschont. Nachdem über 300.000 Ghettobewohner in Viehwaggons deportiert worden waren, unternahm die jüdische Widerstandsbewegung am 19. April 1943 im Warschauer Ghetto einen Aufstandsversuch.

Der Aufstand

Jüdische Kommunisten, Sozialisten und Zionisten schlossen sich zu einer Aktionsfront zusammen, um sich weiteren Deportationen zu widersetzen. Sie wussten, dass ein militärischer Sieg unmöglich war. Neu gegründete Kampforganisationen wurden einem gemeinsamen Kommando unterstellt.

In den ersten Tagen der Revolte gewannen die Aufständischen sogar einzelne Gefechte - aber sie konnten die deutsche Übermacht immer nur für ein paar Stunden zurückschlagen. Die SS-Truppe von Brigadeführer Jürgen Stroop bestand aus rund 3.000 Mann. Im Ghetto kämpften dagegen nur etwa 1.500 schlecht bewaffnete und halb verhungerte Juden, darunter viele Frauen.

Obwohl das Ende dieses ungleichen Kampfes vorbestimmt war, kämpften die jüdischen Rebellen über vier Wochen lang gegen die überlegenen deutschen Einheiten. Zur Vergeltung zerstörte General Stroop das gesamte Ghetto durch Feuer, Dynamit und Gas. Wer nicht erschossen wurde oder durch Gas umkam, das die Deutschen in den Bunker warfen, beging Selbstmord.

Mehr als 56.000 Juden sind im April und Mai 1943 in Warschau umgekommen. Am 16. Mai 1943 meldete Stroop seinem Vorgesetzten, in Warschau gebe es keine jüdischen Wohnbezirke mehr. Mit der Sprengung der jüdischen Synagoge wurde die Großaktion um 20.15 Uhr beendet. Die eintausendjährige Kultur jüdischen Wirkens war vernichtet.

Jürgen Stroop führte in diesen Tagen ein genaues Tagebuch seiner militärischen Aktionen, in das er Fotografien der Warschauer Ruinen und gefangengenommener aufständischer Juden einfügte. Dieses Tagebuch ist als "General Stroops Report" bekannt. Es diente als wichtiges Beweismittel bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen.

Text: Roland Rosenbauer, 14. 4. 2003

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