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Aufruf zum ersten Kreuzzug

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Aufruf zum ersten Kreuzzug

Am 26 November 1095 rief Papst Urban II. auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug auf. Vier Jahre später eroberten die Kreuzritter Jerusalem. Der Kontakt mit der byzantinischen und der arabischen Welt führte zu einer kulturellen Weiterentwicklung des Abendlandes.

Im späten 11. Jahrhundert kam es in Westeuropa zu einem Machtkampf zwischen Kirche und Staat. Der Papst war nicht mehr bereit, sich vom deutschen Kaiser bevormunden zu lassen. Seit März 1088 war der gebürtige Franzose Urban II. Papst. Er beabsichtigte, die römisch-katholische Kirche zu reformieren, um sie stärker zu machen. Dadurch wollte er vor allem seinen Anspruch, einziger "Stellvertreter Gottes auf Erden" zu sein, festigen.

Hilferuf aus Byzanz

Als ihn der byzantinische Kaiser Alexios l. um Hilfe gegen die islamischen Seldschuken bat, war der Papst dazu bereit. Schon sein Vorgänger, Gregor VII., hatte Byzanz im Kampf gegen die türkischen Eindringlinge unterstützen wollen. Im Jahre 1074 hatte dieser sich an die Spitze eines Kriegszuges zur Eroberung Jerusalems setzen wollen. Die Wirren des Investiturstreits hatten die Umsetzung dieses Vorhabens jedoch verhindert. Unter dem Investiturstreit versteht man den Streit zwischen dem englischen, französichen und deutschen Königen und den Anhängern des Reformpapstes um die Einsetzung von Bischöfen und Abten in ihre Ämter.

Auch die militärischen Erfolge der westlichen Christenheit gegen den Islam - vor allem in Spanien und Süditalien - bestärkten Papst Urban II. in seinem Wunsch, die Seldschuken wieder von den heiligen Stätten Palästinas zu vertreiben.

Aufruf mit Folgen

Am 18. November 1095 eröffnete Urban II. in Clermont eine Versammlung von Bischöfen, die sich vor allem mit kirchlichen Reformen beschäftigen sollte. Neben 182 Geistlichen aus Italien, Spanien und Frankreich war unter anderem eine byzantinische Gesandtschaft angereist. Am Ende des Konzils hielt der Papst eine öffentliche Rede, in der betonte, dass es notwendig sei, die heiligen Stätten zu befreien. Diese Rede wurde Chronisten zufolge, die abweichende Fassungen vom Wortlaut überlieferten, von der Menge begeistert aufgenommen.

"Deus lo vult" - Gott will es - sollen die Zuhörer bereits an diesem Tag das spätere Motto der Kreuzzüge gerufen haben. Noch in Clermont nahm Adhemar, Bischof von Le Puy, als erster das Kreuz. Viele folgten ihm. Sie schnitten Tücher in Streifen und hefteten sie sich in Gestalt eines Kreuzes an die Schulter.

Urban II. ernannte Adhemar zu seinem Stellvertreter und machte ihn zum Führer des Kreuzzuges, da an seiner Spitze ein Geistlicher stehen sollte.

Der Volkskreuzzug

Im Frühjahr 1096 brach eine unorganisierte Volksmasse in Richtung Palästina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand in erster Linie aus Bauern und ihren Familien, weshalb es als Volkskreuzzug überliefert ist. Allerdings waren auch niedriger Adel und einzelne Ritter unter den Kreuzfahrern. Geführt wurde der Zug von Predigern wie Peter von Amiens. Seine ersten Opfer fand dieser Kreuzzug bereits im Rheinland und in Ostfrankreich, wo es zu Massenmorden an der jüdischen Bevölkerung kam. Im Oktober 1096 traf das undisziplinierte Kreuzheer bei Nicäa auf Truppen der Seldschuken, die den Großteil des militärisch ungeschulten Haufens vernichteten. Die Überlebenden, darunter auch Peter von Amiens, kehrten nach Byzanz (Konstantinopel) zurück, um dort auf die nachfolgenden Kreuzfahrer zu warten.

Die Kreuzritter

Die Fürsten stellten gut bewaffnete Ritterheere auf, die sich in Byzanz sammelten. Es waren vor allem Franzosen, französische und süditalienische Normannen, Flamen und Lothringer. Der deutsche König Heinrich IV. und der französische König Philipp I. nahmen nicht an dem ersten Kreuzzug teil, da beide zu dieser Zeit mit dem Kirchenbann belegt waren.
Nach neueren Schätzungen geht man von einer Größe des Heeres von rund 50.000 bis 60.000 Menschen aus, darunter rund 7000 Ritter und adlige Herren sowie ein 22.000 Mann starkes Fußvolk. Die Anzahl der Pferde wird auf 50.000 geschätzt.

1098 wurde nach monatelanger Belagerung Antiochia eingenommen. Ein türkisches Heer belagerte daraufhin die Stadt, die Kreuzritter konnten die Belagerung jedoch durchbrechen und sich den Weg nach Jerusalem freikämpfen. Nach vierwöchiger Belagerung wurde die heilige Stadt am 13. Juli 1099 eingenommen. Die Kreuzritter richteten dabei ein entsetzliches Blutbad an. Nach der Eroberung wurde das Königreich Jerusalem gegründet.

Mehr über die Kreuzritter erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 60 Die Kreuzzüge
Wenn euch das Mittelalter interessiert, dann empfehlen wir euch WAS IST WAS Mittelalter Band 118. Viel Spaß beim Lesen.
RR 21. 11. 2005

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