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1847 Hungersnot in Irland

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1847 Hungersnot in Irland

Von 1845 bis 1849 kam es in Europa durch die Kartoffelfäule zu vielen Missernten, die zu Hungersnöten führten. 1847 war besonders Irland davon betroffen. In Deutschland wurde angesichts des Hungers der Brodverein gegründet, Vorläufer der späteren Raiffeisen-Genossenschaften.

Die Jahre 1845 bis 1849 waren eine schwere Zeit für einen Großteil der meist in ärmlichen Verhältnissen lebenden Bevölkerung Europas. Denn um 1840 herum war aus Nordamerika der bis dahin hierzulande unbekannte Erreger der Kartoffelfäule eingeschleppt worden.


In Kontinentaleuropa führte er in den genannten Jahren zu einigen Missernten. Besonders die Landbevölkerung hatte darunter zu leiden. Doch es folgten einige Dürreperioden, die dem Pilz auf dem Kontinent schnell den Garaus machten. Denn der Pilz benötigt zum Gedeihen kaltes und feuchtes Klima.


Ideale Bedingungen in Irland


Im kalten und feuchten Irland fand der Pilz dagegen hervorragende Bedingungen vor. Schnell breitete er sich aus und zerstörte die Lebensgrundlage vieler Menschen. Denn die Kartoffel war das ideale Nahrungsmittel für die armen Bauern, weil sie mit wenig Aufwand großen Ertrag lieferte, der auch eine mehrköpfige Familie ernähren konnte. Weil also große Flächen nur mit Kartoffeln bebaut wurden (so genannte Monokulturen), konnte sich der Pilz rasend schnell ausbreiten.

Keine Gnade für die Bauern


Mit Polizei und Militär wurden Arme aus ihren Häusern vertrieben - ähnlich wie auf diesem Bild



Damals war es den meist katholischen Bauern durch Gesetz verboten, eigenes Land zu besitzen. Sie mussten an die Grundbesitzer hohe Pachten abführen und ihnen blieb gerade das nötigste zum Überleben. Getreide und tierische Erzeugnisse mussten abgeliefert werden. Der Großteil wurde nach England gebracht, denn Irland unterstand der britischen Krone. Konnte die Pacht nicht entrichtet werden, wurden die Armen gnadenlos vertrieben und ihre Häuser zerstört.


Wo blieb die christliche Nächstenliebe?


Der Pilz traf also den Lebensnerv der Bevölkerung. Es gab viele Tote, Suppenküchen und Armenhäuser wurden eingerichtet. Doch dort gab man den Bedürftigen nichts umsonst, sie mussten selbst für dünne Suppen Arbeit verrichten. Sogar, wenn es sinnlose Tätigkeiten wie das Aufschichten von eigentlich nicht benötigten Steinmauern und das Anlegen von Straßen waren. Doch man wollte so an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren, sich nicht in staatliche Abhängigkeit zu begeben. Ein Schlag ins Gesicht der Menschenwürde. Noch heute sind viele Bauten aus der damaligen Zeit erhalten.


Lieber Totgearbeitet als Verhungert


Diese Hungersnot ging als Great Potatoe Famine in die irische Geschichte ein. Es gab mehr als 1,5 Millionen Tote, bei einer Gesamtbevölkerung von gerade mal 8 Millionen. Fast jeder fünfte starb also durch Hunger. Viele Menschen wanderten damals nach Nordamerika aus und verdingten sich dort zu miserablen Bedingungen zu schwerer und gefährlicher Arbeit unter Tage und beim Eisenbahnbau. Man sagte, unter jeder Eisenbahschwelle lag ein toter Ire. Aber für die Menschen war es immer noch besser, als zu Hause Hungers zu sterben.


Raiffeisen hilft


In Deutschland gründete unter dem Eindruck der hungernden Bevölkerung der Kommunalbeamte Friedrich Wilhelm Raiffeisen den Brodverein. Damit wollte er die Bauern, die in schlechten Zeiten auf Kredite angewiesen waren vor den horrenden Zinsen von Wucherern bewahren. Denn ohne Geld drohte den Bauern der Verlust des Hofes, Verelendung und Hunger.


Der Brodverein sammelte Lebensmittelspenden bei reichen Bürgern und verteilte sie unter der armen Bevölkerung. Aus dem Brodverein und weiteren, von Raiffeisen gegründeten Hilfsvereinen erwuchs das Prinzip der Genossenschaft. Darin schlossen sich Landwirte zusammen und unterstützen sich im Krisenfall gegenseitig. Noch heute erinnert der Name der Volks- und Raiffeisenbanken an deren Gründer.


Text: -jj- 10.10.2007 // Bilder: Suppenküche: Illustrated London News, Kartoffelfäule/PD; Raiffeisen/PD

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