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1. Januar 1959: Fidel Castro wird Kubas Regierungschef

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1. Januar 1959: Fidel Castro wird Kubas Regierungschef

Am 13. August 1926 wurde Fidel Castro Ruz geboren. Vom 1. Januar 1959 bis Februar 2008 war er der Regierungschef auf Kuba. Dann übernahm sein Bruder Raul das Ruder. Kritiker, insbesondere die USA, werfen den Castros immer wieder Menschenrechtsverletzungen vor. Hier erfahrt ihr mehr über seine und Kubas Geschichte ...

Fidel Alejandro Castro Ruz wurde am 13. August 1926 in Biran in der Provinz Oriente auf Kuba geboren. Er war ein uneheliches Kind eines spanischen Soldaten, der auf Kuba gekämpft und den Aufstieg zum Zuckerrohrplantagenbesitzer geschafft hatte.

Castro hatte trotz des Wohlstandes seiner Familie als Kind und Jugendlicher immer wieder Kontakt zur armen Bevölkerung. Er suchte immer wieder die Auseinandersetzung mit Autoritäten und versuchte sogar, die Arbeiter auf der Plantage seines Vaters zum Streik zu bewegen.

Politik und Gewalt

1945 begann er mit einem Jurastudium in Havanna. Hier begann auch sein politisches Engagement. An der Universität herrschte ein Klima der Gewalt, denn rivalisierende politische Gruppierungen bekämpften sich gegenseitig und terrorisierten andere Studenten mit Schlägerbanden. Castro setzte sich gegen die soziale Ungleichheit unter der herrschenden Regierung ein.

1950 wurde er Doktor der Rechtswissenschaften und eröffnete eine Kanzlei. Er war mittlerweile auch Mitglied und Vorsitzender der "Orthodoxen Partei". Er wollte bei den Parlamentswahlen gegen die damals herrschende Partei antreten, die als bestechlich und kriminell galt. Doch ihm kam General Batista zuvor, der die alte Regierung mit Militärgewalt absetzte. Die Wahlen wurden abgesagt, wogegen Castro klagte. Die Klage wurde abgewiesen, für Castro war das ein klarer Verfassungsbruch. Er erklärte, dass nun das in der Verfassung verankerte Widerstandsrecht Gültigkeit habe.

Revolution mit Che Guevara

Er führte am 26. Juli 1953 einen Angriff mit Gleichgesinnten auf eine Kaserne, die Moncada-Kaserne, an. Dabei kamen zwei Mitstreiter und 15 Soldaten ums Leben. Die Tat machte ihn bekannt und berühmt. Er wurde gefasst und zu 15 Jahren Haft verurteilt, kam aber schon nach zwei Jahren wieder frei. Nun ging er ins Ausland und trainierte dort Kämpfer um General Batista abzusetzen. Bei dieser Ausbildung lernte er auch Che Guevara kennen. Gemeinsam kämpften sie zwei Jahre lang einen Guerillakrieg. Nach einigen Schlachten nahmen die Guerillas um die Jahreswende 1958/59 Santa Clara ein, der entscheidende Sieg war gelandet. Am 1. Januar 1959  flüchtete General Batista in die Dominikanische Republik. Am 8. Januar erreichte Fidel Castro und seine Truppen die kubanische Hauptstadt Havanna. Castro wurde Regierungschef. Erst im Februar 2008 wurde sein Bruder Raúl sein Nachfolger, nachdem Fidel aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurücktrat.

Weil Castro ein sozialistisches System (Erläuterungen findest du in den verlinkten Artikeln am Ende des Textes) auf Kuba einrichtete, kam es immer wieder zu Konflikten mit den USA. Insbesondere die Verstaatlichung der "United Fruit Company" missfiel den USA. Aber auch die Enteignung von Großgrundbesitzern, obwohl zum Teil gegen finanzielle Entschädigung, verärgerten die USA. Sie verhängten ein totales Wirtschaftsembargo gegen Kuba. Wer mit Kuba Handel trieb, wurde vom Handel mit den USA ausgeschlossen.

Angriffe der USA

1961 wagte der gerade mal 90 Tage im Amt weilende Präsident John F. Kennedy eine Attacke gegen Kuba, die sogenannte Schweinebuchtinvasion. Mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA griffen Exilkubaner Kuba in der sogenannten Schweinebucht an. Die Invasion scheiterte allerdings.

Unter anderem wegen dieser Invasion und der Angst Castros vor einem weiteren Invasionsversuch, kam es zum zweiten, schwerwiegenden Konflikt mit den USA. Denn Castro hatte, trotz anfänglicher Abneigung gegen die Sowjetunion, einen Pakt mit dem damaligen russischen Präsidenten Chruschtschow geschlossen.

Russische SS-4 Raketen wurden auf Kuba stationiert, nur wenige Kilometer vom amerikanischen Kontinent entfernt. Unter anderem auch deshalb, weil die USA ebenfalls Raketen in der Türkei stationiert hatten. Die Welt stand knapp vor einem Atomkrieg. Nach schwierigen Verhandlungen und Tagen des Schreckens einigten sich die Weltmächte auf einen Abzug der Raketen.

Macht dank Unterdrückung

Castro wurde dafür kritisiert, dass er sich nur mit einem System von Spitzeln und Unterdrückung so lange an der Macht halten konnte. Es werden ihm Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Etwa die Unterdrückung von Rede- und Meinungsfreiheit, Verbot von Demonstrationen, wenn sie nicht das System unterstützen sowie Inhaftierung und Hinrichtung politischer Gegner. Auch seine Tochter Alina Fernandez floh wegen politischer Differenzen von der Insel. Heute lebt sie in Kuba und arbeitet für den amerikanischen Sender CNN.

Kuba liest

Auf der anderen Seite hat Kuba ein kostenloses Bildungssystem und die Zahl der Menschen, die nicht lesen und schreiben können, gehört mit 0,2 Prozent zu den niedrigsten auf der Welt. Im Gegensatz dazu haben die USA eine Analphabetenquote von etwa 20 Prozent. Laut UNESCO gehört Kuba neben Kanada, Finnland und Südkorea zu den höchstentwickelten Ländern im Bildungsbereich. Außerdem schickt Castro jedes Jahr Hunderte von Ärzten in alle Welt, um im Sinne des sozialistischen Internationalismus humanitäre Hilfe zu leisten.

Zum 31. Juli 2006 übergab Castro erstmals seine Amtsgeschäfte wegen einer Darmoperation an seinen Bruder Raul Castro Ruz. Beobachter werteten dies als wichtiges Zeichen, weil Castro bislang die Regierungsgeschäfte nicht aus der Hand gab und besonders durch stundenlange, im Stehen gehaltene Reden seine Kraft und politische Leistungsfähigkeit demonstrierte.

Immer wieder wurde versucht, Castro durch eine Vielzahl an Attentaten von Exilkubanern und der CIA, sei es mit Bomben oder Gift, aus dem Verkehr zu ziehen. Doch der zähe "Maximo Lider" überlebte sie alle.

Seit Februar 2008 ist sein 77-jähriger Bruder Raúl Modesto Castro Ruz Kubas Regierungs- und Staatschef. Das Land hat große Probleme, da es seit langem kaum noch finanziell unterstützt wird, die Wirtschaft veraltet ist, Mittel fehlen um das hohe Bildungs- und Gesundheitsniveau zu halten. Viele Menschen sind unglücklich. Weil zum Beispiel Ärzte zu wenig verdienen, um von ihrem Gehalt zu leben, werden sie lieber Kellner. Denn jeder Beruf, der mit dem langsam steigenden Tourismus zu tun hat, bringt mehr Geld, als Studium und Wissenschaft. Wegen des anhaltenden Embargos fehlt es dem Land an Rohstoffen, an Metall, Papier oder Benzin.

Nun hoffen viele Kubaner auch auf Barak Obama und dass durch ihn die verhärteten Fronten zwischen den USA und Kuba wieder aufgeweicht werden. Man darf gespannt sein, 50 Jahre nach der Revolution!

Text: -jj- / ab akutalisiert: 31.12.2008 // Bilder: Castro Portrait Farbe: Ricardo Stuckert/Abr/CC2.5; Castro Kundgebung: Vandrad on wikipedia/GFDL; Karte: CIA World Fact Book/PD

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