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Wissenschaft / Artikel

Alfred Binet und die Intelligenz

Vor 150 Jahren, am 11.7.1857, wurde in Nizza der Psychologe und Pädagoge Alfred Binet geboren. Er machte sich besonders einen Namen durch die Entwicklung des ersten Intelligenztests. Ob man damit wirklich messen kann, wie schlau jemand ist, verraten wir euch hier ...

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Binet_Binet.jpgAlfred Binet wurde am 11. Juli 1857 als Sohn eines Arztes und einer Malerin in Nizza geboren. Während seines Jurastudiums interessierte er sich mehr für seine Nebenfächer Medizin und Psychologie. 1889 ergab es sich, dass er bei der Gründung des ersten französischen psychologischen Forschungslaboratoriums beteiligt war.
 
Nachdem er den Direktoratsposten des Instituts übernommen hatte, begann er, sich mit dem Thema „Intelligenz“ zu befassen. Er versuchte, experimentelle Methoden zur Messung der Intelligenz zu entwickeln. Seine Ergebnisse veröffentlichte er in der von ihm gegründeten Zeitschrift „Das Psychologische Jahr“. Durch seine Forschungen zur Messung von Intelligenz gilt er als Begründer der Psychometrie.
 
Was ist Psychometrie?
 
Das griechische Wort bedeutet wörtlich „Seelenvermessung“. Damit bezeichnet man ein Teilgebiet der Psychologie, in dem es um das Messen psychologischer Eigenschaften geht. Es gibt verschiedene Tests, die Persönlichkeitseigenschaften wie Risikobereitschaft messen. Binet versuchte, ein Maß für Intelligenz und intelligentes Verhalten zu entwickeln.
 
Das ist gar nicht so einfach. Überleg dir mal, was „Intelligent sein“ bedeutet. Da fallen dir bestimmt Dinge ein wie „gut Mathe können“, „gut formulieren können“, „viel über die Welt wissen“ oder „schnell denken können“.
 
Das sind Dinge, die in unserer westlichen Gesellschaft als „intelligent“ aufgefasst werden. Aber was ist mit einem Eskimo, der noch nie von Integralrechnung gehört hat, aber an Hand der Wolken das Wetter der nächsten Tage vorhersagen oder Tierspuren lesen kann? Er hätte in einem europäischen oder deutschen Intelligenztest nur wenig Punkte. Aber wir würden in der Arktis vermutlich nur wenige Tage überleben können, selbst wenn wir hohe Punkte im Intelligenztest hätten.
 
Binet_Brain.jpgIntelligenz jenseits von Kultur und Gesellschaft
 
Intelligenz oder intelligentes Handeln ist immer abhängig von der Gesellschaft und Kultur, in der man sich bewegt und in der solche Tests gemacht werden. Dieses Beispiel zeigt, dass eine Festlegung, was Intelligenz nun genau ist, gar nicht einfach ist und man bis heute noch keine allgemein gültige Definition von Intelligenz besitzt. Deswegen kursiert unter Psychologen der  Witz: „Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst.“
 
Man bemüht sich, so genannte interkulturelle Tests zu machen, in der Fähigkeiten abgefragt werden, die jeder Mensch hat und braucht, egal ob er in der Wüste lebt oder in der Arktis oder in Oldenburg. Aus der obigen Reihe wäre zum Beispiel „schnelles Denken“ etwas, was Menschen in jeder Kultur und Umgebung brauchen. Je schneller man denken kann, desto schneller kann man auch handeln, was von Vorteil ist, wenn man sich einer lebensbedrohlichen Gefahr gegenüber sieht.
 
Binets erste Tests
 
Die ersten Intelligenztests, die Binet entwickelte, dienten der Messung der allgemeinen Intelligenz bei Kindern. Es gab mehrere Aufgaben, die nach Alter gestaffelt waren. Je nachdem wie viele Aufgaben richtig gelöst wurden, errechnete sich daraus eine Punktzahl, die das geistige Alter des Kindes anzeigen sollte.
 
Intelligenztests heute
 
Heutige Tests berücksichtigen die verschiedenen Formen von Intelligenz, die man in der Zwischenzeit erkannt hat. Denn es gibt sprachliche Intelligenz, mathematische Intelligenz. Aber auch emotionale und soziale Intelligenz, und das räumliche Vorstellungsvermögen nicht zu vergessen. All diese verschiedenen Aspekte werden von modernen Tests erfasst.
 
Aber: Nur beim ersten Mal ist ein Intelligenztest relativ aussagekräftig, weil man natürlich auch Übung in der Beantwortung eines solchen Tests entwickeln kann und dann entsprechend schneller fertig ist, was zu einem höheren IQ-Ergebnis führt.
 
Erst die Summe der einzelnen Fähigkeiten gibt an, wie „intelligent“ man ist. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass man in einem Bereich besonders stark ist, aber andere dafür weniger gut ausgeprägt sind. Extremes Beispiel sind Menschen, die am Savant-Syndrom leiden. Man spricht auch von einer „Inselbegabung“.
 
Binet_Denker.jpgInselbegabungen – ziellose Intelligenz
 
Diese Menschen können sich etwa Bücher beim ersten durchlesen komplett merken und Buchstabe für Buchstabe wiedergeben. Oder sie können Musikstücke nach einmaligem Hören perfekt auf dem Klavier wiedergeben. Dafür sind andere Fähigkeiten stark beeinträchtigt, etwa soziale oder emotionale Intelligenz. Der Film „Rain Man“ handelt von einem solchen autistischen Menschen.
 
 
Wer glaubt, besonders hochbegabt zu sein, kann sich um Aufnahme in den „Schlaumeier-Club“ Mensa bemühen. Dort treffen sich Menschen mit einem IQ von mehr als 130 Punkten.
 
Wenn dich Geist, Gehirn und Seele interessieren, dann wirf doch auch mal einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 108: Das Gehirn
 
Text: -jj- 10.7.2007 // Bilder: Binet, Denker: PD; Gehirn: USGov/NIH/PD


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